Nach dem Sieg in Sachsen-Anhalt hat die AfD auch in Mecklenburg-Vorpommern ein Rekordergebnis erzielt. Doch die SPD hat zuletzt enorm Boden gut gemacht. Reicht das zum Weiterregieren?
Es zeugt von gesundem Selbstbewusstsein, dass die SPD die Orangerie im Schweriner Schloss für ihre Wahlparty angemietet hat. Der prächtige Renaissancebau - einst Sitz der Mecklenburger Herzöge - ist seit 1990 der Sitz des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern. Seit nunmehr 28 Jahren hat hier die SPD das Sagen, doch noch vor Monaten deutete einiges darauf hin, dass ihre Zeit abgelaufen ist.
Nach einem harten und polarisierenden Wahlkampf konnte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig aber entgegen dem Bundestrend deutlich gegenüber der AfD aufholen. Nun hofft sie auf Koalitionspartner.
Nach Auszählung aller Wahlbezirke hat die AfD das Rennen mit der SPD um Platz mit 38,2 Prozent der Stimmen für sich entschieden. Die SPD holte 35,5 Prozent. Neben den beiden ziehen demnach noch die Linke mit 6,5 Prozent und die Grünen (5,7) in den Landtag ein. Dramatisch gescheitert ist die CDU (4,9), auch für das BSW (4,8) hat es nicht gereicht. Speziell für die CDU ist das erstmalige Ausscheiden aus einem Landesparlament ein Desaster. Im Gegensatz zur SPD fehlen der AfD mögliche Koalitionspartner.
Schwesigs energischer Wahlkampf
Dass die SPD in Schwerin die Option hat, weiterzuregieren - trotz des schlechten Images der Bundesregierung, an der die Sozialdemokraten ja ebenfalls beteiligt sind - hat die Partei vor allem Schwesig zu verdanken.
Vor ziemlich genau einem Jahr landete die SPD in Mecklenburg-Vorpommern einer Infratest-Umfrage zufolge bei mauen 19 Prozent. Die AfD hatte zu dem Zeitpunkt doppelt so viel. Selbst zu Beginn des Sommers lagen die Sozialdemokraten noch abgeschlagen auf Rang zwei mit deutlich unter 30 Prozent. Doch die Amtsinhaberin machte die Abstimmung zu einer Richtungswahl und inszenierte sich als «Frau gegen Blau». Mit Erfolg für die eigene Partei: Im Verlaufe des Wahlkampfs holte die SPD immer weiter auf.
Neben ihren Verpflichtungen als Ministerpräsidentin tourte Schwesig unermüdlich durch das flächenmäßig immerhin sechstgrößte Bundesland Deutschlands. Bei den Wahlkampfterminen gab sie sich als Kümmerin. Nicht die Reden auf der Bühne brachten ihr den großen Zuspruch, sondern die Einzelgespräche mit den Bürgern danach. Sie schüttelte jede Hand, die sich ihr ausstreckte, ließ sich mit jedem ablichten, der es wollte. Wichtiger aber noch: Sie hörte sich jede Klage der Bürger an und versprach Abhilfe, wenn möglich.
Auf Distanz zur Bundesregierung
Schwesig ist es bei brisanten Themen wie der Rentenreform oder den Spritpreisen gelungen, auf Distanz zur gerade in Mecklenburg-Vorpommern unbeliebten Bundesregierung zu gehen. Sie inszenierte sich als Garant für Stabilität und Demokratie. Hilfreich für ihre Selbstdarstellung dürften zudem mehrere Milliardenverträge mit der Wirtschaft gewesen, die just zur Wahlkampfzeit unterzeichnet wurden; sei es der Aufbau eines riesigen Rechenzentrums bei Rostock von der Schwarz-Gruppe oder ein Großauftrag für Konverterplatten, den die Rostocker Werft bekam.