Die Bundesregierung empfiehlt Unternehmen die Anschaffung von Notstromaggregaten als vorbeugende Maßnahme gegen eine Zuspitzung der Gasknappheit. Mit solchen Generatoren sollten mögliche Stromausfälle aufgefangen werden. Das berichtet die Bild und verweist dabei auf eine Antwort von Wirtschaftsstaatssekretär Patrick Graichen (Grüne) an den CSU-Bundestagsabgeordneten Stephan Pilsinger.

"Empfehlenswert ist die Ausstattung mit Notstromaggregaten insbesondere für Betreiber von kritischer Infrastruktur", wird Graichen zitiert. Hauptargument sei, dass es im Krisenfall keine Abschaltreihenfolge gebe. "Im Falle einer Mangellage bei Gas oder Strom übernimmt die Bundesnetzagentur die Funktion des Bundeslastverteilers. Ihr obliegt dann in enger Abstimmung mit den Netzbetreibern die Verteilung von Gas oder Strom", schreibt Graichen laut Bild. Er empfehle, dass die Notstromaggregate eine Überbrückungszeit von 72 Stunden haben sollen.

Kompletter Gasstopp aus Russland: Bundesnetzagentur ruft zu Vorbereitungen auf

Unterdessen geht der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, von einem Totalausfall russischer Gaslieferungen aus. Die Frage sei, ob aus der bevorstehenden regulären Wartung der Gaspipeline Nord Stream 1 "eine länger andauernde politische Wartung wird", sagte Müller den Zeitungen der Funke-Mediengruppe vom Samstag (2. Juli 2022). Wenn der Gasfluss aus Russland "motiviert länger anhaltend abgesenkt wird, müssen wir ernsthafter über Einsparungen reden". Die zwölf Wochen bis zum Beginn der Heizsaison müssten genutzt werden, um Vorbereitungen zu treffen, sagte er.

Die Bevölkerung sollte sich über folgende Punkte Gedanken machen, appellierte Müller:  

  • Alle Haus- und Wohnungsbesitzer sollte ihre Gasbrennwertkessel und Heizkörper rasch zu überprüfen und effizient einstellen zu lassen. "Eine Wartung kann den Gasverbrauch um 10 bis 15 Prozent senken", sagte Müller. "Das muss jetzt passieren und nicht erst im Herbst."
  • Um Engpässe bei den Handwerkerterminen zu überwinden, sollten sich alle Handwerker auf Heizung und Warmwasserversorgung zu konzentrieren.
  • Familien müssten jetzt schon darüber reden, "ob im Winter in jedem Raum die gewohnte Temperatur eingestellt sein muss - oder ob es in manchen Räumen auch etwas kälter sein kann".

Habeck sieht "problematischen" Winter

Wirtschaftsminister Robert Habeck hatte am Donnerstag deutlich gemacht, dass er ein vollständiges Ausbleiben russischer Gaslieferungen durch Nord Stream befürchtet. Es drohe ab dem 11. Juli "eine Blockade von Nord Stream 1 insgesamt", sagte der Grünen-Politiker. Deswegen könne es im Winter wirklich problematisch werden. Die Gasversorgung über den Sommer sei gewährleistet. Am 11. Juli beginnen jährliche Wartungsarbeiten von Nord Stream, die in der Regel zehn Tage dauern. Dann fließt kein Gas durch Nord Stream 1. Die große Sorge ist, dass Russland nach der Wartung den Gashahn nicht wieder aufdreht.

Im Falle eines Gas-Lieferstopps würden Bundesnetzagentur-Präsident Müller zufolge Privathaushalte ebenso wie Krankenhäuser oder Pflegeheime besonders geschützt. "Ich kann zusagen, dass wir alles tun, um zu vermeiden, dass Privathaushalte ohne Gas dastehen", sagte er. "Wir haben aus der Corona-Krise gelernt, dass wir keine Versprechungen geben sollten, wenn wir nicht ganz sicher sind, dass wir sie halten können."

Die Netzagentur sehe allerdings "kein Szenario, in dem gar kein Gas mehr nach Deutschland kommt". Müssten Industriebetriebe von der Gasversorgung getrennt werden, "orientieren wir uns am betriebswirtschaftlichen Schaden, am volkswirtschaftlichen Schaden, an den sozialen Folgen und auch an den technischen Anforderungen des Gasnetzbetriebs", sagte Müller.

Mehr Gas aus Norwegen - spätestens ab 2024

Die norwegische Regierung geht davon aus, spätestens ab 2024 noch mehr Gas liefern zu können. "Unternehmen prüfen jetzt Projekte, um ihre Gaslieferungen ab 2024 und 2025 erhöhen zu können", sagt Terje Aasland, Norwegens Öl- und Energieminister, der Wirtschaftswoche.

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"Die Krise im Energiesektor wird langfristige Auswirkungen haben. Wir müssen uns darauf konzentrieren, dass in neue Gasproduktionskapazitäten investiert wird." Norwegens Unternehmen hätten noch nie so viel Erdgas vom norwegischen Festlandsockel exportiert wie derzeit.

"Wir unterstützen unsere europäischen Freunde dabei, so schnell wie möglich unabhängig von russischem Öl und Gas handeln zu können."

Henkel erwägt mehr Homeoffice zum Gassparen

Um Gas zu sparen, erwägt der Düsseldorfer Konsumgüterhersteller Henkel, vorübergehend wieder mehr Homeoffice einzuführen: "Wir könnten dann die Temperatur in den Büros stark herunterfahren, während unsere Beschäftigten zu Hause im normalen Umfang heizen könnten", sagte Henkel-Chef Carsten Knobel der Rheinischen Post vom Samstag.

Außerdem könne der Konzern in seinem firmeneigenen Kraftwerk in Düsseldorf, das aktuell überwiegend mit Gas betrieben werde, mehr Kohle und Öl nutzen. "Im Vergleich zum heutigen Betrieb könnten wir so knapp ein Drittel des Gases einsparen", sagte der Manager. Doch warte das Unternehmen hier noch auf die Genehmigung der Bundesnetzagentur. Mit Blick auf die Herausforderungen der Energiekrise im kommenden Winter meinte Knobel: "Ich bin optimistisch, dass wir das schaffen können". Dazu sei es aber wichtig, bis zum Winter so viel Gas wie möglich einzusparen, damit die Speicher ausreichend gefüllt seien.

red/dpa

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