Und: Um seinem Ärger Luft zu machen, so viel sei gesagt, greift er schnell wieder zu drastischen Methoden. Auch der im Keller des Kindergartens gefangengehaltene Boris bereitet ihm Stress - vor allem als dieser plötzlich verschwindet. Der Achtsamkeitscoach muss wieder her.
Wer ist das «innere Kind» - und warum darf es jetzt mitreden?
Seine Diagnose ist schnell gestellt. Schuld an den Wutausbrüchen sei Björns «inneres Kind», ein Teil des Unterbewusstseins, in dem alle «Verletzungen» aus der Kindheit abgespeichert sind. Werden seine Wünsche verletzt, reagiert es trotzig und übernimmt die Kontrolle, so die Theorie in der Sitzung.
Die Aufgabe: Björn soll sein «inneres Kind» eine Woche lang in den Alltag integrieren - und alle seine Bedürfnisse berücksichtigen. So erfüllt er sich prompt einen Kindheitstraum und kauft sich einen riesigen, Diesel schluckenden Geländewagen (Zitat: «nicht gerade ein Stadtauto - aber leider geil»).
Doch dabei bleibt es nicht: Sein «inneres Kind» meldet sich immer wieder quengelnd zu Wort und fordert oft völlig überzogene oder brutale Reaktionen. Wie im Buch geht Björn immer wieder in den Dialog mit seinem jüngeren Ich, das in der Serie nicht nur eine Metapher bleibt, sondern als eigenständiger Charakter auftritt.
Für wen lohnt sich die Serie?
Fans der Bücher von Dusse und von Staffel 1 dürften auch bei der zweiten Staffel auf ihre Kosten kommen. Die Serie bleibt nah an der Vorlage und trifft erneut den Ton aus schwarzem Humor, Krimi und Achtsamkeitsparodie.
Gleichzeitig erweitert sie die Geschichte um eine neue erzählerische Ebene. Durch das «innere Kind» erfährt der Zuschauer mehr über Björns Vergangenheit und vor allem seine Kindheit. Dadurch werden die neuen Folgen stellenweise tiefgründiger.
Allerdings: Nicht immer ist diese Erzählebene ein Plus. Manchmal drängt sich Björns jüngeres Ich fast etwas zu penetrant und drängelnd in den Vordergrund. Trotzdem gelingen der Serie wieder lustige Alltagsbeobachtungen, zum Beispiel als überambitionierte Kita-Eltern leidenschaftlich darüber diskutieren, wie der Kindergarten plastikfrei und klimaneutral werden könnte.
Wie geht es weiter?
Klar ist bereits, dass Netflix eine Fortsetzung von «Achtsam Morden» angekündigt hat. Anfang des Jahres hieß es bei einem Event des Streamingdienstes, dass die dritte Staffel im Sommer gedreht werden soll. Der Titel des dritten Buchs von Dusse: «Achtsam morden am Rande der Welt».
Geht man nach den bereits erschienenen Büchern, gäbe es auf jeden Fall noch Stoff für weitere Folgen: Bislang sind fünf Romane aus der «Achtsam Morden»-Reihe erschienen.