Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft zählte bei der Veröffentlichung der Zahlen zu Badetoten auch Vermisste mit, deren Identität bekannt ist, die aber noch nicht gefunden wurden. Die vorläufige Bilanz bezieht sich auf die Zeit von Freitag bis Sonntag. Bereits am Donnerstag hatte es den Angaben zufolge mindestens sieben weitere tödliche Unglücke gegeben.
Heftige Unwetter bereits in der Nacht - Flugausfälle
Schon in der Nacht zum Montag und am Montag hatte es bereits teils heftige Gewitter gegeben. In Hessen hatten diese etwa Einfluss auf den Flugverkehr am Frankfurter Flughafen: Bis in die Morgenstunden musste der Betrieb insgesamt dreimal unterbrochen werden, wie die Pressestelle der Fraport AG mitteilte.
«Da geht natürlich die Sicherheit der Fluggäste und des Personals vor», so eine Pressesprecherin gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Insgesamt hätten an Deutschlands größtem Airport 100 Flüge annulliert werden müssen - davon 50 abfliegende und 50 ankommende. Einen Flug habe man über München umgeleitet.
Die Deutsche Bahn hat angesichts der Rekordhitze am Wochenende eine positive Verkehrsbilanz gezogen. Rund 90 Prozent der geplanten Zugfahrten habe stattgefunden, teilte der bundeseigene Konzern mit. Das umfasse nicht nur die eigenen Züge, sondern auch die der Wettbewerber im Fern- und Regionalverkehr. Insgesamt seien 94.000 Zugfahrten durchgeführt worden. Das bedeutet aber auch: Jede zehnte Fahrt ist hitzebedingt ausgefallen.
Extrem-Temperaturen vor 50 Jahren «praktisch unmöglich»
Die aktuelle Hitzewelle wäre in diesem Ausmaß ohne den Effekt des Klimawandels nahezu ausgeschlossen. Die Tagestemperaturen und auch die in der Nacht wären zu dieser Jahreszeit vor 50 Jahren in West- und Mitteleuropa «praktisch unmöglich» gewesen, betonen die Wissenschaftler der Organisation World Weather Attribution.
Deutschland hat sich im Vergleich zur vorindustriellen Zeit bereits um 2,5 Grad erwärmt – das ist mehr als der weltweite Durchschnitt. Die Erwärmung führt laut DWD unter anderem zu häufigeren Hitzewellen und Dürrephasen, was Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung gefährdet und die Waldbrandgefahr steigen lässt. In Deutschland gab es in den vergangenen Jahren viele Tausend Hitzetote – auch wegen der vergleichsweise alten Bevölkerung. Schäden durch stärkere Unwetter mit heftigen Stürmen, Starkregen und Überschwemmungen kommen hinzu.
WHO-Chef bezeichnet Hitzestress als «stillen Killer»
Nach Einschätzung des Chefs der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die beispiellose Hitzewelle mit Rekordtemperaturen in Europa mitverantwortlich für Hunderte zusätzliche Todesfälle. «Seit dem 21. Juni wurden in Europa mehr als 1.300 zusätzliche Todesfälle verzeichnet, die im Zusammenhang mit den hohen Temperaturen stehen», schrieb Tedros Adhanom Ghebreyesus auf der Plattform X. «Europa ist der sich am schnellsten erwärmende Kontinent der Erde – die Erwärmung verläuft doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt.»
Laut Tedros leiden derzeit 150 Millionen Menschen unter extremer Hitze, Schulen seien geschlossen, die Stromnetze würden zusammenbrechen. Hitzestress werde oft als «stiller Killer» bezeichnet – und europäische Wohnungen, Arbeitsplätze und Schulen seien für solche Temperaturen nicht ausgelegt, schrieb Tedros.