Kostenlos auf jedes Bahnhofsklo? Dieser Schlüssel macht es möglich

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Wer an Bahnhöfen oder Raststätten die Toilettengebühr sparen möchte, könnte mit einem besonderen Schlüssel Glück haben – wenn er die nötigen Voraussetzungen erfüllt.

Ein Video bei Tiktok sorgt gerade für Staunen. Eine junge Frau steht vor einer Bahnhofstoilette, zieht einen Schlüssel und kommt ohne zu bezahlen rein. "Mit diesem Schlüssel komme ich kostenlos auf mega viele WCs", erklärt sie und in der Caption kann man nachlesen, wie man zu diesem magischen Türöffner kommt. 

Denn nicht jede hat ein Recht auf den sogenannten Euroschlüssel. Die Tiktok-Influencerin selbst ist Stomaträgerin, das heißt, sie hat aufgrund einer Erkrankung einen künstlichen Darmausgang. Insgesamt passt der Schlüssel europaweit in rund 12.000 Klotüren an Autobahnraststätten, Bahnhöfen oder in Einkaufscentren oder Museen und Behörden. In Supermärkten gibt es meist keine Kundentoiletten - das hat oft mehrere Gründe.

Euroschlüssel öffnet viele Klo-Türen - wer hat ein Recht darauf?

Er soll Menschen mit Behinderung oder chronischen Darmerkrankungen ermöglichen, problemlos auf eine behindertengerechte Toilette zu gehen. "Anspruch auf den Schlüssel haben Personen mit bestimmten Merkzeichen im Schwerbehindertenausweis oder bestimmten chronischen Erkrankungen; als Nachweis genügt auch ein ärztliches Attest", klärt der Sozialverband VdK auf seiner Webseite auf. Übrigens solltest du einen Klo-Fehler vermeiden, um bestimmte Ekel-Untermieter fernzuhalten

Der VdK zählt auf seiner Info-Seite auf, wer das Recht auf einen Universalschlüssel hat:

  • Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 70 und das Merkzeichen G oder eines der Merkzeichen aG, B, H oder Bl
  • Außerdem:
    • schwer/ außergewöhnlich Gehbehinderte
    • Rollstuhlfahrer
    • Stomaträger
    • blinde Menschen
    • schwerbehinderte Menschen, die hilfsbedürftig sind und gegebenenfalls eine Hilfsperson brauchen
    • an Multipler Sklerose Erkrankte
    • an Morbus Crohn Erkrankte
    • an Colitis ulcerosa Erkrankte
    • Menschen mit chronischer Blasen- /Darmerkrankung

Der Euroschlüssel wird bereits seit 1986 verkauft, Startschuss gab damals der Club Behinderter und seiner Freunde (CBF). Später setzte sich das Konzept in fast ganz Europa durch. Gegen Vorlage seines Behindertenausweises oder entsprechender ärztlicher Atteste kann man sich ein Exemplar 28,90 Euro zuschicken lassen. Zahlt man insgesamt 37,50 Euro, bekommt man noch das Toilettenverzeichnis "Der Locus" dazu. 

Die Nachfrage nach dem Euroschlüssel ist übrigens groß. "Wir verkaufen im Jahr 25.000 Schlüssel", zitiert der VdK die CBF-Geschäftsführerin Sabine Eickmann. Ende vergangenen Jahres hatte übrigens der Klo-Anbieter Sanifair für Ärger gesorgt - er hatte die Toiletten-Preise an Deutschlands Bahnhöfen massiv erhöht.

Vorschaubild: © Ellen Schneider / inFranken.de