Dabei gebe es einen nachvollziehbaren Anlass für die Idee des Vereins, schwarze Kinder und Jugendliche unter sich baden zu lassen, so Roig. Rassismus sei für Schwarze allgegenwärtig und viele Räume unsicher. «Im Schwimmbad werden sie zum Beispiel beschimpft, sie würden das Wasser dreckig machen. Auch in Berlin.»
Wie geht es jetzt weiter?
Die Volksbühne bleibt bei ihrem Standpunkt: «Wir werden selbstverständlich weiterhin positive Maßnahmen für strukturell benachteiligte Menschen anbieten», teilte der Intendant Matthias Lilienthal mit. Der Deutschen Presse-Agentur sagte er, das Theater werde versuchen, das Veranstaltungsprogramm weiter umzusetzen. «Die Volksbühne hat einen langen Atem und wird am Kooperationspartner festhalten.»
Lilienthal betonte auch, er lasse sich keinen rechten Diskurs «aufzwingen». Sein Theater entspreche dem Berliner Antidiskriminierungsgesetz, was zwingend vorsehe, für marginalisierte, traumatisierte Gruppen Schutzräume zu schaffen. «Und insofern erfüllen wir auf geradezu vorbildliche staatsbürgerliche Art und Weise die Auflagen dieses Gesetzes».
Am Freitag sollte das Schwimmbad für den regulären Betrieb geschlossen bleiben. Das Bad solle am Samstag dann wieder wie vorgesehen ab 12.00 Uhr geöffnet sein, sagte Lilienthal.
Wie reagiert die Politik auf die Entwicklung?
Die Leiterin der Ombudsstelle des Landesantidiskriminierungsgesetzes bei der Senatsverwaltung für Vielfalt und Antidiskriminierung, Doris Liebscher, verteidigte das Konzept in einer Mitteilung. Eine unterschiedliche Behandlung sei zulässig, wenn durch geeignete und angemessene Maßnahmen bestehende Nachteile strukturell benachteiligter Personen verhindert oder ausgeglichen werden sollen.
Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) betonte, die Debatte laufe in eine völlig falsche Richtung. «Aus einem zeitlich begrenzten Angebot für schwarze Menschen wird ein Diskriminierungsvorwurf konstruiert, der der Sache nicht gerecht wird.»
Linke und Grüne in Berlin bezeichneten die Vorgänge als «unerträglich». «Dass die Absage wegen Sicherheitsbedenken erfolgen musste und das gemeinsame Schwimmen für schwarze Kinder und Jugendliche im Volksbad nun ausfällt, zeigt, wie sehr Hass und Hetze um sich greifen», sagte Linke-Spitzenkandidatin Elif Eralp der Deutschen Presse-Agentur.
Gibt es ähnliche Vorfälle auch in anderen Ländern?
Durchaus. In Großbritannien etwa kam es bereits vor mehr als zwei Jahren zu einer ähnlichen Debatte. Im Februar 2024 sorgten zwei geplante «Black Out»-Aufführungen des Stücks «Slave Play» im Londoner Noël Coward Theatre sogar in der Downing Street für Aufregung.
Auch in Frankreich wird die Frage, ob ein Raum gegen Rassismus geschützt sei, indem er Menschen nach ihrer Hautfarbe trennt, mit großer Schärfe diskutiert. 2017 entzündete sich der Streit am afrofeministischen Festival «Nyansapo» in Paris. Das schwarze feministische Kollektiv Mwasi wollte dort Räume schaffen, in denen schwarze Frauen über Rassismus, Sexismus und Diskriminierung sprechen konnten. Die damalige Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo sah darin zunächst eine Diskriminierung Weißer.