Angesichts weiter steigender Zahlen auch in Franken stellt sich die Frage immer drängender: Wo ist das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus am höchsten? Das Robert Koch-Institut (RKI) hat nun eine Studie herausgegeben, die diese Frage beantworten soll. Wir haben die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst.

Zunächst betonen die Forscher noch einmal, dass durch Tröpfcheninfektionen die höchste Gefahr für eine Ansteckung ausgeht. Auch virushaltige Aerosole spielen wohl eine größere Rolle - hingegen spie die indirekte Übertragung durch kontaminierte Oberflächen, beispielsweise in Supermärkten, nur eine "untergeordnete Rolle". Umso wichtiger ist es, sich an das Maskengebot zu halten. Hier gibt es günstige Masken

Die Bedeutung von Privathaushalten, Alten- und Flüchtlingsheimen

Entscheiden ist jedoch auch, in welchem räumlichen Umfeld sich eine Ansteckung mit dem Coronavirus abspielt: Demnach sind Privathaushalte und Altenheime laut der RKI-Untersuchung die Orte der meisten Corona-Übertragungen. Allerdings gab es bei einem Ausbruch zu Hause im Schnitt nur jeweils 3,2 Infizierte - die Übertragung fand also wohl nur auf weitere Familienmitglieder statt.

Die zweitmeisten Corona-Ausbrüche gehen laut Robert Koch-Institut auf Alten- und Pflegeheime zurück. In diesen Einrichtungen steckten sich bei einem Ausbruch aber im Schnitt fast 19 Personen an. Besonders hoch ist die Ansteckungsgefahr demnach beim Ausbruch in einem Flüchtlingsheim - im Schnitt wurden 21 Fälle pro Ausbruch erfasst, so viele wie nirgends sonst. Dies wird als weiterer Beleg dafür gesehen, dass ein "intensiver und längerer persönlicher Kontakt mit einem hohen Übertragungsrisiko einhergeht."

Neben der körperlichen Nähe sind geschlossene Räume die größten Risikofaktoren - auch an der Arbeit: So wurden Ausbrüche im beruflichen Umfeld ganz überwiegend in geschlossenen Räumen beschrieben.

Neue Erkenntnisse zur Bedeutung von Schulen im Infektionsgeschehen

Interessant ist, was die RKI-Studie zur Bedeutung der Schulen bei der Ausbreitung des Virus herausgefunden hat. So hatte eine Studie aus den USA zuletzt die große Bedeutung von Kindern bei Ansteckungswegen betont. In Deutschland spielen Schulen der RKI-Studie zufolge - bislang zumindest - keine Rolle bei den Infektionen. Das RKI ordnet ihnen nur 31 Ausbrüche und 150 Infektionen zu.

Auch Restaurants, Hotels oder Büros sind bislang Nebenschauplätze. Ausbrüche in der Bahn lassen sich laut RKI nur schwer ermitteln, da die Identität eines Kontaktes kaum nachvollziehbar sei. Probleme gab es in den letzten Wochen vor allem auch mit Reiserückkehrern. Vor allem auf dem Balkan gab es zahlreiche Ansteckungen.

"Neben einzelnen spektakulären und bundesweit bekannt gewordenen großen Ausbrüchen sind es insbesondere Übertragungen im familiären und häuslichen Umfeld, die nicht unbedingt zu vielen Folgefällen führen und nur wenige Fälle pro Ausbruch aufweisen, aber offensichtlich sehr häufig vorkommen", heißt es in dem RKI-Papier. "Gemeinsames Wohnen auch im Alten- und Pflegeheim scheint häufig zu Übertragungen zu führen, deutlich weniger jedoch Situationen im Freien, wie fehlende Ausbrüche in Tierparks und Zoos beziehungsweise nur drei Fälle beim Picknick nahelegen."

Ein weiterer Risikofaktor ist laut RKI das Verhalten, insbesondere junger, Menschen in Deutschland. Da Covid-19 bei ihnen oft leichter verläuft, ist die Gefahr einer unbemerkten Ansteckung höher. Außerdem sinke gerade bei dieser Bevölkerungsgruppe die Akzeptanz der Corona-Beschränkungen. Die Forscher betonen deshalb, in Zukunft der Fokus der "Unterbrechung von Infektionsketten zwischen privaten Haushalten" im Fokus stehen sollte. Die bisherigen Maßnahmen hätte sich dabei bewährt - wenn sie "weiterhin breite Anwendung und Akzeptanz in der Bevölkerung finden." Dabei komme es auf das persönliche Verantwortungsgefühl an: "Hier kann nur an die gesamtgesellschaftliche Verantwortung appelliert werden, die hilft, nicht nur sich selbst, sondern auch die eigene Familie, aber auch alle Eltern, Großeltern und Urgroßeltern von anderen, vor einem erhöhten Infektionsrisiko zu beschützen", so die RKI-Experten.

Das RKI weist darauf hin, dass nicht bei allen erfassten Fällen die Quellensuche der Infektion ganz sicher verlaufen ist. Den Angaben liegen laut RKI lediglich etwa 27 Prozent aller Infektionen zugrunde, die einem konkreten Ausbruchsort zugeordnet werden konnten. mit dpa

Weitere Informationen rund um das Coronavirus finden Sie in unserem Ticker.