Das Niedrigwasser erreichte in Flüssen wie Rhein und Donau in diesem Jahr historische Ausmaße: Die Pegelstände erreichten im Sommer Rekord-Tiefstände.
Wenn mehr Niederschläge zu erwarten sind, wieso haben dann Flüsse und Seen so wenig Wasser?
«Das ist Leuten häufig nicht klar, denn es wirkt erst wie ein Widerspruch: mehr Dürren und mehr starker Niederschlag. Aber wenn man kurz darüber nachdenkt, merkt man sofort, nein, das ist kein Widerspruch, denn das kann erstens an unterschiedlichen Orten passieren und natürlich am gleichen Ort auch zu unterschiedlichen Zeiten», erklärt Levermann. «Und tatsächlich steht hinter beidem das gleiche Gesetz – dass eine wärmere Atomsphäre hungriger nach Wasserdampf ist.»
Pro Grad Erwärmung könne die Atmosphäre sieben Prozent zusätzlichen Wasserdampf aufnehmen. «Wenn die Luft trocken ist, aber warm, dann saugt sie den Boden, dann saugt sie die Flüsse, dann saugt sie die Flusszuläufe leer von Wasser und dann trägt sie dieses Wasser irgendwo hin. Wenn dann die Bedingungen dafür da sind, um ein Niederschlagsereignis zu haben, ist dieses Ereignis dann stärker, heftiger und es passieren auch mehr von diesen starken Niederschlagsereignissen.»
Am Arendsee in der Altmark in Sachsen-Anhalt ist in den Jahren der Fotoserie zu sehen, wie unterschiedlich das Ufer des Sees verläuft – je nachdem, wie trocken oder niederschlagsreich der jeweilige Sommer war.
«Hier sieht man, dass wir natürliche Schwankungen haben. Seen oder Flüsse reagieren sehr schnell auf Wetterveränderungen und auch auf saisonale Veränderungen», so Forscher Levermann. Da Dürreperioden häufiger werden und länger anhalten, sei anzunehmen, dass in der Zukunft mehr Bilder mit niedrigen Wasserständen in den Reihen auftauchten. Gleichzeitig seien jedoch auch Überschwemmungsereignisse wahrscheinlich.
Wie sieht es mit den Wäldern aus?
In der Eifel zeigt sich – wie in vielen anderen Waldgebieten – seit Jahren ein ähnliches Bild. Zwischen abgestorbenen Fichten sind jüngere Buchen zu sehen. Die widerstandsfähigeren Buchen sollen die Fichten im Laufe der Zeit verdrängen.
Levermann erklärt: «Wir haben eine ähnliche Situation wie bei den Gebirgsgletschern.» Beide, Gletscher und Wald, wüchsen sehr langsam und stürben sehr schnell. «Und wenn wir etwas haben, was den Wald kaputt macht, ist es sehr schwer, den Wald wieder aufzubauen. Das kann Dürre sein, das können aber auch Schädlinge sein, die durch den Klimawandel begünstigt werden.»
Was hat das mit Waldbränden zu tun?
Die vergangenen Wochen haben gezeigt, welch verheerende Folgen es haben kann, wenn ein Wald sehr trocken ist. Lässt beispielsweise jemand in der Natur eine noch glühende Zigarettenkippe fallen und ausgedorrte Sträucher fangen Feuer, springen die Funken schnell über, können sich rasant ausbreiten und durch die Landschaft fressen.
Dem Thünen-Institut für Waldökosysteme zufolge gibt es fast in ganz Deutschland - außer in Schleswig-Holstein - eine witterungsbedingte Zunahme der Waldbrandgefahr. Die Waldbrandgefahr sei in den vergangenen 30 Jahren durch den Klimawandel immer weiter gestiegen.
Der Forstwissenschaftler Jürgen Bauhus von der Universität Freiburg wies vor kurzem darauf hin, dass die Tage mit hoher Waldbrandgefahr laut Deutschem Wetterdienst deutlich zunehmen. So hätten sich die Tage mit hoher Waldbrandgefahr im Mittel von sechs Tagen pro Jahr (in der Spanne 1961 bis 1990) auf 11,3 Tage im Jahr (im Zeitraum 1991 bis 2020) fast verdoppelt. «Dieser Trend spiegelt sich auch in einer hohen Anzahl an Waldbränden beziehungsweise einer großen Waldbrandfläche wider, die wir insbesondere in den vergangenen zehn Jahren beobachten konnten.»
Und wie geht es weiter?
Die Trends dürften anhalten. Deutschland hat sich dem Deutschen Wetterdienst zufolge gegenüber der vorindustriellen Zeit bereits um 2,5 Grad erwärmt – und damit deutlich stärker als der globale Durchschnitt.
Mit den Grundregeln der Physik seien alle beobachtbaren Veränderungen logisch erklärbar, so Levermann. «Wir müssen es einfach akzeptieren als ein gesellschaftliches Problem.» Auch die Lösungen seien bekannt. «Wie man das genau macht, da kann man drüber streiten, aber nicht über die physikalischen Grundlagen. Und der Weg aus der Wirtschaftskrise führt über die Zukunftstechnologien» – und das sind eben auch und vor allem Windkraft, Solarkraft, Batterien, Speicher, Elektroautos und nicht nur Künstliche Intelligenz.