Weihnachten wird "die schönste Zeit des Jahres" genannt. Während es für die Kirche zu den wichtigsten Festen zählt, nutzen viele - nicht nur christliche - Menschen die Feiertage, um wieder mehr Zeit mit ihren Lieben zu verbringen. Über die Jahre hat sich Weihnachten von einem rein religiösen zu einem eher kulturellen Fest gewandelt, wodurch sich bestimmte Bräuche durchgesetzt haben. Diese können sich von Land zu Land stark unterscheiden. Der Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen rund ums Weihnachtsfest und erklärt, wie Christi Geburt in anderen Ländern gefeiert wird.



Warum feiern wir Weihnachten?

Weltweit feiern die etwa zwei Milliarden Christen den 25. Dezember als die Geburt von Jesus Christus. Er wurde zwar als Sohn der menschlichen Maria geboren - aber Jesus war mehr als nur ein Mensch.
Er gilt als der Sohn Gottes, der zum Mensch geworden ist, um die Menschheit von ihren Sünden zu erlösen. Das brachte ihm den Titel "Christus" ein, was aus dem Griechischen übersetzt "der Gesalbte" oder "der Erlöser" bedeutet. An Weihnachten wird also genau genommen nicht die Geburt von Jesus gefeiert, sondern die "Menschwerdung" Gottes in Gestalt von Jesus Christus. Dabei ist das genaue Geburtsdatum von Jesus eigentlich nicht bekannt.


Wann wurde Jesus geboren?

Es gibt verschiedene Theorien darüber, warum der 25. Dezember - in einigen Ländern auch der 24. Dezember - als die Geburt Jesu gefeiert wird. In den Evangelien der Bibel wird das Geburtsdatum Jesu nicht explizit erwähnt. Anfangs ging man davon aus, dass Christus im Frühjahr geboren wurde. Aus der Weihnachtsgeschichte des Lukasevangeliums geht lediglich hervor, Jesus sei zu einem Zeitpunkt geboren, an dem sich Hirten nachts draußen bei ihren Herden befinden.

Erst später wurde die Geburt Christi von der Kirche, vermutlich im Jahr 354, bewusst auf den 25. Dezember gelegt. Dieses Datum wurde von vielen Kulturen - unter anderem in der persischen, keltischen und germanischen - als Tag der Wintersonnenwende verehrt. Es wurde gefeiert, dass die Tage wieder länger werden und das Licht die Nacht verdrängt. Seit der Reform unseres Kalendersystems im 16. Jahrhundert fällt die Wintersonnenwende auf den 21. Dezember.
Auch die Römer pflegten einen ausgeprägten Sonnenkult. Der 25. Dezember war für sie der Geburtstag ihres Sonnengottes "Sol invictus", der im dritten Jahrhundert von Kaiser Aurelian als staatlicher Feiertag festgelegt wurde. Im vierten Jahrhundert gewann das Christentum zunehmend an Einfluss und verdrängte den römischen Sonnenkult. Der 25. Dezember wurde aber nicht nur als Geburtsfest bestimmt, um den römischen Sonnengott zu verdrängen, sondern auch, weil Jesus als Lichtbringer verehrt wurde.

Auch das Jahr, in dem Jesus zur Welt kam, ist umstritten. Nach der Zeitrechnung unseres Kalendersystems hätte er im Jahr 0 geboren werden müssen. Es ist jedoch wahrscheinlicher, dass Jesus etwas früher geboren wurde. Im Matthäusevangelium wird die Dreikönigsgeschichte erzählt, in der die Weisen aus dem Morgenland einem leuchtenden Stern nach Bethlehem folgen, um den Geburtsort Jesu Christi zu finden. Bei dem "Stern von Bethlehem" könnte es sich um eine Konstellation von Jupiter und Saturn im Sternbild Fische im Jahr 7 vor Christus handeln. Andere Himmelsphänomene, welche um diese Zeit stattfanden, wären beispielsweise der Halleysche Komet (12-11 v. Chr.) oder eine Konstellation von Sonne, Jupiter, Venus und Mond im Sternbild Widder (6 v. Chr.). Jedoch ist bisher keine dieser Theorien wissenschaftlich anerkannt. Ein weiterer Hinweis darauf, dass Jesus eigentlich eher zur Welt kam, findet sich ebenfalls in der Dreikönigsgeschichte. Darin war König Herodes noch am Leben. Nach heutigen Erkenntnissen starb er allerdings schon im Jahr 4 vor Christus.


Welche Bräuche gibt es zu Weihnachten?

In einigen Ländern, darunter auch Deutschland, finden die Hauptfeierlichkeiten schon vor dem eigentlichen Weihnachtstag statt. Der Grund dafür ist, dass eine religiöse Feier traditionell mit der "Vigil" beginnt. Als Vigil wird die Nachtwache am Vorabend des Festes bezeichnet. Da diese nächtlichen Gottesdienste zunehmend auch am Nachmittag vollzogen wurden, versteht man unter Vigil im weitesten Sinne auch den gesamten Vortag eines Festes. Die Vigilien sollen als Tage des Gebetes und des Fastens genutzt werden und auf die üppigen Feierlichkeiten einstimmen. Darum gilt der 24. Dezember bis zur Weihnachtsmesse als Tag des Fastens. Nach dem Besuch der Messe findet dann im Familienkreis ein Festmahl mit anschließender Bescherung statt.
An Heiligabend gehört der Besuch eines Weihnachtsgottesdienstes bei vielen Familien dazu, sogar bei Menschen, die normalerweise nicht in die Kirche gehen. Deshalb sind die Gottesdienste an Heiligabend die am meisten besuchten im ganzen Jahr. Die Messen finden entweder am späten Nachmittag statt oder nachts, wenn es sich um eine Nachtwache handelt. Oft ist ein Krippenspiel in die Gottesdienste integriert. Darin wird die Weihnachtsgeschichte meist aus Sicht der Hirten nachgespielt. Eine andere Variante zeigt Josefs und Marias Perspektive, die sich auf die Suche nach einer Herberge begeben. Es gibt auch Krippenspiele, in denen die Reise der Heiligen Drei Könige vorgeführt wird.

Aus der Weihnachtsgeschichte geht außerdem der Brauch hervor, eine Krippe aufzustellen. Im Jahr 1223 ließ der Ordensgründer Franziskus von Assisi, auf den sich die franziskanischen Orden beziehen, zu Weihnachten den Stall von Bethlehem nachbauen. Im 16. Jahrhundert kam es zur europaweiten Verbreitung dieses Brauches durch die Jesuiten, einer Ordensgemeinschaft. Während der Aufklärung im 18. Jahrhundert kam es vorübergehend zu einem Krippenverbot, was die Menschen dazu veranlasste, heimlich Miniaturkrippen anzufertigen. Heute finden sich in fast jedem christlichen Haushalt kleine Weihnachtskrippen, in denen die Figuren von Josef, Maria, verschiedenen Tieren und den Hirten platziert werden. Das Jesuskind wird am 24. Dezember dazu gelegt und die Weisen aus dem Morgenland folgen am 6. Januar.


Woher kommt der Christbaum und was hat er mit Weihnachten zu tun?

Eine weitere Weihnachtstradition ist das Aufstellen und Schmücken eines Christbaums. Geschmückte Bäume gehören zum Brauchtum zahlreicher Kulturen. Bäume gelten seit jeher als Symbol für das Leben. Auch im Christentum kommt dem Baum eine besondere Bedeutung zu. Das bekannteste Beispiel ist der Baum der Erkenntnis, von dessen verbotener Frucht Adam und Eva im Paradies gekostet haben. Anlässlich kirchlicher Feste werden außerdem gerne verschiedene Zweige als Schmuck aufgehängt. Diesen Brauch gab es bereits bei den heidnischen Germanen. Zur Zeit der Wintersonnenwende legten sie sich Tannenzweige vor die Häuser. Besonders Nadelbäume wurden verehrt, da sie auch im Winter grün sind. Auch im vorchristlichen römischen Reich war es üblich, sich zu besonderen Anlässen Zweige und Kränze aus Nadelbäumen zu schenken. Zwischen diesen Bräuchen und dem Christbaum lässt sich allerdings kein direkter Zusammenhang nachweisen.

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Heute wird davon ausgegangen, dass der Weihnachtsbaum seinen Ursprung im kirchlichen Krippenspiel hat. Im Mittelalter wurde vor dem eigentlichen Krippenspiel ein "Paradiesspiel" vorgeführt, dass den Verzehr der verbotenen Frucht durch Adam und Eva nachstellt. Als Frucht diente symbolisch ein roter Apfel. Mit der Zeit wurden außerdem Nüsse, Gebäck und Süßigkeiten als Dekoration verwendet, die für die "paradiesische" Wirkung des Baumes stehen sollten. Schriftlich erwähnt werden geschmückte Weihnachtsbäume vermehrt seit Mitte des 16. Jahrhunderts. Das erste Dokument, in dem der Christbaum als allgemeingültiger Brauch genannt wird, stammt aus dem Elsass. In einer Chronik aus dem Jahr 1605 wird beschrieben, wie in Straßburg Tannenbäume mit Äpfeln, buntem Papier und Gebäck behängt wurden.

Dank Martin Luther, der sich für den Christbaum einsetzte, wurde dieser in evangelischen Familien bald zum weihnachtlichen Gegensymbol zur katholischen Weihnachtskrippe. Als Weihnachten im 18. Jahrhundert nach und nach zum Familienfest wurde, stellten sich immer mehr Protestanten Weihnachtsbäume in ihre Häuser. Mit der Zeit verbreitete sich der Christbaum auch in anderen europäischen Ländern und von da aus auf der ganzen Welt. 1840 ließ Königin Victoria den ersten Tannenbaum in England schmücken. Etwa 30 Jahre später wird der Weihnachtsbaum in Frankreich eingeführt. Europäische Auswanderer brachten den Brauch schließlich nach Nordamerika.


Wieso gibt es an Weihnachten Geschenke?

Zu Weihnachten gehören natürlich auch Geschenke. Der genaue Ursprung dieser Tradition lässt sich nur schwer bestimmen. Immerhin ist der Austausch von Geschenken ein uralter Brauch, den auch das Christentum übernommen hat. Ein bekanntes Beispiel stammt aus der Weihnachtsgeschichte des Matthäusevangeliums. Darin beschenken die Heiligen Drei Könige das Jesuskind mit Gold, Weihrauch und Myrrhe. Der Vorläufer des weihnachtlichen Schenkens ist die Gabenverteilung am Nikolaustag. Seit dem 13. Jahrhundert werden artige Kinder am 6. Dezember vom Heiligen Nikolaus mit Süßigkeiten beschenkt.
Der Reformator Martin Luther lehnte die Heiligenverehrung der katholischen Kirche - und damit auch den Nikolaus - jedoch strikt ab. Luther war es vermutlich auch, auf den die Figur des Christkindes zurückgeht. Dieses sollte die Symbolfigur des Heiligen Nikolaus ersetzen und die Kinder fortan an Heiligabend beschenken. Während die katholischen Kinder also weiterhin Besuch vom Nikolaus bekamen, setzte sich in protestantischen Familien später das Christkind durch. Im 18. Jahrhundert wurde Weihnachten in bürgerlichen Kreisen zunehmend als Fest der Familie zelebriert. Seitdem überreichen sich auch Erwachsene gegenseitig Geschenke.
Heutzutage wird die Übergabe von Geschenken aber auch kritisch gesehen: Das Weihnachtsgeschäft, Geschenke und Konsum stünden im Vordergrund, während die religiösen Wurzeln und das Beisammensein mit der Familie zunehmend in den Hintergrund rückten.


Wie wird Weihnachten in anderen Ländern gefeiert?

In den deutschsprachigen Ländern finden die Feierlichkeiten bereits am Abend des 24. Dezembers statt. Meist wird nach dem Kirchenbesuch ein Festessen abgehalten und Geschenke werden ausgetauscht. Andere Länder, die schon am Heiligen Abend Bescherung feiern sind beispielsweise Polen, Argentinien und die skandinavischen Länder. Andernorts gibt es erst am Morgen des ersten Weihnachtstages Geschenke. Das ist zum Beispiel in den USA so. Artige Kinde werden von Santa Claus besucht, der mit seinem Rentierschlitten über Nacht Geschenke verteilt. Der Weihnachtsmann betritt das Haus durch den Kamin (sofern vorhanden) und legt seine Mitbringsel in Strümpfe, die von den Kindern an den Kamin oder die Tür gehängt wurden.

Auch in Großbritannien wird das so gemacht. Dort wird das Festessen am 25. Dezember abgehalten. Serviert wird traditionell ein Truthahn. Dazu gibt es "Knallbonbons", die beim Öffnen knallen und aus denen Süßigkeiten und kleine Überraschungen herausfallen. Während dem gemeinsamen Essen werden außerdem Papierkronen getragen. Am selben Tag wird in Großbritannien und allen Ländern des Commonwealth of Nations die königliche Weihnachtsansprache im Fernsehen, Rundfunk und im Internet übertragen.

Die russisch-orthodoxen Christen feiern Weihnachten etwas anders. Die Feiertage richten sich bei ihnen nach dem alten julianischen Kalender, während die römisch-katholische und die evangelische Kirche den im Jahr 1582 eingeführten gregorianischen Kalender verwenden. Die Differenz zwischen den Kalendern beträgt 13 Tage. Deshalb feiert man Weihnachten in Russland nicht am 25. Dezember, sondern am 7. Januar. Eine dem Weihnachtsmann ähnelnde, russische Märchenfigur namens "Väterchen Frost" bringt bereits zu Silvester Geschenke. Er wird dabei von seiner Enkelin begleitet, die "Schneemädchen" oder auch "Schneeflöckchen" heißt. Deswegen gibt es am eigentlichen Weihnachtsfest in der Regel keine Bescherung mehr. Im Familienkreis wird am 7. Januar das "Heilige Mahl" abgehalten, das aus zwölf Gerichten besteht.

In Spanien muss man sich mit den Geschenken ebenfalls bis Januar gedulden. Die Familien versammeln sich, wie bei uns in Deutschland, am 24. Dezember zum gemeinsamen Festmahl. Nach dem Essen wird aus der "Urne des Schicksals" gezogen, in der sich kleine Überraschungen, aber auch Nieten befinden. Die klassische Bescherung, wie sie bei uns üblich ist, findet erst am 6. Januar statt. Anstelle des Christkinds oder des Weihnachtsmanns kommen die Geschenke von den Heiligen Drei Königen. Manche Kinder werden aber trotzdem schon am 24. Dezember beschenkt. In der Nacht von Heiligabend auf den 25. Dezember versammelt man sich zur Mitternachtsmesse, die auch "Messe des Hahn" genannt wird, da Christi Geburt als erstes von einem Hahn verkündet worden sein soll. Zu den weihnachtlichen Feierlichkeiten gehört auch der 28. Dezember. Dies ist der "Tag der unschuldigen Kinder", welcher an den Kindsmord von Betlehem erinnern soll. Der Tag ist vergleichbar mit dem 1. April, denn überall in Spanien spielt man sich an diesem Datum kleine Streiche.

Während man in unseren Breiten auf weiße Weihnachten hofft, fällt das Weihnachtsfest auf der Südhalbkugel mitten in den Sommer. Die Australier lassen sich die Weihnachtsstimmung dadurch nicht verderben. Die Häuser werden weihnachtlich dekoriert und ein Christbaum darf auch nicht fehlen. In der Nacht zum 25. Dezember kommt der Weihnachtsmann und bringt Geschenke. Natürlich trägt er auch in Australien seinen roten Pelzmantel, eine Zipfelmütze und Winterstiefel.


Wie wird das Wetter an Weihnachten 2015?

An Weihnachten 2015 werden deutschlandweit recht milde Temperaturen vorhergesagt. In Franken ist am Heiligen Abend mit Höchsttemperaturen um die 10 Grad bei bewölktem Himmel zu rechnen. Teilweise zeigt sich auch die Sonne. Nicht sehr viel anders sieht die Wettervorhersage für den 25. Dezember aus: In der ganzen Region ist es nach wie vor bewölkt und vereinzelt kann es zu Sprühregen kommen. Außerdem werden im Verlauf des Tages Temperaturen zwischen 4 Grad und 10 Grad erwartet. Auch der zweite Weihnachtsfeiertag soll mit Höchsttemperaturen von 10 Grad und bedecktem Himmel wenig weihnachtlich werden. In den folgenden Tagen setzt sich dieses Muster fort - Temperaturen nahe 10 Grad, teils Regen, teils Sonnenschein.
Schneefall in Franken wird für dieses Weihnachtsfest ausgeschlossen. Zusammengefasst warten wir dieses Jahr also vergeblich auf weiße Weihnachten.