Tod der Großmutter als Wendepunkt
Dass die Kinder im Sommer 2023 nicht zur Beerdigung der Großmutter gedurft hätten, habe schließlich für Eskalation gesorgt. Zudem habe man befürchtet, der Vater könne mit den Kindern verschwinden.
Großvater Eugen Block habe gefordert, die Kinder müssten zur Mutter zurückkehren und habe Druck auf den ebenfalls angeklagten Familienanwalt ausgeübt, der diesen Druck wiederum an das Team aus Israel weitergegeben habe. «Wir dachten auch, sie sollten bei der Mutter sein», sagt die Zeugin.
Christina Block habe von dem späteren Plan, die Kinder aus Dänemark zurückzuholen, gewusst. Sie sei ganz kurz bei einem Treffen Ende Dezember 2023 mit dem Team im Hotel dabei gewesen und habe eine Tasche mit Gegenständen, die den Kindern vertraut waren, übergeben. «Sie hat dem Team gedankt», berichtet die Zeugin. Zudem habe Block viel Glück und Erfolg gewünscht.
Am 31. Dezember sei sie zusammen mit ihrem Chef in einem Wohnmobil an die dänische Grenze gefahren. Auf einem Parkplatz seien die beiden in zwei Autos umgestiegen und mit den anderen Mitgliedern der Gruppe zum Wohnort des Vaters gefahren.
Das eigentliche Ergreifen der Kinder schilderte die 51-Jährige nicht. Auf der Fahrt nach Süddeutschland sei den Kindern die Tasche der Mutter mit dem Teddybären, einem kleinen Kissen und einem Pullover gegeben und ihnen erklärt worden, dass sie zur Mutter gebracht werden.
Rede von Hass, dann Harmonie
Sie und ihr Chef hätten auf der stundenlangen Fahrt viel mit den Kindern geredet. Die 13-Jährige habe gesagt: «Ich will nicht mehr Deutsch sprechen, ich hasse Deutschland, ich hasse meine Mutter!»
Als es am folgenden Tag auf dem Bauernhof zu einem ersten Treffen zwischen Christina Block und ihren Kindern nach über zwei Jahren kam, habe sie durch die Tür des Zimmers erst ein bisschen Streit gehört. Dann sei es ruhig geworden. Als die Tür aufging, hätten Mutter und Kinder sehr nah beieinander auf dem Bett gesessen und glücklich gewirkt. «Man konnte nicht glauben, wie schnell sich das gewandelt hatte», sagt die Israelin nach den Worten einer Dolmetscherin.
Nach der Abreise der Mutter mit ihren Kindern nach Hamburg seien sie und die übrigen Teammitglieder nach Israel zurückgekehrt. Seitdem habe sie Christina Block nicht mehr gesehen.
Sieben Angeklagte im Prozess
Die Befragung der Zeugin soll in der nächsten Woche von Mittwoch bis Freitag fortgesetzt werden. Christina Blocks Verteidiger, Ingo Bott, kündigt an, seine Mandantin werde zu einem späteren Zeitpunkt eine Erklärung zu der Aussage abgeben.
In dem Prozess gibt es sieben Angeklagte. Auch Blocks Lebensgefährte, Ex-Sportmoderator Gerhard Delling, muss sich wegen Beihilfe verantworten. Er bestreitet die Vorwürfe. Zuletzt hatten die Verteidiger von zwei Angeklagten gefordert, ihre Mandanten von der Anwesenheitspflicht während des Prozesses zu befreien. Die Belastung in diesem langen Verfahren sei massiv und stehe in keinem Verhältnis zu dem, was den beiden Angeklagten eigentlich vorgeworfen werde. Das Gericht lehnte den Antrag nun ab.