Einig ist sich die deutsche Expertenkommission darin: «Für beide Alternativen gilt, dass nationale Alleingänge vermieden werden sollen.» Zur Begründung heißt es, die relevanten Plattformen böten ihre Dienste grenzüberschreitend an, nationale Vorgaben seien kaum durchzusetzen.
Plattformen in die Pflicht nehmen
Insgesamt plädieren die Expertinnen und Experten dafür, weniger die Kinder und Jugendlichen in die Pflicht zu nehmen als die Plattformanbieter. Sie empfehlen «einen verbindlichen Katalog sicherer und altersgerechter Voreinstellungen», die vor allem die Suchtgefahr eindämmen sollen. So sollen keine algorithmisch gesteuerten Feeds oder Empfehlungssysteme mehr möglich sein, keine personalisierte Inhaltsausspielung und keine personalisierte Werbung, keine suchtverstärkenden Endlos-Feeds oder Appelle wie «Deine Freunde warten auf dich».
«Nicht das Kind muss sich an die digitale Welt anpassen, sondern die digitale Welt an das Kind. Kinder- und Jugendliche aus der digitalen Welt auszusperren, ist kein Schutz», sagte der Kommissionsvorsitzende Olaf Köller. Man müsse sie befähigen, «ihr digitales Leben selbst in die Hand zu nehmen». Auch Prien betonte, hier warte eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe für Bund, Länder, Kommunen, Wissenschaft, Schulen, Jugendhilfe und Familien. Ziel sei eine zukunftsorientierte Gesamtstrategie.
Handyverbot an Schulen
Die Kommission empfiehlt neben vielen Präventionsmaßnahmen auch ein Verbot für die Nutzung privater Handys in Schulen bis Klasse sieben - im Unterricht und in den Pausen. Prien sagte, dies unterstütze sie schon lange. Sie halte auch einen Konsens der Länder für möglich.
Prien sprach sich zudem für eine Änderung im Bürgerlichen Gesetzbuch aus, um dort «die elterliche Medienerziehung familienrechtlich zu verankern». Vorbild ist die Festschreibung einer «gewaltfreie Erziehung» im Jahr 2000. Dafür will Prien sich mit Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) abstimmen.
Pflichten im Jugendschutz
Hubig unterstützte die Linie, den Anbietern sozialer Netzwerke klare Vorgaben zum Jugendschutz zu machen. «Jede Gaststätte und jedes Kino in Deutschland unterliegt strengen Pflichten zum Jugendschutz.» Das müsse auch für milliardenschwere Digital-Plattformen gelten. Auch Altersgrenzen könnten ein richtiger Schritt sein, meinte die SPD-Politikerin.
Auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig unterstützte den Vorschlag. Kinder seien täglich Mobbing, Sucht und Gewalt im Netz ausgesetzt, sagte die SPD-Politikerin der dpa. «Die Folgen sind schlimm für die Kinder, ihre Familien und die ganze Gesellschaft. Solange Plattformen gefährlich für Kinder und Jugendliche sind, müssen wir sie leider verbieten.»
Von Lehrerverbänden, Parteien und der Verbraucherzentrale Bundesverband gab es gemischte Reaktionen. Der Verband Bildung und Erziehung zum Beispiel meinte, mit den Empfehlungen sei «ein Verbot vom Tisch». Der Deutsche Philologenverband begrüßte hingegen den Vorschlag einer gesetzlichen Altersgrenze.