Zu wenige Kinder mit erhöhtem Risiko sind geimpft
Die Impfung gegen die saisonale Influenza wird Menschen empfohlen, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben. Dazu zählen unter anderem Menschen ab 60 Jahren, Schwangere, medizinisches Personal, Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sowie Menschen mit Vorerkrankungen, auch Kinder.
Laut der Kinderärztin Nicole Töpfner sind Kinder mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf viel zu selten geimpft. «Die Impfung wird nicht gut angenommen.»
135.000 Influenza-Fälle in den Kliniken
Kinder tragen den Angaben der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) zufolge erheblich zur Verbreitung der jährlichen Influenza-Epidemie bei. Die Experten fordern daher, eine Influenza-Impfung für alle ab dem sechsten Lebensmonat. Die Grippesaison würde dann deutlich anders verlaufen, so die Meinung der Experten.
In der Saison 2024/2025 wurden in den Kliniken laut Divi 135.000 Influenza-Fälle behandelt, davon 30.000 Kinder.
Das höchste Risiko für schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts ältere Menschen. Die Zahl der Todesfälle könne bei den einzelnen Grippewellen stark schwanken, von mehreren hundert in einer Saison bis mehr als 25.000 in der Saison 2017/18. Diese Saison sind bisher 225 Todesfälle an das RKI übermittelt worden. 95 Prozent seien 60 Jahre oder älter gewesen.
Influenza ist kein «Schnüpfchen»
Influenza ist eine ernstzunehmende Krankheit und kein «Schnüpfchen», wie Ärztinnen und Ärzte der Divi immer wieder betonen. Gerade Kinder könnten schwer an dem Virus erkranken.
Wie ist die Lage auf den Intensivstationen, auch auf denen für Erwachsene? Derzeit sei dem Divi nicht bekannt, dass es größere Versorgungsengpässe auf den Intensivstationen gebe, sagte eine Sprecherin. Ein Drittel der Intensivstationen in Deutschland meldeten derzeit einen eingeschränkten Betrieb. Das bedeutet, dass geplante Operationen verschoben werden müssen, um akute Fälle behandeln zu können.
Ob die hohe Auslastung im Zusammenhang mit Atemwegsinfektionen liege, könne sie anhand der Meldedaten nicht sagen, erklärte die Sprecherin. Vergangenes Jahr hätten zu dieser Zeit aber deutlich mehr Intensivstationen eingeschränkt arbeiten müssen. Der Wert sei also noch moderat.
Den Daten des RKI zufolge wurde vergangene Woche bei 34 Prozent der Sari-Fälle, die intensivmedizinisch behandelt wurden, Influenza diagnostiziert.