Ihren markanten Stil verteidigt sie. «Ich habe nicht den Anspruch, mit der Machete herumzulaufen. Ich suche eigentlich immer eher das feine Florett: freundlich im Ton, höflich in der Ansprache, aber klar in der Sache», sagte sie der dpa. Es gehe nicht darum, jemanden in einem Interview niederzuringen - wohl aber darum, Knackpunkte sichtbar zu machen. «In der Sache kann es bei mir dann auch mal hart werden – unnötige Härte sehe ich darin aber nicht.»
Ihre Gesprächspartner hätten auch stets mehr Wortanteil als sie. «Das ist eine sehr faire Grundaufstellung», sagte Slomka. «Aber die Zeit ist knapp – und wenn die Uhr läuft, muss manchmal auch Druck rein. Wir reden nicht eine halbe Stunde über Gott und die Welt, sondern fünf Minuten: zack, zack, zack.»
Risiko statt Ablesen
Ein Fragenkorsett gibt sie sich dabei bewusst nicht. «Ablesen würde für mich gar nicht gehen», sagte sie. «Viel wichtiger ist es, gut zuzuhören, spontan zurückzufragen und auch mal das Risiko einzugehen, dass eine Formulierung nicht perfekt sitzt. Das gehört dazu.»
Was sie zudem verrät: Auch privat könne sie es «manchmal schlecht aushalten», wenn jemand sehr langatmig werde. «Das liegt wahrscheinlich schon daran, dass man in meinem Job darauf trainiert ist, sehr schnell auf den Punkt zu kommen.» Eine gewisse «Déformation professionnelle» - also eine Veränderung der Persönlichkeit durch das Übertragen von Methoden aus dem beruflichen in den privaten Kontext – gebe es bestimmt.
«Gleichzeitig sollte man diese berufliche Rolle nicht mit der Privatperson verwechseln», betonte Slomka. «Und auch wenn ich als Reporterin mit Menschen spreche, die keine Verantwortungsträger sind und mir nicht in einer professionellen Rolle gegenübertreten, ist meine Gesprächsführung eine andere als beim Schlagabtausch mit einem Spitzenpolitiker.»
Die Journalistin wurde 1969 in Köln geboren. Ihr Vater war Ostpreuße, ihre Mutter Kölnerin. In ihrer Karriere gewann Slomka unter anderem den Adolf-Grimme-Preis sowie den Deutschen Fernsehpreis.