Als "Litte Miss Sunshine" vor exakt 20 Jahren in die Kinos kam, wurde nicht nur die Tragikomödie von Kritik und Publikum gefeiert, sondern auch ihre sympathische Hauptdarstellerin. So hat sich die Karriere des einstigen Kinderstars Abigail Breslin seit dem "Sunshine"-Paukenschlag entwickelt.
Der Titel trügt, denn hier ist rein gar nichts eitel Sonnenschein: "Little Miss Sunshine" zeigt einen Haufen Chaoten in einer Familie mit lauter Schieflagen: einen Vater, der als Motivationstrainer scheitert, eine Mutter als Nervenbündel, einen Sohn, der reden kann, aber kein Wort spricht, einen drogensüchtigen Opa, einen selbstmordgefährdeten Onkel und mittendrin eine pummelige, vorlaute kleine Göre mit großer Nickelbrille, die unbedingt Schönheitskönigin werden will.
Die Tragikomödie, die vor genau 20 Jahren in die Kinos kam, war ein Riesenerfolg und machte ihre Hauptdarstellerin zum Star. Abigail Breslin stahl als Olive Hoover ihren Kollegen die Show und wurde für ihre Leistung mit einer Oscar-Nominierung belohnt. Sie spielte auf wie ein Profi, der sie damals freilich schon war. Mit drei Jahren hatte Breslin bereits für Werbespots vor der Kamera gestanden, ehe sie 2002, als Fünfjährige, neben Mel Gibson in M. Night Shyamalans Mystery-Drama "Signs - Zeichen" ihr hochgelobtes Filmdebüt gab.
Nach dem Achtungserfolg mit "Sings" und dem Paukenschlag "Little Miss Sunshine" passierte, was nicht alle Tage in der Filmbranche passiert. Der Kinderstar Abigail Breslin verschwand nicht in der Versenkung, sondern konnte seine Karriere fortsetzen. Ein Jahr nach "Sunshine" war Breslin an der Seite von Catherine Zeta-Jones in der Romanze "Rezept zum Verlieben" zu sehen. Mit "Zombieland" erfüllte sich der Horror-Fan den Wunsch, eine düstere Rolle zu spielen, und im Ensemble-Drama "Im August in Osage County" bewährte sich Breslin auch im ernsten Fach.
Private Schicksalsschläge
Nachdem sie 2021 in Tom McCarthys Thriller "Stillwater" als Mordverdächtige noch einmal auftrumpfen konnte, wurde es etwas ruhiger um die Schauspielerin Breslin. Dafür konnte sie sich als Sängerin ein zweites, wenn auch nach wie vor wackeliges Standbein aufbauen. Ihre Lieder, die sie seit 2011 in unregelmäßigen Abständen veröffentlicht ("90s Honey", "Sleepwalking"), bewegen sich eher unter dem Radar. Eine Ausnahme ist "You Suck" (2014), in dem sie ihre Wut und ihren Kummer nach dem Ende ihrer Beziehung mit dem australischen Musiker Michael Clifford ausdrückte und der ihr auch viel Häme einbrachte. Du bist es, die nervt, so war der Tenor vor allem der Clifford-Fans.
Breslins Privatleben ist nicht frei von Schicksalsschlägen. Als ihr Vater 2021 infolge einer Covid-Infektion starb, war sie "am Boden zerstört" über den Verlust ihres "süßen, perfekten, großartigen, heldenhaften und wunderbaren Dada", wie auf Instagram schrieb. Erschütternd für sie auch ein Erlebnis mit einem Ex-Freund, der sie während ihrer Beziehung vergewaltigt habe, wie sie 2017 verkündete. Später erklärte sie, warum sie die Vergewaltigung, die bei ihr zu einer posttraumatischen Störung geführt hätte, nicht angezeigt habe: aus Angst vor dem Täter, aus Angst, ihre Familie zu verletzen und aus Angst, ihr würde niemand glauben.
Den Glauben an die Liebe hat der Vorfall ihr indes nicht genommen. Seit dem Jahr der Vergewaltigungsenthüllung lebt Breslin mit dem ukrainischen Geschäftsmann Ira Kunyansky in einer Beziehung. Vor zwei Jahren gaben sich die beiden das Ja-Wort. Als sie sich kennenlernten, hätte er keinen blassen Schimmer gehabt, wer sie war, erzählte Breslin 2021 in der US-Sendung "The Tonight Show". "Ich sagte ihm, ich würde nach Los Angeles fahren. Er fragte: 'Warum?' Ich: 'Na ja, ich bin Schauspielerin'. Und er: Viel Glück, es ist ein hartes Pflaster'". Es ist ein Pflaster, auf dem sich "Miss Sunshine" Breslin seit ihrem dritten Lebensjahr bewegt.