Inklusive Zinseffekten und Zuschüssen der Eltern rechnet man im Finanzministerium mit großen Ertragschancen. Zahlen beispielsweise die Eltern monatlich 10 Euro zu, steigt der Depotwert bis 18 auf rund 4.400 Euro, wie das Ministerium vorrechnet. Mit 65 liegt der Wert bei 107.000 Euro. Schießen die Eltern pro Monat 50 Euro zu, können die Kinder mit 65 mit einem 320.000-Euro-Depot rechnen. Wenn die Eltern nichts dazugeben, dann liegt der Depotwert mit 18 demnach bei 2.200 Euro und mit 65 Jahren bei rund 53.000 Euro.
Auch ohne Elterninitiative soll niemand leer ausgehen
Ein zentrales Element der Planung ist, dass alle berechtigten Kinder profitieren sollen – unabhängig davon, ob die Eltern aktiv werden. Wird kein Depot eröffnet, soll eine zentrale Auffanglösung greifen.
Die staatlichen Beiträge werden dann kollektiv für den jeweiligen Jahrgang angelegt. Später soll es möglich sein, diese Mittel in ein individuelles Depot zu übertragen, sobald ein solches eingerichtet wird.
Damit will die Bundesregierung verhindern, dass Kinder allein deshalb benachteiligt werden, weil ihre Eltern sich nicht aktiv um eine Depoteröffnung kümmern.
Wer Anspruch hat – und welche Regeln gelten sollen
Anspruchsberechtigt sollen grundsätzlich alle Kinder und Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren sein, die eine Schule in Deutschland besuchen. Parallel wird noch geprüft, ob zusätzliche Kriterien wie der Wohnsitz oder der Bezug von Kindergeld verbindlich werden.
Die Erträge aus dem angesparten Kapital sollen bis zum Renteneintritt steuerfrei bleiben. Erst in der Auszahlungsphase würden sie regulär besteuert werden, so die bisherige Planung.
Der politische Zeitplan sieht vor, dass die Frühstartrente 2026 gesetzlich verankert wird. Die Auszahlung soll rückwirkend zum Jahresbeginn starten – zunächst für den Jahrgang 2020, der als erster in das Modell fällt.
Offene Fragen und Kritik an den Kosten
Trotz der politischen Grundsatzentscheidung sind viele Punkte noch ungeklärt. Dazu zählen unter anderem die genaue Ausgestaltung der Anlageprodukte, mögliche Zuzahlungen durch Familien sowie die Kostenstruktur der Depots.
Besonders die Frage der Gebühren gilt als entscheidend. Verbraucherschützer warnen laut Spiegel davor, dass das Modell ähnliche Probleme entwickeln könnte wie frühere staatlich geförderte Vorsorgeprodukte, bei denen hohe Kosten die Rendite deutlich geschmälert haben.
Finanzexperten fordern deshalb klare Obergrenzen und transparente, möglichst günstige Standardlösungen. Nur so könne verhindert werden, dass das Modell langfristig vor allem der Finanzbranche nützt.
Früh vorsorgen statt abwarten
Unabhängig von der politischen Umsetzung verweisen Experten darauf, dass der Vermögensaufbau für Kinder nicht auf staatliche Programme warten müsse. Bereits heute ließen sich mit Kinderdepots und ETF-Sparplänen langfristig erhebliche Vermögen aufbauen.
Entscheidend sei dabei der lange Anlagehorizont. Über Jahrzehnte hinweg könnten selbst kleine monatliche Beträge durch den Zinseszinseffekt deutlich wachsen – vorausgesetzt, sie werden konsequent investiert und breit gestreut angelegt.
Die Frühstartrente könnte diesen Prozess ergänzen. Ob sie tatsächlich den erhofften Effekt entfaltet, wird jedoch stark von ihrer konkreten Ausgestaltung abhängen. emfi/lmi/mit dpa
Vorschaubild: © Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa