Der Ärger um Russlands Präsenz auf der Kunstbiennale Venedig lässt Leiter Buttafuoco kalt. Er sieht die Ausstellung als Hort künstlerischer und intellektueller Freiheit – trotz weiterer Proteste.
Biennale-Leiter Pietrangelo Buttafuoco verwahrt sich gegen Kritik an der Teilnahme Russlands an der internationalen Kunstausstellung und wirft seinen Kritikern Intoleranz vor. Es habe hitzige Diskussionen, Ausschluss-Forderungen und Stellungnahmen gegeben, die oft dem Zuhören vorausgegangen seien, beklagte Buttafuoco.
Buttafuoco beklagt Rufe nach Zensur und Ausschluss
Um die wichtige internationale Ausstellung gibt es schon vor der Eröffnung am Samstag Ärger. Im Streit um den Umgang mit Israel und Russland trat die Jury zurück. Zusammen mit der documenta in Kassel gehört die alle zwei Jahre stattfindende Biennale zu den wichtigsten Veranstaltungen zeitgenössischer Kunst.
Er wundere sich darüber, dass die Welt, die aus der Französischen Revolution, der Aufklärung, dem Laizismus und dem Streben nach perfekter Demokratie hervorgegangen sei, sich in ihr genaues Gegenteil verkehrt habe, sagte Buttafuoco. Er beklagte «eine Werkstatt der Intoleranz und der Rufe nach Zensur, nach Zensur und Ausschluss».
«Wir geben hier keine Antworten»
Man sei nicht blind gegenüber Diskriminierung, Gewalt und Krieg, betonte Buttafuoco. Aber: «Sich jemandem zu verschließen, bedeutet, die Öffnung gegenüber anderen zu schwächen. Und wenn die Biennale damit begänne, nicht Werke auszuwählen, sondern Zugehörigkeiten, nicht Visionen, sondern Pässe, dann würde sie aufhören, das zu sein, was sie immer gewesen ist.» Venedig habe seit Jahrhunderten keine Angst vor der Begegnung.
«Wir schüren hier keine Polemiken, wir geben keine Antworten, wir eröffnen Diskussionen», erklärte Buttafuco. Er beklagte eine vorweggenommene Zensur noch vor der Ausstellung eines Werks. Die Biennale sei kein Gericht. «Dies ist ein Garten des Friedens, ein Ort, an dem ausgestellt wird, ein Ort, an dem diskutiert wird, ein Ort, wo man sich zuhört.»
Kritik vom Kulturminister
Italiens Kulturminister Alessandro Giuli hatte dem Biennale-Präsidenten zuletzt vorgeworfen, mit der Wiederzulassung von Russland zu der sechsmonatigen Ausstellung Neben-Außenpolitik betreiben zu wollen und damit gescheitert zu sein. «Er ist Opfer einer pazifistischen Fantasie geworden», sagte Giuli der Zeitung «La Repubblica» (Sonntag).
Der Journalist und Schriftsteller Buttafuoco leitet die Kunstbiennale seit März 2024. Ernannt wurde er von der rechten Regierung unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Der 62-Jährige kommt ebenfalls aus dem rechten Lager und galt bislang als Freund des heutigen Kulturministers.