Bundesweit soll gut jeder zweite aufgedeckte Betrug bei Fahrprüfungen professionell organisiert sein. Eine mutmaßliche Betrügerbande steht nun vor Gericht. Gibt der Prozess Einblick in das System?
Mehr als zwei Millionen Menschen haben im vergangenen Jahr die theoretische Führerscheinprüfung abgelegt, so viele wie nie zuvor. Zwischen 20 und 40 Fragen, Multiple-Choice und immer wieder dieser Druck, oft auch die fremde Sprache. Fast jeder zweite Prüfling fällt durch.
Das nutzen Jahr für Jahr organisierte Banden aus, die gegen viel Geld unter anderem Doppelgänger organisieren. Betrügen statt Büffeln, das ist bundesweit Tausende Male im Jahr die Regel. Und die Dunkelziffer ist nach Einschätzung des Tüv-Verbands hoch.
Großer Prozess gegen mutmaßliches Netzwerk
Vor dem Heilbronner Landgericht hat nun einer der bislang wohl spektakulärsten Prozesse gegen eine mutmaßliche Bande von Führerscheinbetrügern begonnen. Auf der Anklagebank sitzen insgesamt fünf Männer, darunter Inhaber von zwei Fahrschulen, die über ein Netzwerk Doppelgänger vermittelt haben sollen. Als sogenannte Stellvertreter übernahmen diese laut Anklage Dutzende theoretische Fahrprüfungen im Raum Heilbronn und Göppingen, mindestens zwei auch in Bayern.
Die Männer mit deutscher, bulgarischer und syrischer Staatsangehörigkeit sollen ein aufwendiges Betrugssystem aufgebaut haben: Demnach organisierten die Fahrschul-Inhaber den Betrug, ihre mutmaßlichen Komplizen kümmerten sich um die Stellvertreter und waren deren Ansprechpartner am Tag der Tat. Für Interessenten, vor allem aus Bulgarien, wurden passende, möglichst ähnlich aussehende Doppelgänger gesucht. Nicht in allen Fällen waren diese aber bei den Prüfungen erfolgreich. Gezahlt werden musste trotzdem. (Az.: 3 KLs 653 Js 1680/25)
Tausende Euro für den Betrug
Insgesamt sind die Männer wegen 59 Taten angeklagt. Die Prüfungen seien eine «Einnahmequelle von erheblichem Umfang und einiger Dauer» gewesen, sagte der Staatsanwalt in seiner rund zweistündigen Anklageverlesung zum Prozessauftakt.
Prüflinge hätten im Normalfall etwa 2.000 Euro gezahlt. Es seien aber auch deutlich höhere Beträge gezahlt worden. Gemeinsam sollen die Männer mehr als 179.000 Euro eingenommen und das Geld aufgeteilt haben.
Mutmaßlicher Komplize schon in Haft
Es ist nicht der erste, aber der größte Prozess gegen die Gruppe: Ein mutmaßlicher Komplize war bereits im März in Heilbronn rechtskräftig zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Er wurde des Betrugs in 31 Fällen schuldig gesprochen, weil er sich als Doppelgänger ausgegeben hatte.