Mario Adorf hat mehr als 200 Rollen gespielt - in Kino- und Fernsehfilmen, aber auch in Serien. Eine Auswahl seiner wichtigsten Werke nach dem Tod des Stars.
Mario Adorf hatte viele Rollen in seinem Leben: Kleinganove, Wildwest-Schurke, Angeber, Mörder, Kommissar, Promi-Wirt, Holocaust-Überlebender, Patriarch, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Zu sehen war er etwa in «Der Tod trägt schwarzes Leder» (1974), «Die verlorene Ehre der Katharina Blum» (1975), «Die Blechtrommel» (1979), «Lola» (1981) und «Der Schattenmann» (1996). Eine Auswahl wichtiger und ungewöhnlicher Rollen Adorfs:
«Nachts, wenn der Teufel kam» (1957)
Robert Siodmaks Drama bescherte dem 26 Jahre alten Adorf den Durchbruch als Schauspieler. Der Film handelt von einer Mordserie an Frauen im Nationalsozialismus. Als den Täter machen die Ermittler Bruno Lüdke (Adorf) aus. Dass der eine geistige Behinderung hat, passt in das menschenverachtende Weltbild der Nazis und sie planen einen Schauprozess. Doch dann kommen ihnen Zweifel: Räumen sie nicht ihr eigenes Versagen ein, wenn der Mann jahrelang töten konnte, ohne gefasst zu werden?
Im Nachhinein bedauerte Adorf die Rolle, ging man beim Dreh doch davon aus, dass der Film auf wahren Tatsachen beruhte. Später kam heraus, dass Lüdke unschuldig war und von den Nazis als frauenmordendes Monster inszeniert worden war. «Ich habe einem Menschen, der wirklich gelebt hat, eine monströse Geschichte gegeben, die überhaupt nicht stimmt», sagte Adorf 2020 der «Zeit». Lüdke sei vielmehr ein Opfer gewesen. «Die SS war der Teufel, nicht Bruno!»
«Winnetou 1. Teil» (1963)
Der Film von 1963 war nach «Der Schatz im Silbersee» der zweite Karl-May-Film und wie der erste ein Riesenerfolg. Mario Adorf spielt in dem Film Santer, den Mörder der Schwester von Winnetou.
In einem dpa-Interview erinnerte er sich einst: «Immer wieder treffe ich Leute, die sagen: "Dass du die Nscho-tschi erschossen hast, das habe ich dir lange Jahre nicht verziehen. Ich habe dich dafür gehasst." Das ist ein Satz, den ich zigtausend Mal gehört habe.» Interessanterweise sind sich Adorf und Schauspielerin Marie Versini während der Dreharbeiten nie begegnet: «Ich hab' irgendwohin in die Luft gezielt», weiß Adorf noch. Die Einstellung, in der Nscho-tschi tödlich getroffen zu Boden sinkt, wurde an einem ganz anderen Tag ohne Adorf gedreht.
«Deadlock» (1970)
Mario Adorf hat bei vielen großen Produktionen mitgemacht, es gibt aber auch Off-Filme mit ihm. «Deadlock» von Regisseur Roland Klick ist ein solches völlig zu Unrecht vergessenes Juwel, ein deutscher Vorläufer zu den Filmen von Quentin Tarantino.
Es geht um eine verlassene Minenkolonie mitten im Nirgendwo und einen Koffer voller Geldscheine. Adorf spielt Minen-Aufseher Charles Dump. Dump sieht in dem Geld die Chance, die Einöde endlich zu verlassen. Er wird skrupellos, doch andere sind noch skrupelloser. In einer der stärksten Szenen rennt Adorf panisch durch die menschenleere Wüste, gejagt von einem Truck. Im düsteren, brutalen Neo-Western sind nur sieben Menschen zu sehen, fünf werden das blutige Katz-und-Maus-Spiel nicht überleben.