Seite an Seite stehen der grüne OB und der schwarze Ministerpräsident nicht nur beim Wiesn-Auftakt, sondern auch bei der Bewerbung Münchens als deutsche Olympia-Stadt. Kurz vor der Entscheidung über die deutsche Bewerbung am 26. September sagt Söder: «Wir arbeiten da sehr gut zusammen. Da bin ich sehr froh drüber.» Das müsse nicht automatisch so sein, sagt Söder noch mit einem kleinen Seitenhieb: «Früher waren die Grünen ja gegen Olympia.»
Die Zusammenarbeit bei Olympia heiße auch nichts für andere Dinge, antwortet Söder auf die Frage, ob ein schwarz-grünes Tête-à-Tête in der Anzapfboxe auch ein Signal für die Politik in unruhigen Zeiten sein könne.
Pause von der Krise?
Jetzt sei Zeit, jenseits der Politik zu feiern. «Ich glaube, je schwerer die Zeit, desto eher ist wichtig, auch mal auszuspannen von dem Ärger, mal Pause zu machen in der Krise», sagt Söder. «Grad heut feiern wir mal und versuchen, das Leben ein bisschen zu genießen und Kraft zu tanken für das, was eh noch alles auf uns zukommt.»
Auch Krause betont die Überparteilichkeit des Festes: «Auf der Wiesn gibt es eigentlich keine Parteifarben, hier kommen alle zusammen.» Er habe die Zusammenarbeit mit ihm und Söder als stets gut und zuverlässig wahrgenommen. Der große Fokus sei derzeit Olympia.
Zehntausenden, die in den Zelten seit dem Morgen bis zum Anstich ohne Bier ausgeharrt hatten, dürften Politik und Olympia am ersten, strahlenden Wiesntag wahrscheinlich herzlich egal gewesen sein. Nachdem die anderen Zelte mit Böllerschützen über das erfolgreiche Anzapfen des Oberbürgermeisters informiert werden, bekommen nun auch alle anderen die ersehnte Maß.
Unter den Gästen im Schottenhamelzelt sind Prominente wie FC-Bayern-Star Joshua Kimmich, der mit seiner Frau Lina, Herzog Franz von Bayern und dem Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker, Lahav Shani, an Krauses Tisch sitzt. Moderator Florian Silbereisen, DJ Ötzi und das Schlager-Duo Marianne und Michael mischen sich ebenfalls unter die Feiernden - und ein paar Zelte weiter zapft Schauspieler Ralf Moeller ein erstes Fass an, auch mit zwei Schlägen.
Gedenken an die Opfer des Wiesn-Attentats
Soweit, so traditionell. Doch Krause hat für seine erste Wiesn als OB auch eine Neuerung mitgebracht: Beim Einzug der Wiesnwirte und Brauereien auf das Festgelände hielt seine Kutsche am Haupteingang zu einem kurzen Gedenken an die Opfer des rechtsextremen Wiesn-Attentats 1980.
Am Abend des 26. September 1980 hatte dort eine Bombe zwölf Wiesn-Besucher in den Tod gerissen und rund 200 verletzt. Auch der rechtsextreme Täter starb. Es sei für ihn als neuer Oberbürgermeister wichtig zu zeigen, «dass es für mich Teil des Oktoberfestes ist», begründete Krause den Stopp am Mahnmal der Tat.
Mehr Sicherheit nach Überfüllung
Der Zustrom zum Festgelände riss am Nachmittag nicht ab, schon beim Einzug der Wirte waren laut Polizei mit rund 55.000 Zuschauern deutlich mehr Menschen dabei als im Vorjahr.
Nachdem es im Vorjahr am zweiten Samstag auf der überfüllten Wiesn zu gefährlichen Situationen gekommen war, wurde das Sicherheitskonzept nachgeschärft. Von einer neuen Koordinierungsstelle auf dem Gelände aus sollen die Besucherströme auf dem Festgelände beobachtet, bewertet und bei Bedarf gesteuert werden.
Mehr als 50 KI-gestützte Kameras sollen rechtzeitig gefährliche Menschen-Ansammlungen erkennen lassen. An den besucherstarken Tagen ist ein sogenannter Crowdspotter im Einsatz, der die Besucherströme im Blick behält - und bei Bedarf Durchsagen macht.
Hunderte Polizisten und Ordner
Etwa 600 Polizeibeamte und Hunderte Ordner sind rund um das Fest im Einsatz. Die Polizei sieht sich auch mit Blick auf die jüngsten Drohnen-Vorfälle gut vorbereitet. Es gebe dabei auch Unterstützung vom neuen Drohnenkompetenz- und -abwehrzentrum.
Innenminister Joachim Herrmann (CSU) besuchte am ersten Festtag die Wiesn-Wache. Derzeit lägen keine konkreten Erkenntnisse über Gefährdungen oder Störungen vor, sagte er. «Alle Besucherinnen und Besucher sollen sich bei uns sicher und wohlfühlen.»
Zunächst gab es keine nennenswerten Zwischenfälle. Die erste Alkoholvergiftung mussten die Wiesn-Sanitäter gegen 15.45 Uhr behandeln: Ein 19-Jähriger musste mit der Trage geholt werden. Oft gab es den ersten Alkoholfall viel früher - manchmal sogar vor dem Beginn des Bierausschanks. Ein sportliches Schicksal ereilte einen Berliner Wiesn-Gast: Der 25-Jährige brach sich beim Armdrücken den Arm.