Stundenlang las die Angeklagte ihre Aussage vor. Mal stockend, mal unter Tränen. Es ging um ihre Beziehung, ihre Pferde und die Familie. Doch auch nach der langen Aussage bleiben viele Fragen offen.
Die Angeklagte wirkt nervös. In der rechten Hand rollt sie unentwegt eine kleine Silberkugel, in der linken Hand hat sie ein Papiertaschentuch, vor sich einen Stapel 95 eng bedruckter DIN-4-Seiten, die sie Seite um Seite vorliest. Es ist ihr Tag im Prozess um den getöteten achtjährigen Fabian. Die 30-Jährige soll das Kind heimtückisch ermordet haben. So sieht es die Staatsanwaltschaft. Die Angeklagte widerspricht. Die Wahrheitssuche bleibt schwierig.
«Fabian hat mir nie etwas getan, und ich hätte ihm auch nie etwa antun können. Hätte ich ihn ermordet, hätte ich mit Sicherheit das Gefühl gehabt, mein eigenes Kind zu töten», sagt die Frau, als sie die letzte Seite ihrer Erklärung liest. Die Staatsanwaltschaft hält sie für die Mörderin des Jungen, der am 10. Oktober 2025 getötet und erst vier Tage später in Klein Upahl gefunden wurde.
Ihrer Darstellung nach traf sie den achtjährigen Jungen am 10. Oktober nicht. Stattdessen stieß sie eigener Aussage zufolge erstmals drei Tage später an einem Tümpel bei Klein Upahl (Landkreis Rostock) auf dessen Leichnam.
Zeugen hatten im Prozess ausgesagt, die Frau am 10. Oktober mit ihrem auffälligen Pick-up-Auto auf einem Feldweg in der Nähe des Fundortes gesehen zu haben. Die Angeklagte sagt, sie sei zwar am Tattag in Güstrow und auch in der Nähe des Fundortes bei Klein Upahl spazieren gewesen. Hätte sie die Tat begangen, wie ihr vorgeworfen werde, wäre sie mit Sicherheit «nicht so dumm gewesen» und an Zeugen vorbeigefahren.
Angeklagte: Freunde rieten von Benachrichtigung der Polizei ab
Sie räumt ein, die Leiche am Abend des 13. Oktober gefunden zu haben, als sie zweimal jeweils mit einem anderen Freund am Fundort gewesen sei. Die Freunde hätten ihr eindringlich abgeraten, die Polizei zu rufen. Sie meldete den Fund erst am 14. Oktober.
Laut Anklage lockte die 30-Jährige den Jungen zunächst aus seiner Wohnung in Güstrow und brachte ihn dann mit einem Auto zu einem Teich bei Klein Upahl, etwa 15 Kilometer südlich der Kleinstadt. Dort habe sie ihn erstochen und den Leichnam anschließend in Brand gesetzt. Das Motiv soll mit dem Verhältnis der Angeklagten zu Fabians Vater und dem zeitweisen Ende dieser Beziehung zusammenhängen.
«Beide nur im Doppelpack zu haben»
Am 22. Verhandlungstag äußert sich die Angeklagte erstmals vor Gericht. Aus den Aussagen wird einmal mehr das schwierige Verhältnis der Frau zum Kindesvater deutlich, mit dem sie über mehr als vier Jahre eine On/Off-Beziehung führte. «Es war Liebe auf den ersten Blick», schildert sie das Verhältnis. Die Beziehung sei zu Anfang sehr harmonisch gewesen - auch zu dem Kind Fabian. Mit dem Vater sei sie schnell zusammengezogen.