Verschiedene Giftarten
Seit 1994 werden hier auch Schlangen gezüchtet. Ziel ist es, «eine stabile, gesunde und artengesicherte Quelle für Schlangengift zur Herstellung von Antivenom zu sichern», wie es auf der Webseite des Instituts heißt, das zum thailändischen Roten Kreuz gehört.
«Die verschiedene Schlangenarten haben eine sehr unterschiedliche Giftzusammensetzung, weshalb zur Behandlung jeweils spezifische Gegengifte benötigt werden», erklärt die WHO in einem Bericht zu der Forschungseinrichtung, mit der sie eng zusammenarbeitet. Die Schlangenfarm des QSMI spiele eine unverzichtbare Rolle bei der Antiserum-Produktion und halte sich dabei strikt an internationale Standards, lobt die UN-Behörde.
Vipern versus Giftnattern
Der Fokus liegt auf hämotoxischen Giften, wie sie bei Vipern typisch sind, und neurotoxischen Giften, die vorwiegend bei Giftnattern vorkommen. Erstere stören die Blutgerinnung und schädigen das Gewebe, zweitere verursachen Lähmungen und neurologische Symptome bis hin zum Atemstillstand.
«Das Gift ist entweder durchsichtig oder gelblich, und es beinhaltet eine komplexe Mischung aus Toxinen und Enzymen», erläutert eine Tafel im angrenzenden, höchst informativen Schlangenmuseum.
Hier sind zahlreiche imposante Exemplare in riesigen Glasbehältern konserviert, von der gefürchteten Königskobra, die mit ihrem Toxin sogar Elefanten überwältigen kann, bis hin zu einer schwach giftigen Art mit dem kuriosen Namen Puffgesicht-Wasserschlange. Kaum eine Frage zu den faszinierenden Reptilien bleibt unbeantwortet.
Was passiert nach einem Schlangenbiss?
Während es normalerweise nach einem Biss zu Schmerzen und Schwellungen kommt, bleiben die Bisse mancher Spezies vom Opfer fast unbemerkt - etwa im Fall des in Südostasien heimischen Blauen Krait (auch Malaiischer Krait genannt). Das Gift gelangt still und heimlich in die Blutbahn. Unbehandelt sind die meisten Betroffenen wenige Stunden später tot.
Laut der thailändischen Nationalparkbehörde gibt es in dem von Dschungeln durchzogenen Tropenparadies mehr als 250 Schlangenarten. Etwa 60 Arten sind giftig.
Antiserum-Produktion mit Hilfe von Pferden
«Jeder Tropfen Gift, den wir heute von den Monokelkobras extrahieren, wird an die Abteilung für die Herstellung von Antivenom geschickt», erklärt derweil ein Experte den Zuschauern aus aller Welt, die dem Schlangen-Melken beiwohnen. Dann würden Pferden über einen längeren Zeitraum geringe Mengen des Toxins injiziert, bis das Immunsystem der robusten Tiere genügend Antikörper gebildet habe.
Experten nennen diesen Vorgang Hyperimmunisierung. Kritiker warnen aber, dass das Verfahren mit großem Tierleid verbunden ist.
Anschließend werden die Antikörper dem Plasma des Spendertiers entnommen und verschiedenen Reinigungsprozessen unterzogen - bis das Antiserum in möglichst reiner Form vorliegt. Dies ist wichtig, um Nebenwirkungen zu vermeiden: Das tierische Eiweiß im Blutplasma von Pferden kann bei Menschen zu allergischen Reaktionen führen.
Und in Deutschland?
Es gibt mittlerweile aber auch andere Ansätze: Seit einiger Zeit suchen Forschungsteams weltweit nach Antiveninen, die sich synthetisch herstellen lassen und die Gifte ganzer Gruppen von Schlangen neutralisieren.
Weltweit existieren schätzungsweise bis zu 3.500 Schlangenarten. Rund 600 gelten als giftig. In Deutschland leben sieben Arten, giftig sind aber nur die Kreuzotter und die Aspisviper. Ihr Biss ist aber meist nicht lebensbedrohlich. Für alle Schlangen gilt: Gewöhnlich greifen sie überhaupt nur an, wenn sie sich bedroht fühlen - denn ihr Gift ist viel zu wertvoll, um es zu verschwenden.