Heiße Bettszenen
Doch woher kommt der Hype? US‑Medien diskutieren die Serie als Teil einer neuen Welle queerer Romantik‑Formate – von «Heartstopper» bis «Red, White & Royal Blue». Oft wird schwule Liebe noch immer entschärft, um sie für den Mainstream «verdaulich» zu machen. «Heated Rivalry» fällt hier aus der Reihe, weil es die Sexualität explizit zeigt. Doch die softpornoähnlichen Szenen im Bett (oder unter der Dusche) erfüllen auch einen inhaltlichen Sinn.
Sie zeigen, wie sich die Beziehung von Shane und Ilya verändert - von einer rein sexuellen, eher dominant-unterwürfigen Dynamik zu einer emotional immer enger werdenden Verbindung. Die Musik und der Schnitt unterlegen diese Wandlung. Spätestens ab der dritten Episode sollte die ein oder andere Träne beim zartbesaiteten Teil der Zuschauerschaft fließen.
Darum lieben Frauen «Heated Rivalry»
Dass gerade heterosexuelle Frauen die Bücher und Serie verschlingen, beschäftigt auch die Macher. Der US-Amerikaner Storrie, der in der Originalfassung einen nahezu perfekten russischen Akzent spricht, erkennt einen feministischen Blick auf die Liebesbeziehung: «Darum lieben wir Romantik. Es geht nicht nur um Sex, sondern um die Momente dazwischen. In denen wir die Begierde und diesen Sog aus Verletzlichkeit und Anziehung sehen», sagte er dem queeren US-Portal «Them».
Viele Frauen hätten womöglich auch die Nase voll von der immer gleichen Darstellung heterosexueller Männlichkeit. «Sie sehnen sich nach einer Form von Maskulinität, die sie interessant und zugänglich finden.» Dass die beiden Protagonisten teilweise auf ihre muskulösen Körper reduziert werden, sorgt aber auch für Kritik.
Auch die Politik spricht über den Serienhit
Der Erfolg der Serie, die 2027 in die zweite Staffel gehen soll, hat längst die politische Bühne erreicht: Kanadas Premierminister Mark Carney posierte auf einer Gala in Ottawa mit dem kanadischen Hauptdarsteller Williams und lobte die Serie, gerade in dieser «gefährlichen, gespaltenen und intoleranten Welt».
New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani empfahl den Menschen in seiner Stadt während des Schneesturms kürzlich, zu Hause zu bleiben und sich die Buchvorlage auszuleihen. Und im eishockeyverrückten und homofeindlichen Russland gehört «Heated Rivalry» zu den Hits der illegalen Streamingseiten.
Wie die Serie zu einem Coming out führte
Auch in den Kabinen der echten Ligen zeigt die Serie Wirkung: Ein früherer US-Eishockeyspieler sprach mit Hilfe der Serie öffentlich über seine Sexualität: «Ich kenne viele ungeoutete, schwule Männer in der Hockeywelt, die vom Erfolg von "Heated Rivalry" schwer berührt sind», sagte Jesse Kortuem dem Magazin «Out». «Ich hätte nie gedacht, dass so etwas Positives und Liebeswertes aus so einem maskulinen Sport erwachsen könnte».
Im deutschen Sport ist der kanadische Erfolgshit ebenfalls Thema, auch wenn er hier noch gar nicht zu sehen ist. Der deutsche Eishockeyverband teilte der dpa mit, dass man die Serie bislang nicht gesehen habe, aber davon gehört habe.
Die «Sportschau» postete Clips von älteren Fußballspielen auf Instagram, in denen konkurrierende Profis wie Marco Reus (Borussia Dortmund) und Robert Lewandowski (Bayern München) sich vertraut zulächeln und schrieben dazu: «"Heated Rivalry" - DFB-Pokal-Edition».
Olympische Winterspiele so queer wie noch nie
Im deutschen Profifußball hat sich bislang - genauso wie im Eishockey - noch kein aktiver Profi als schwul geoutet. Bei den Olympischen Winterspielen, die passend zum Deutschland-Start der Serie an diesem Freitag beginnen, gibt es dagegen so viele offen queere Sportstars wie noch nie zuvor. Nach Angaben des amerikanischen Portals «Outsports» treten dort über 40 Sportlerinnen und Sportler an, die sich als nicht heterosexuell identifizieren.
Den größten Anteil macht kurioserweise Eishockey aus (22) - jedoch ist kein einziger männlicher Spieler darunter. Eine schwule Liebe auf dem Eis bleibt also (vorerst) reine Fiktion.