Heute erstreckt sich das Gelände seines Australia Zoo über rund 280 Hektar. «Mehr als 500 Menschen arbeiten hier und zusätzlich noch 125 freiwillige Helfer», erzählt ein Busfahrer, der Besucher vom Bahnhof in Beerwah mit dem Gratis-Shuttle zum Tierpark bringt.
Berühmte Show im «Crocoseum»
An den weitläufigen Gehegen von Wombats, Kängurus, Tasmanischen Teufeln und ja, auch Krokodilen, tummeln sich Besucher aus aller Welt – auffallend viele kommen aus Deutschland. «Ich lerne hier heute so viel über die australische Tierwelt», schwärmt Daniela aus Nordrhein-Westfalen. «Ich dachte immer, Steve Irwin sei einfach nur dieser exzentrische Charakter gewesen, der Tiere liebte - aber er war viel mehr. Er hat seine Popularität vor allem als Plattform für seine Naturschutzarbeit genutzt.»
Dann geht es weiter ins «Crocoseum», Steve Irwins große Arena mit Platz für mehr als 5.000 Menschen. Keiner will die Show verpassen, die hier jeden Mittag stattfindet - mit Schlangen, bunten Regenbogenlori, die zum Sound von AC/DCs «Thunderstruck» durch das Amphitheater fliegen und - natürlich - einem Krokodil.
Zwei Ranger locken das Reptil todesmutig aus dem Wasser, es schnappt und reißt das Maul auf, ein Raunen geht durch die Ränge. Aber es geht auch um Aufklärung: So erklären die Tierpfleger, wie man sich in freier Wildbahn in der Nähe eines Krokodils richtig verhält. «Ich habe Steve Irwin damals noch selbst bei seinen Auftritten hier erlebt, das war unfassbar», erzählt Michelle aus dem Hunter Valley nördlich von Sydney.
Auf einer großen Leinwand erscheint Bindi, Irwins heute 28-jährige Tochter. «Wildtiere zu schützen, war die Mission unseres Vaters - und jetzt ist es unsere», sagt sie. Dann werden Szenen aus der «Crocodile-Hunter»-Serie gezeigt, Steve ist allgegenwärtig.
«Wenn wir die wilden Lebensräume unseres Planeten retten, retten wir am Ende auch uns selbst», hat er einmal gesagt. Und: «Wenn wir den Menschen etwas über Wildtiere beibringen können, werden sie berührt sein. (...) Und Menschen wollen Dinge retten, die sie lieben.»
«Crikey! It’s the Irwins»
Diesem Credo folgt seine Familie bis heute: Terri führte den Zoo nach seinem Tod weiter, Tochter Bindi und der heute 22-jährige Sohn Robert engagieren sich schon seit ihrer Kindheit im Natur- und Tierschutz. Gemeinsam mit ihrer Mutter waren sie die Stars der Reality-Serie «Crikey! It’s the Irwins», die von 2018 bis 2022 das Familienleben zwischen Krokodilen, Wildlife Hospital und Schutzprojekten zeigte.
Irwins Kinder haben aber auch andere Talente: Bindi gewann 2015 mit erst 17 Jahren die US-Version von «Dancing with the Stars». Zehn Jahre später holte auch ihr Bruder Robert dort die begehrte Tanz-Trophäe. Wichtiger ist beiden aber, das Vermächtnis des Vaters weiterzuführen.
Die Irwins leiten im Australia Zoo eines der größten Wildtierkrankenhäuser der Welt und in ganz Queensland mehrere Schutzgebiete - darunter für Koalas sowie die fast 134.000 Hektar große Steve Irwin Wildlife Reserve auf der Kap-York-Halbinsel im Norden. Hunderte Tierarten leben hier in Sicherheit, nachdem Terri erfolgreich gegen Pläne für Bauxitabbau gekämpft hat.
Krokodilfüttern mit Sohn
So groß die Verehrung für den «Crocodile Hunter» ist, ganz unumstritten war er nicht. Seine Nähe zu Wildtieren faszinierte - brachte ihm aber auch Kritik ein. Besonders ein Auftritt von 2004, als er seinen wenige Wochen alten Sohn Robert auf dem Arm hielt, während er ein Krokodil fütterte, löste große Empörung aus. Irwin selbst entschuldigte sich später für den Vorfall, betonte aber, er habe die Situation stets unter Kontrolle gehabt.
Für viele ist und bleibt der Crocodile Hunter aber eine Legende. Sogar die Straße zum Australia Zoo heißt seit seinem Tod Steve Irwin Way. Eine Landschnecke trägt den Namen Crikey steveirwini, eine Schildkrötenart heißt Elseya irwini, ein Asteroid wurde «57567 Crikey» getauft. Und 2018 bekam der Australier posthum sogar einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame.