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Veganer-Debatte: Zeig mir, was du isst und ich hasse dich! - ein Kommentar

Vegetarier, Veganer - alternative Ess- und Lebensgewohnheiten sind für viele ein rotes Tuch. Dabei ist das meist nur die Angst vor der Selbsterkenntnis.
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Vegetarier, Veganer - alternative Ess- und Lebensgewohnheiten sind für viele ein rotes Tuch. Dabei ist das meist nur die Angst vor der Selbsterkenntnis.  Foto: Bernd Thissen/dpa
Vegetarier, Veganer - alternative Ess- und Lebensgewohnheiten sind für viele ein rotes Tuch. Dabei ist das meist nur die Angst vor der Selbsterkenntnis. Foto: Bernd Thissen/dpa

"Du bist, was du isst": Die Frage, was auf den Tisch kommt, ist längst nicht mehr nur kulinarischer Natur. Regelmäßig entzündet sich der Unmut der alles essenden Mehrheit an Forderungen, beziehungsweise Anregungen von Vegetariern oder - noch schlimmer - Veganern.

"Die" wollen den anderen scheinbar alles verbieten, was Spaß macht: Schweinefleisch, das Frühstücksei oder Kinderlieder über den Fuchs und die Gans. Da hört der Spaß für viele sehr schnell auf.

Schnell werden da Argumente gegen "Strohmänner" ins Feld geführt, also gegen Diskussionsgegner, die so gar nicht existieren. Jeder kennt auf einmal einen, der einen kennt, der ständig von Veganern belästigt wird, die ihn bekehren wollen. Als gäbe es Wander-Veganer, die von Haustür zu Haustür ziehen und in missionarischer Manier den Verzicht predigen.

Im Gegenteil führt diese vorauseilende Abwehrreaktion gegen angebliche Missionare dazu, dass ambitionierte Apologeten der Fleischeslust erklären, warum Veganer schlechtere Menschen sind und sowieso und überhaupt gar nicht moralisch besser. Argumente entkräften, die keiner ins Feld geführt hat. Ganz großes Tennis.

Psychologen erklären die heftige Empörung damit, dass abweichende Lebensentwürfe radikal infrage stellen, was die Leute schon immer gemacht haben. Gerade die Kritik des Veganismus, die sich häufig gegen Massentierhaltung und Umweltzerstörung richtet, erinnert Menschen daran, dass ihr Konsumverhalten Schaden anrichtet. Und da schmeckt das billige Schnitzel gleich nicht mehr so lecker.

Auch interessant: Psychologen erklären: Warum sind Veganer für viele Menschen ein Feindbild?

Vielleicht ist es genau das: Es ist uns mehr oder weniger bewusst, dass es keineswegs gesund und umweltfreundlich ist, jeden Tag Fleisch und Wurst zu konsumieren. Dass Massentierhaltung Leid bedeutet, billiges Fleisch aber nur so zu haben ist. Und dass es eine verdammte Heuchelei ist, arme Hundewelpen aus Rumänien zu bedauern mit traurigen Smileys, während man sich das billige Wurstbrötchen zwischen die Kiefer schiebt.

Auf andere reflexhaft loszugehen, ist da schon ein einfaches Ventil, um dieses ungute Gefühl loszuwerden. Schmerzhafter, aber meist sinnvoller wäre da, sich selbst zu hinterfragen.

Und auch wenn man zur Erkenntnis kommt, auch weiterhin Fleisch und Eier zu essen: Keine Angst, die nimmt einem ja auch keiner weg. Wirklich nicht.

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