Die Investorenpläne der FIFA sorgten in der Fußballwelt für erhebliche Empörung – vor allem Präsident Infantino geriet in die Kritik. Nun hat der Weltverband eine Entscheidung getroffen.
Der Fußball-Weltverband FIFA verzichtet auf seine umstrittenen Investorenpläne. Der Vorschlag wird nicht weiterverfolgt, erklärte Verbandspräsident Gianni Infantino in einer in der Nacht veröffentlichten Stellungnahme. "Nachdem wir uns alle Standpunkte aufmerksam angehört haben, ist deutlich geworden, dass das Projekt zu Spaltungen geführt hat, die – unabhängig vom Ausmaß der Unterstützung – nicht mehr im Interesse des ursprünglich angestrebten Ziels liegen", begründete Infantino seine abrupte Kehrtwende.
Die Pläne der FIFA um den einflussreichen Präsidenten Infantino sahen vor, durch den potenziellen Verkauf eines Teils ihrer kommerziellen Rechte, etwa an der Weltmeisterschaft, eine Milliardensumme zu generieren. Für die Umsetzung wollte die FIFA die Tochtergesellschaft FIFA Forward Enterprise (FFE) gründen. Berichten zufolge setzte der Weltverband eine Frist bis zum 19. September für die Zustimmung zum geplanten Investorendeal und versprach im Gegenzug eine Sonderzahlung. All das ist nun vom Tisch.
Nach massivem Widerstand: FIFA gibt Investorenpläne auf - Infantino bezieht Stellung
Infantino erklärte weiter, Ziel der FIFA sei es, stets zu vereinen und zu verbessern. "Daher wird dieser Vorschlag nicht weiterverfolgt." Es sei seine Absicht, alle interessierten Parteien in den kommenden Tagen und Wochen "im Geiste des gemeinsamen Interesses an unserem Sport wieder zusammenzubringen, mit dem Ziel, den Fußball überall weiter voranzubringen, insbesondere in jenen Ländern, die unsere Unterstützung am dringendsten benötigen". Mit dem Projekt habe er die Mitgliedsverbände stärken wollen. Zur Umsetzung wäre es ohnehin nur gekommen, wenn eine Mehrheit dem Projekt zugestimmt hätte, erläuterte er in der Stellungnahme weiter.
Die FIFA beugte sich damit dem Druck, der in den vergangenen Tagen immer größer geworden war. So hatte die europäische UEFA nicht nur die Pläne scharf kritisiert, sondern sogar mit einem WM-Boykott gedroht. "Keine Nationalmannschaften aus der UEFA werden an irgendeinem FIFA-Wettbewerb teilnehmen, solange diese Vorschläge weiterbestehen", teilte die UEFA nach einem Dringlichkeitstreffen mit.
"Europas Position ist eindeutig. Wir werden diesem Modell niemals unsere Legitimität verleihen. Niemand hat das moralische Recht, etwas zu verkaufen, das er lediglich treuhänderisch für die nächste Generation verwaltet", schrieb die Europäische Fußball-Union.
Hochrangiger Infantino-Berater zurückgetreten
Auch die für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik zuständige Concacaf und der asiatische Fußballdachverband AFC distanzierten sich deutlich von Infantino und seinen Plänen. Der südamerikanische Fußballverband Conmebol bezog dagegen zunächst keine inhaltliche Position. Stattdessen kündigte der Kontinentalverband an, die Pläne weiter zu prüfen und forderte zusätzliche Informationen von der FIFA an. Zudem bröckelte auch innerhalb der FIFA die Unterstützung für Chef Infantino. FIFA-Betriebsdirektor Kevin Lamour warf Infantino vor, die Mitarbeiter hintergangen zu haben.
Carlos Cordeiro, ein hochrangiger Berater des 56-Jährigen, trat aus Protest gegen das Vorhaben zurück. Dabei wählte er drastische Worte. "Als leitender Berater des FIFA-Präsidenten, früherer Banker und lebenslanger Fußball-Fan kann ich nicht tatenlos zusehen, wie die FIFA den Verkauf einer Beteiligung an der Weltmeisterschaft in Erwägung zieht", schrieb der Topfunktionär auf der Plattform LinkedIn.