Zu gut 90 Prozent finden die Attacken laut Erhebung im Schulumfeld statt. Mehr als zwei Drittel der Opfer kennen die Angreifer, die oft aus der eigenen Schule oder der eigenen Klasse stammten. Betroffene nennen häufig Beschimpfungen, Beleidigungen, das Verbreiten von Lügen, Gerüchten und peinlichen Bildern, Erpressung und Bedrohung. Gut sieben Prozent der Befragten räumten ein, schon mal Täter gewesen zu sein. Nicht selten waren sie zugleich auch Mobbingopfer.
Cybermobbing führt oft zu schweren Folgen
Mobbing könne schwer belasten, zu Ängsten, Depressionen, Rückzug und abfallenden Schulleistungen führen, Kopf- und Bauchschmerzen oder Schlafstörungen seien häufig, so das Bündnis. Erschreckend sei, dass 25 Prozent der Betroffenen deswegen sogar nach eigener Darstellung schon mal Suizidgedanken hatten.
Die Angriffe beginnen früh, wie Leest weiter schildert: Die Studie geht davon aus, dass etwa jeder zwölfte Grundschüler schon einmal attackiert wurde. «Diese Zunahme resultiert daraus, dass heute oft schon Sechs- bis Achtjährige ein Smartphone besitzen, die Social-Media-Nutzung früher beginnt und damit die Angriffsfläche früher gegeben ist», sagt der Bündnis-Vorsitzende. Aber auch Jugendliche in der Pubertät seien sehr verletzlich.
Bündnis: «Lehrkräfte und Eltern besser unterstützen»
Bei den Lehrkräften - darunter auch Schulleitungen und Schulsozialarbeiter - gaben fast zwei Drittel an, dass Cybermobbing an ihrer Schule ein Problem sei. Prävention wirke, müsse ausgebaut werden und schon in den Grundschulen beginnen, mahnt das Bündnis. Auch Eltern sollten besser unterstützt werden. Es habe sich gezeigt, dass Eltern sich der Gefahren von Cybermobbing in der Regel bewusst seien, es aber viel Überforderung gebe.
In puncto Social-Media-Nutzung habe sich eine große Mehrheit der Eltern und Lehrer für eine Altersbeschränkung ausgesprochen, favorisiert werde dabei eine Grenze von 16 Jahren. «Das müssen wir aufnehmen», verlangt Leest. Das Netzwerk fordert von der Politik ein Cybermobbing-Gesetz. Strafrechtlich würden diese Angriffe «nicht oder nur sehr selten geahndet».
Auf das seit Jahren bestehende Problem haben auch andere Untersuchungen schon hingewiesen. «Die Gesellschaft unternimmt trotzdem zu wenig dagegen. Cybermobbing ist ein Dauerproblem und nimmt weiter zu», moniert Leest. Das Bündnis, das mit einem Präventionsprogramm in die Schulen geht, plädiert auch für einen «Internet-Führerschein» - am besten in den dritten Klassen mit geschulten Lehrern zu erarbeiten. Inhalte: Sozialverhalten, Erkennen von Risiken, sicherer Umgang mit sozialen Medien. «Das ins Bildungssystem zu integrieren, könnte unseren Kindern nachhaltig helfen.»
«Künstliche Intelligenz wird Problem verschärfen»
Auch Künstliche Intelligenz werde im Schulalter bereits genutzt, um Bilder, Videos, Sprache zu manipulieren oder fälschen, warnt das Bündnis aus Eltern, Pädagogen, Medizinern und Wissenschaftlern. KI erleichtere jungen Tätern das Handwerk. Angesichts der rasanten KI-Entwicklung brauche es schnelle Antworten. Leest befürchtet: Der Missbrauch von KI-Werkzeugen könnte das Problem Cybermobbing künftig noch deutlich verschärfen.