Die Corona-Pandemie macht sich im Geldbeutel vieler Menschen bemerkbar - manche können nicht einmal mehr die Krankenversicherung bezahlen. Was tun? Antworten auf diese und alle weiteren Fragen zum Thema bekamen unsere Leser bei einer Telefonaktion. Das Angebot stieß auf großes Interesse: Unsere Experten Hubert Carl (AOK Bayern) und Jürgen Stark (Verband der privaten Krankenversicherung) standen zwei Stunden lang pausenlos Rede und Antwort. Im Folgenden eine Zusammenfassung.

Selbstständig

Als Selbstständiger habe ich derzeit weder Aufträge noch Einnahmen. Meine private Krankenversicherung kann ich trotz der Soforthilfe auf absehbare Zeit kaum noch bezahlen. Was soll ich tun?

Vereinbaren Sie schnellstens einen Termin mit Ihrer Versicherung. Möglich ist angesichts der aktuellen Lage oft der Wechsel in einen Tarif mit geringeren Leistungen und entsprechend geringerem Beitrag. Wenn sich die Situation für Sie entspannt, können Sie innerhalb bestimmter Fristen in den alten Tarif ohne neue Gesundheitsprüfung zurückkehren.

Alternativ können Sie auch die zinslose Stundung der Beiträge vereinbaren. Letztlich können Sie das nur individuell mit Ihrem Versicherer regeln.

Ich habe ein kleines Reisebüro, sehe aber keine Perspektive mehr. Ich werde es also abmelden. Was mache ich nach der Abmeldung mit meiner privaten Krankenversicherung? Mein Mann ist als Angestellter gesetzlich versichert, wenn auch gerade in Kurzarbeit.

Sobald Sie Ihr Gewerbe aufgegeben und wenn Sie keine weiteren Einkünfte von über 455 Euro monatlich haben - etwa aus Vermietung und Verpachtung - können Sie sich beitragsfrei in der Kasse Ihres Mannes familienversichern. Die Kurzarbeit Ihres Mannes spielt dabei keine Rolle. Ihre Privatversicherung kann dann in eine Anwartschaftversicherung umgewandelt oder außerordentlich gekündigt werden.

Ruhestand

Ich bin Rentner und seit über 40 Jahren privat krankenversichert. Kann ich den Beitrag auch noch in meinem Alter reduzieren?

Dafür haben Sie mehrere Möglichkeiten. Besprechen Sie mit Ihrer Versicherung, ob Sie in einen günstigeren Tarif mit gleichartigen Leistungen wechseln können. Ein solches Wechselrecht haben Sie laut Versicherungsvertragsgesetz. Eine Gesundheitsprüfung findet in diesem Fall nicht statt.

Sparpotenzial bietet auch der Verzicht auf bestimmte Leistungen oder die Erhöhung des Selbstbehaltes. Für eine dauerhafte finanzielle Notlage steht der preiswerte Standardtarif zur Verfügung, der ungefähr das Leistungsspektrum der gesetzlichen Kassen umfasst. Allerdings werden dann auch die für gesetzlich Versicherte üblichen Zuzahlungen fällig. Lassen Sie sich alles detailliert ausrechnen, Vor- und Nachteile erklären, ehe Sie sich entscheiden.

Im Sommer gehe ich in den Ruhestand und bekomme dann neben meiner Alters- auch eine Betriebsrente. Wie viel wird davon an Sozialabgaben abgezogen? Ich bin gesetzlich versichert.

Von der Altersrente gehen 7,3 Prozent und der halbe Zusatzbeitrag für die Krankenkasse ab. Weitere 3,05 Prozent - bei Kinderlosen sind es 3,3 Prozent - gehen an die Pflegeversicherung. Bei der Betriebsrente hängt es von deren Höhe und Ihrem Status ab. Sind Sie freiwilliges Kassenmitglied, zahlen Sie von der Betriebsrente den vollen Beitrag zur Kranken- und Pflegeversicherung. Je nach Zusatzbeitrag sind das rund 18,75 Prozent. Für "Freiwillige" gilt die Neuregelung nicht.

Wenn Sie hingegen Pflichtmitglied der Krankenversicherung der Rentner werden, haben Sie einen Freibetrag von derzeit 159,25 Euro monatlich. Liegt Ihre Betriebsrente darunter, zahlen sie dafür keine Sozialabgaben. Ist sie höher, wird nur für die darüber liegenden Summe der volle Kassenbeitrag fällig. Für die Pflege ist dann aber ab dem ersten Euro der volle Beitrag zu zahlen.

Betriebsrente

Eigentlich müsste ich weniger für meine Betriebsrente zahlen. Trotzdem wird wie bisher abgezogen. Wie kann das sein?

Das ist ein technisches Problem. Das Gesetz wurde im Dezember beschlossen, trat zum 1. Januar in Kraft. Das war einfach zuwenig Zeit, um die Systeme umzustellen. Es kann also noch etwas dauern, vor allem bei jenen, die mehrere Betriebsrenten bekommen. Doch zuviel gezahlte Beiträge werden auf jeden Fall rückerstattet.

Freiberufler

Ich zahle als Freiberufler fast 600 Euro für meine gesetzliche Krankenkasse. Da meine Umsätze eingebrochen sind, kann ich den Beitrag auf keinen Fall weiter bezahlen. Was kann ich machen?

Legen Sie Ihrer gesetzlichen Kasse die entsprechenden Nachweise vor. Dann kann der Beitrag ab dem Folgemonat gesenkt werden. Allerdings bleiben Sie als Selbstständiger freiwilliges Mitglied. Denen wird vom Gesetzgeber ein Mindesteinkommen von 1061,67 Euro monatlich unterstellt - selbst dann, wenn Sie derzeit real weniger verdienen. Für Kranken- und Pflegeversicherung müssen Sie einschließlich kassenindividuellem Zusatzbeitrag monatlich rund 200 Euro zahlen.

Sobald die Steuererklärung 2020 vorliegt, wird geprüft, ob Sie zuwenig gezahlt hatten und entsprechend nachberechnet. Falls der Mindestbeitrag momentan auch nicht bezahlbar ist, könnte auch die vorübergehende Stundung der Beiträge eine Option sein. Die Beiträge müssen später zwar nachgezahlt werden, Zinsen werden aber nicht berechnet.

Angestellte

Als Angestellter bin ich schon über 20 Jahre privat krankenversichert. Da mein Gehalt gesunken ist, werde ich jetzt gesetzlich krankenversicherungspflichtig. Was kann ich machen? Ich bin 51 Jahre alt.

Wenn Sie privat versichert bleiben wollen, können Sie sich von der Versicherungspflicht befreien lassen und privat versichert bleiben. Diese Entscheidung ist unwiderruflich. Eine andere Variante: Wollen Sie privat versichert bleiben und es zeichnet sich ab, dass Sie später wieder ein Gehalt über der Versicherungspflichtgrenze bekommen, können Sie auch bis dahin in die Gesetzliche wechseln. Für den Zeitraum der Pflichtversicherung in der Gesetzlichen sollten Sie eine große Anwartschaftversicherung bei Ihrem privaten Versicherer vereinbaren. Sobald Sie das entsprechende Gehalt bekommen, kann die Privatversicherung ohne neue Gesundheitsprüfung und zum Eintrittsalter wieder aktiviert werden.

Die dritte Variante ist, Sie akzeptieren die Versicherungspflicht und bleiben gesetzlich versichert. Dann haben Sie ein Sonderkündigungsrecht gegenüber der privaten Krankenversicherung.

Freiwillig versichert

Kann ich die "Freiwilligkeit" irgendwie in eine Pflichtmitgliedschaft umwandeln?

Es gibt nur eine Möglichkeit: Kindererziehung. Wenn Sie eigene oder adoptierte Kinder erzogen haben, bekommen Sie pro Kind drei Jahre Kassenmitgliedschaft gutgeschrieben. Manchmal hilft das, auf die erwähnten 90 Prozent Mitgliedschaft zu kommen. Trifft das auf Sie zu, sollten Sie einen Termin mit der Kasse machen und das klären lassen.

Wechsel in die Gesetzliche

Kann ich als privat versicherter Selbstständiger wieder in die Gesetzliche wechseln?

Als Selbstständiger nicht. Sollten Sie aber Ihr Gewerbe abmelden, haben Sie folgende Optionen: Sie nehmen eine Festanstellung mit einem Brutto von über 450 Euro und unter 5212,50 Euro monatlich an und werden damit gesetzlich pflichtversichert.

Das geht aber dann nicht, wenn Sie älter als 55 Jahre sind. Ab diesem Alter bleibt nur der Weg über die beitragsfreie Familienversicherung in der gesetzlichen Kasse des Ehepartners. Bedingung: Sie haben keine Gesamteinkünfte von über 455 Euro monatlich. Dabei prüft die Kasse auch, ob Sie etwa Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung haben. Denn auch die werden bei der Familienversicherung mit berücksichtigt. Aufgezeichnet von Irmtraud Fenn-Nebel und Uwe Strachovsky.

Krankenkasse: Welche ist die richtige?

Kosten Wer von einer teuren Kasse zu einer günstigeren wechselt, kann unter Umständen mehrere hundert Euro im Jahr sparen. Allerdings sollte man nicht nur aufs Geld schauen, da rund 95 Prozent der medizinischen Leistungen ohnehin bei allen Kassen gleich sind. Zu medizinisch begründeten Arztbesuchen und Krankenhausaufenthalten sind sie gesetzlich verpflichtet. Unterschiede kann es beim Service und bei den Zusatzleistungen geben. Wechsel Nimmt eine Kasse erstmals einen Zusatzbeitrag oder erhöht sie diesen, dürfen Versicherte umgehend mit einer Frist von zwei Monaten zum Ende des übernächsten Kalendermonats kündigen. Wer wegen einer Beitragserhöhung kündigt, muss im Zeitraum zwischen Kündigung und Beginn der Mitgliedschaft in der neuen Kasse aber noch den erhöhten Beitrag zahlen. Mit der gleichen Frist kann man kündigen, wenn man mindestens 18 Monate lang Mitglied einer Kasse war. Dann spielt es keine Rolle, ob die Kasse Zusatzbeiträge erhebt oder nicht.

Musterbrief Einen Musterbrief zur Kündigung einer Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenkasse gibt es auf der Internetseite der Verbraucherzentrale unter www.verbraucherzentrale.de. Kassenvergleich Die Stiftung Warentest hat eine Online-Datenbank mit den aktuellen Beitragssätzen für 73 (von derzeit 78) allgemein geöffneten gesetzlichen Krankenkassen zusammengestellt. Unter www.test.de gibt es außerdem einen Selbsttest "bleiben oder wechseln", Tipps zur Kassenwahl, einen Krankenkassenvergleich, einen Krankenkassenrechner und ein Analyse-Angebot zur privaten Krankenversicherung. irfe