Zika-Virus auch mit Sex übertragbar - neuer Fall in Deutschland

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Der Kampf gegen die Mücken, die das Zika-Virus übertragen. Foto: Miguel Gutierrez, dpa
Der Kampf gegen die Mücken, die das Zika-Virus übertragen. Foto: Miguel Gutierrez, dpa

Das Zika-Virus wird auch über ungeschützten Sex übertragen. Indessen ist ein weiterer Fall in Deutschland aufgetaucht.

Die Ausbreitung des Zika-Virus nimmt weiter Fahrt auf. Nun ist auch noch bekannt geworden, dass sich das Virus auch über ungeschützten Geschlechtsverkehr verbreitet.

Außerdem ist in Deutschland ein weiterer Fall des Virus aufgetaucht.

Behörden in den USA haben einen derartigen Fall gemeldet. Der Patient (oder die Patientin) habe sich beim Sex mit einem Menschen infiziert, der aus einem vom Virus stark betroffenen Land zurückgekehrt war, meldete die Gesundheitsbehörde in Dallas (Texas) am Dienstag.


Zika-Virus breitet sich weiter aus

Für Zachary Thompson, Direktor der texanischen Gesundheitsbehörde, ist klar: "Jetzt wissen wir, dass das Zika-Virus durch Sex übertragen werden kann." Weitere Infos zum Land oder zum Geschlecht der Betroffenen nannte Thompson nicht.


Weiterer Zika-Fall in Deutschland

Der weitere deutsche Patient hatte sich nach einem Aufenthalt in Venezuela mit dem von Stechmücken übertragenen Virus angesteckt und war mit typischen Symptomen in die Düsseldorfer Uniklinik gekommen, teilte das Krankenhaus am Mittwoch mit.

Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg teilte der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit, dass das Institut am Dienstag die Verdachtsdiagnose der Düsseldorfer Ärzte bestätigt hatte. Im Zusammenhang mit dem aktuellen Ausbruch in Lateinamerika waren bisher fünf Fälle von zurückgekehrten Reisenden bekannt, die an dem Virus erkrankt waren. Davor hatten bereits fünf Reisende das Virus bei anderen Ausbrüchen nach Deutschland eingeschleppt. Der Erreger kann grippeähnliche Symptome verursachen.

Das Bernhard-Nocht-Institut ist das einzige Zika-Referenzlabor in Deutschland. Der Nachweis dieses Erregers gilt als schwierig.

Der Mann war bereits in der vergangenen Woche in die tropenmedizinische Ambulanz des Leber- und Infektionszentrums gekommen. Er hatte Fieber, Ausschlag und eine Bindehautentzündung. Die Infektion sei nach wenigen Tagen vollständig abgeklungen.

Währenddessen steigt die Zahl der betroffenen Babys in Brasilien weiter an. Es ist das bisher am stärksten betroffene Land. Wie das Gesundheitsministerium am Dienstagabend mitteilte, stieg die Zahl von 270 auf 404 - in 17 Fällen konnte nachgewiesen werden, dass sich schwangere Frauen zuvor mit dem Zika-Virus infiziert hatten. Zuvor waren es sechs Fälle. Zudem werden derzeit noch 3670 Fälle mit einem Verdacht auf Schädelfehlbildungen (Mikrozephalie) untersucht.

Das von Stechmücken übertragene Virus steht im Verdacht, durch eine Infektion von Schwangeren bei Neugeborenen Schädelfehlbildungen zu verursachen. Experten gingen zuvor bereits davon aus, dass Zika auch durch ungeschützten Sex übertragen werden kann.

Am Montag hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Bislang ist das Virus innerhalb weniger Monate in 26 Ländern Lateinamerikas aufgetaucht.

Das Zika-Virus wird vor allem von der Mückenart Aedes aegypti übertragen. Mikrozephalie kann aber auch andere Ursachen haben, zum Beispiel Röteln während der Schwangerschaft.

Sechs Monate vor den Olympischen Spielen in Brasilien sorgt der Gesundheitsnotstand wegen des Zika-Virus für große Verunsicherung. Gastgeber Brasilien empfahl Schwangeren, die Spiele im August zu meiden. Für Athleten und andere Besucher bestehe aber keine Gefahr, sagte der Stabschef des Präsidialamtes, Jaques Wagner, vor Journalisten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) riet Frauen mit Blick auf die Olympischen Spiele zur Vorsicht. "Nutzen Sie die Empfängnisverhütung, wenn Sie zu den Spielen reisen", sagte WHO-Experte Anthony Costello.

In Deutschland gibt es Experten zufolge keine Gefahr einer Ansteckung. Die das Virus übertragende Moskitoart komme hierzulande nicht vor. Bisher gibt es nur einige eingeschleppte Erkrankungen bei Reiserückkehrern. Die WHO betonte erneut, dass die Gefährlichkeit des Erregers nicht mit dem oft tödlichen Ebola-Virus vergleichbar sei.


Das Zika-Virus kann nicht zuverlässig getestet werden

Die Einstufung als internationaler Gesundheitsnotfall soll dem Kampf gegen das Zika-Virus laut WHO einen neuen Schub verleihen. Eines der Hauptprobleme sei das Fehlen eines zuverlässigen Tests, sagte ein WHO-Sprecher. "Wir wissen nicht, wann ein Mensch infiziert ist."

Nun kommt es der WHO zufolge darauf an, bei den mehreren Tausend Verdachtsfällen von möglichen Schädelfehlbindungen in Brasilien genau festzustellen, ob es sich tatsächlich um Mikrozephalie handelt. Das könne Monate dauern. Die Diagnose des Zika-Erregers sei schwierig, sagte WHO-Mikrozepahlie-Experte Costello.

Die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) hält einen langfristigen Plan für die Bekämpfung des Erregers für nötig. Die Organisation wies darauf hin, dass Zika gerade die Armen treffe. "Die meisten Brutstätten der Moskitos sind dort zu finden, wo es keine richtigen Sanitäranlagen gibt
und wo es schmutzig ist", sagte IFRC-Sprecher Benoit Matsha-Carpentier der Deutschen Presse-Agentur.

Erstmals wurde der Erreger 1947 im Zika-Wald in Uganda entdeckt. Normalerweise löst es grippeähnliche Symptome oder Hautausschlag aus. Nicht jeder Infizierte erkrankt.


Keine Zika-Gefahr in Bayern

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sieht in Bayern derzeit keine Gefahr einer Ansteckung mit dem Zika-Virus. Die Erreger würden in erster Linie durch den Stich infizierter Mücken übertragen, sagte die Ministerin am Mittwoch. Doch dieser Ansteckungsweg ist hierzulande sehr unwahrscheinlich.

Träger ist zum Beispiel die in den Tropen und Teilen der Subtropen weit verbreitete Gelbfiebermücke (Aedes aegypti). Sie komme in Deutschland nicht vor, erläuterte das Bayerische Landesamt für Gesundheit. Die asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), von der eine Übertragung nicht sicher bekannt sei, gebe es nur sehr punktuell in Süddeutschland. Sie müsste sich aber erst einmal selbst an einem Zika-Patienten infizieren, um das Zika-Virus weiterverbreiten zu können.

Huml sagte, eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung sei nur in Ausnahmefällen denkbar. "Dennoch sind die Behörden sehr wachsam." Fälle von Infektionen würden über die Meldestellen der Länder an das Robert-Koch-Institut gemeldet. "Ferner wird parallel dazu an einer möglichen Impfung geforscht."

In Bayern ist bislang eine Infektion mit dem Zika-Virus bestätigt worden. Der Patient war im Januar von der Insel Martinique zurückgekehrt und ist mittlerweile genesen.