Zwei neue Anwärter für den Titel «Lautester Vogel der Welt»

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Nacktkehl-Glockenvogel
Der Nacktkehl-Glockenvogel stößt metallische Schreie aus.
Nacktkehl-Glockenvogel
João Menezes/University of Massachusetts Amherst/dpa
Zwei neue Anwärter für den Titel «Lautester Vogel der Welt»
Der Ruf des Rotfußseriema wird als lautes Jaulen beschrieben.
Zwei neue Anwärter für den Titel «Lautester Vogel der Welt»
João Menezes/EurekAlert/dpa
Amazonasgebiet
Die Forscher untersuchten die Rufe von Vögeln im Amazonasgebiet. (Archivbild)
Amazonasgebiet
Larissa Schwedes/dpa

Wie laut kann ein Vogel rufen? Neue Messungen zeigen: Manche Arten übertönen mit mehr als 120 Dezibel sogar das Geräusch eines Presslufthammers. Warum sie so viel Lärm machen, bleibt rätselhaft.

Manche Vögel trillern kunstvolle Melodien, andere sind einfach nur laut: Der Nacktkehl-Glockenvogel und der Rotfußseriema gehören einer Studie zufolge zu den lautesten Vögeln der Welt. Ihre Rufe erreichten in Messungen in Brasilien mehr als 120 Dezibel - das ist lauter als eine laufende Kettensäge oder ein Presslufthammer. Der Nacktkehl-Glockenvogel (Procnias nudicollis) stößt metallische Schreie aus, der Ruf des  Rotfußseriema (Cariama cristata), der optisch Kranichen ähnelt, wird als lautes Jaulen beschrieben. Sie könnten mit weiteren Analysen dem Weißkehl-Glockenvogel Konkurrenz machen, der bislang als lautester Vogel gilt. 

US-Forscher der University of Massachusetts in Amherst untersuchten die Lautstärke von insgesamt 123 Vogelarten in ihrem Bundesstaat und in Brasilien. Bei 113 dieser Arten wurde der Schallpegel nach Angaben der Wissenschaftler erstmals erfasst. Die Rufe lagen dabei um bis zu 58 Dezibel auseinander: Ein Kolibri kam nur auf 64 Dezibel - ungefähr die Lautstärke eines normalen Gesprächs. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachmagazin «Evolution».

Co-Autor Jeff Podos hatte bereits 2019 den Weißkehl-Glockenvogel (Procnias albus) - auch Einlappenkotinga oder Weißglöckner genannt - aus dem Amazonasgebiet im Fachjournal «Current Biology» zum lautesten Vogel der Welt gekürt. Dies sei mit gut 125 Dezibel später vom Guinessbuch der Rekorde bestätigt worden, hieß es nun. Weil Vogelrufe schwer zu messen sind, liegen kaum Daten aus der Vergangenheit vor. Podos und Co-Autor João Menezes nutzten für die aktuelle Studie speziell für Golfer entwickelte Laser-Entfernungsmesser sowie tragbare Schallpegelmesser. 

Schnabelöffnung mit Funktion wie Trompete

Die lautesten Vögel der untersuchten Arten waren in der Regel größer und hatten kräftigere Muskeln. Dies ermögliche eine stärkere Luftkompression und damit eine explosionsartig hohe Lautstärke, so die Erklärung. Sie hatten zudem größere Schnabelöffnungen, die ähnlich wie Musikinstrumente mit weitem Schalltrichter, etwa Trompeten, zur Verstärkung des Tons beitragen.

Warum manche Vögel derart laut rufen, ist unklar. Die Ornithologen hatten zunächst vermutet, dass die lautesten Vögel schlechte Flieger sein könnten, sich in besonders dichten Wäldern bemerkbar machen müssten oder polygam seien - also mit ihrer kräftigen Stimme Partner von weither anlockten. Dafür gab es aber keine Belege. «Wahrscheinlich brauchen wir Daten von sehr viel mehr Arten, um herausarbeiten zu können, was auf ökologischer und evolutionärer Ebene vor sich geht», sagte Menezes.