Es werde größter Anstrengungen bedürfen, um diese Entwicklung einzufangen, betonte der frühere Vorsitzende des DFB-Sportgerichts zum Urteil des Weltverbands FIFA, für den er bis vor vier Wochen noch als Mediator tätig war. Balogun hatte im WM-Spiel gegen Bosnien-Herzegowina die Rote Karte gesehen, nachdem er unabsichtlich auf dem Knöchel seines Gegners gelandet war und war für ein Spiel gesperrt worden. Die FIFA setzte die Sperre später für ein Jahr zur Bewährung aus, nachdem Medien zufolge US-Präsident Donald Trump interveniert haben soll.
Lorenz sieht Bruch mit Sperren-Praxis
"Bei diesem Foul - auch wenn sicher keine Verletzungsabsicht dabei war - nur ein Spiel Sperre zu geben, ist ein Geschenk. Dies nun auszusetzen, ist ein Skandal", sagte Lorenz und kritisierte, dass die FIFA allen Verbänden seit Jahrzehnten mit Sanktionen drohe, sollten sie das Prinzip der Mindestsperre von einem Spiel missachten.
"In der Bundesliga hätte Balogun wohl drei Spiele bekommen wegen rohen Spiels, dann hätte man über eine Reduzierung auf zwei diskutieren können. Aber so ist das nun wirklich skandalös", erklärte Lorenz weiter.
Auch international hagelte es Kritik. "Der schamlose Donald Trump und seine unterwürfige Marionette Gianni Infantino haben diese Weltmeisterschaft in eine Jauchegrube gezogen", schrieb die Daily Mail in Großbritannien besonders plakativ. Laut der Europäischen Fußball-Union UEFA wurde mit der Entscheidung "eine rote Linie überschritten".
So reagieren Trump und US-Trainer Pochettino
Trump selbst zögerte nach der FIFA-Entscheidung nicht und meldete sich umgehend über Truth Social. "Vielen Dank an die FIFA, dass ihr das gemacht habt, was richtig ist und eine große Ungerechtigkeit wiedergutgemacht habt." Dahinter schrieb er: "Präsident DONALD J. TRUMP." Der 80-Jährige war bislang bei keinem WM-Spiel vor Ort, wird aber spätestens zum Endspiel am 19. Juli in East Rutherford bei New York im Stadion erwartet.
"Ich denke, wir müssen feiern, dass das eine faire Entscheidung ist, uns nicht noch mehr zu bestrafen", begrüßte US-Trainer Mauricio Pochettino die Entscheidung. Aus dem US-Team hieß es, manche Spieler hätten die Nachricht zunächst für einen KI-generierten Fake gehalten.
Belgiens Trainer Rudi Garcia reagierte dagegen mit Unverständnis. "Ich wusste nicht, dass der 5. Juli bei der WM wie der 1. April ist. Es klingt wie ein schlechter Scherz", sagte der Nationalcoach. Ältere Fußball-Fans fühlten sich erinnert an die WM 1962, als der Brasilianer Garrincha im Halbfinale Rot sah und im Endspiel dennoch spielen durfte.
Auch der belgische Fußballverband zeigte sich erschüttert. "Unabhängig vom sportlichen Ausgang dieser Partie ist der RBFA über den Verlauf der Ereignisse zutiefst besorgt", schrieb der Verband. Der RBFA werde sich "auch in den kommenden Stunden, Tagen und Monaten weiterhin für die grundlegenden Prinzipien von Ethik, fairem Wettbewerb und die Interessen des Fußballs insgesamt einsetzen".
Zuvor hatte The Athletic berichtet, die FIFA habe Belgien das Recht eingeräumt, gegen die Entscheidung vorzugehen. Ein Mitglied des FIFA-Berufungsausschusses, das keinem UEFA- oder CONCACAF-Verband angehört, sollte demnach über den Fall entscheiden.
Update vom 06.07.2026, 12.32: WM 2026: Klopp schießt gegen Trump und Infantino
Im Streit um die ausgesetzte Rot-Sperre des US-Nationalstürmers Folarin Balogun hat der belgische Fußballverband Einspruch gegen die Entscheidung der FIFA erhoben. Der Weltverband habe Belgien das Recht eingeräumt, gegen den Beschluss vorzugehen, berichtete "The Athletic" unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen.
Dass Präsident Trump bei der ominösen Aufhebung der Rot-Sperre für US-Shooting-Star Folarin Balogun seine Finger im Spiel gehabt haben soll, sorgt in der Fußballwelt für allgemeine Empörung.
Brisante Entscheidung löst WM-Skandal aus - Belgien legt Einspruch ein
Dem Bericht von "The Athletic" zufolge mussten sowohl der belgische als auch der US-Verband ihre Stellungnahmen bis Montagmorgen (Ortszeit) einreichen. Ein Mitglied des FIFA-Berufungsausschusses, das weder dem UEFA- noch dem CONCACAF-Verband angehört, soll über den Fall entscheiden. Ob noch vor dem Anpfiff des Achtelfinales eine Entscheidung getroffen wird, bleibt unklar. Balogun hatte im WM-Spiel gegen Bosnien-Herzegowina die Rote Karte erhalten, nachdem er unabsichtlich auf dem Knöchel seines Gegners gelandet war, und war zunächst für ein Spiel gesperrt worden.
Die FIFA setzte die Sperre später mit Verweis auf Artikel 27 ihres Disziplinarreglements, der die Aussetzung einer Disziplinarmaßnahme ganz oder teilweise erlaubt, für ein Jahr zur Bewährung aus. Damit ist der Stürmer nach aktuellem Stand für das Achtelfinale der USA gegen Belgien am Dienstag (2.00 Uhr/MESZ) spielberechtigt. Der "New York Times" und der Nachrichtenagentur AP zufolge soll der Aussetzung der Sperre ein Anruf von US-Präsident Donald Trump bei FIFA-Chef Gianni Infantino vorausgegangen sein. Die Entscheidung der FIFA und die Berichte über mögliche Hintergründe stießen weltweit auf Kritik. Der Königliche Belgische Fußballverband hatte die Entscheidung als "direkten Widerspruch" zu den Wettbewerbsbestimmungen bezeichnet und angekündigt, "alle Optionen" zu prüfen.
"The Athletic" zufolge soll der Verband außerdem die vollständige Begründung für die Aussetzung der Sperre angefordert haben. Auch Jürgen Klopp, aktuell für Magenta TV als WM-Experte im Einsatz, fand deutliche Worte: "Wenn das wirklich Trump und Infantino miteinander ausgemacht haben, das ist verrückt. Das stellt alles infrage", sagte Klopp und meinte: "Diese beiden Menschen, die beide keine Ahnung von Fußball haben, sollten gar nichts damit zu tun haben".
DFB-Präsident Neuendorf fordert Aufklärung
Neben Klopp hat sich mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf auch sein möglicher zukünftiger Vorgesetzter zu Wort gemeldet. Der 65-Jährige reagierte mit einer scharfen Aufforderung an den Fußball-Weltverband auf den Fall Folarin Balogun: "Die FIFA sollte sich jetzt rasch zu Berichten erklären, wonach der Entscheidung zur Aussetzung der Roten Karte gegen den amerikanischen Spieler Folarin Balogun ein Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino vorausgegangen sein soll", erklärte der Spitzenfunktionär in einer Stellungnahme.
"Der Eindruck, dass es hier eine aktive Einflussnahme der Politik auf den Sport gegeben hat, muss zügig und schlüssig ausgeräumt werden. Es geht um die Integrität des Wettbewerbs und die Glaubwürdigkeit der FIFA", sagte Neuendorf weiter. Auch die Europäische Fußball-Union zeigte sich in einem Statement kritisch. "Die gestrige Entscheidung, die Umsetzung der automatischen Sperre für ein Spiel nach der Roten Karte für den Spieler Folarin Balogun für eine Probezeit von einem Jahr auszusetzen, hat eine rote Linie überschritten", schrieb die UEFA in einem Statement. "Wir bringen unsere Fassungslosigkeit angesichts einer solch beispiellosen, unverständlichen und ungerechtfertigten Entscheidung zum Ausdruck".
"Der Fußball stützt sich, wie jede andere Sportart auch, auf Regeln, die die Grundlage für einen fairen, ehrlichen und transparenten Wettbewerb bilden. Manchmal lassen Regeln Raum für Interpretationen. In diesem Fall jedoch nicht. Eine automatische Mindestsperre von einem Spiel nach einer Roten Karte ist keine Ermessensentscheidung und erfordert keine Entscheidung einer zuständigen Instanz, um in Kraft zu treten", so die UEFA.
Ex-Präsident Blatter zeigt sich besorgt
Der frühere FIFA-Präsident Joseph Blatter (90) meldete sich ebenfalls zu Wort: "Rote Karten werden nicht durch politische Telefonanrufe aufgehoben. Sie werden auf der Grundlage von Regeln, Beweisen und durch unabhängige Gremien revidiert. Wenn ein US-Präsident beim FIFA-Präsidenten interveniert - und ein Spieler plötzlich vor einem K.-o.-Spiel der Weltmeisterschaft freigesprochen wird - stellt sich unweigerlich die Frage: Quo vadis, FIFA?", schrieb Blatter bei X. "Der Fußball darf niemals zum Spielball politischer Machtinteressen werden", führte der langjährige FIFA-Präsident vor dem WM-Achtelfinale zwischen den USA und Belgien aus.
Die ursprüngliche Meldung vom 06.07.2026, 06.54 Uhr: WM 2026: Irre Gerüchte um Trump-Einmischung
Dieser in der jüngeren WM-Geschichte beispiellose Vorgang ist bereits jetzt ein Politikum und könnte weitreichende Konsequenzen haben, die über den Fall Folarin Balogun hinausgehen. Hat US-Präsident Donald Trump tatsächlich bei FIFA-Chef Gianni Infantino angerufen, um sich für die Aufhebung der Rot-Sperre von Balogun für das WM-Achtelfinale gegen Belgien in Seattle einzusetzen?
Dies berichteten am Sonntag übereinstimmend "The Athletic" und die Nachrichtenagentur AP. Mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen bestätigten den ungewöhnlichen Ablauf - und die Fußballwelt geht auf die Barrikaden.
"Das ist verrückt": Aufregung um Balogun-Entscheidung
Weder die FIFA noch das Weiße Haus haben die Informationen bisher kommentiert. "Wenn das wirklich Trump und Infantino ausgemacht haben, das ist verrückt", kommentierte der designierte Bundestrainer Jürgen Klopp bei MagentaTV. Wenige Stunden zuvor hatte der Weltverband mitgeteilt, dass Balogun trotz seiner Roten Karte im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina am Dienstag (2.00 Uhr MESZ/ARD und MagentaTV) im Lumen Field spielen darf. Trump zögerte nicht und meldete sich umgehend über Truth Social, als die FIFA Balogun für spielberechtigt erklärte. "Vielen Dank an die FIFA, dass ihr das gemacht habt, was richtig ist, und eine große Ungerechtigkeit wiedergutgemacht habt." Dahinter schrieb er: "Präsident DONALD J. TRUMP."
Der 80-Jährige war bislang bei keinem WM-Spiel vor Ort, wird aber spätestens zum Endspiel am 19. Juli in East Rutherford bei New York im Stadion erwartet. Der Vorgang erinnert an die WM 1962, als der Brasilianer Garrincha im Halbfinale Rot sah und im Endspiel wenige Tage später trotzdem spielen durfte. Schiedsrichter-Experte Patrick Ittrich sagte dazu: "Das Interessante ist in der Tat, dass wir keine Begründung haben. Es wird irgendwann eine nachgeliefert und am Ende wissen wir nicht, worum es geht." In diesem Fall ist die Entscheidung der FIFA besonders bemerkenswert: Zwar wurde die Rote Karte gegen Balogun kontrovers diskutiert, da sein Tritt gegen Tarik Muharemovic in einem Zweikampf zwar hart, aber offensichtlich unabsichtlich war. Doch während der Partie in Santa Clara wurde sie als korrekt erachtet, schließlich wurde sie erst nach Überprüfung durch den Video Assistant Referee (VAR) ausgesprochen.
Balogun hatte beim 2:0 erst das Führungstor erzielt (45. Minute) und später die Rote Karte (64.) gesehen. Geht es nach US-Trainer Mauricio Pochettino, war bereits der Platzverweis Anfang dieser Woche ein klarer Fehler von Referee Raphael Claus aus Brasilien. "Ich denke, wir müssen feiern, dass das eine faire Entscheidung ist, uns nicht noch mehr zu bestrafen. Das war schon genug", sagte der Argentinier bei der Pressekonferenz in Seattle, wo in der deutschen Nacht zum Dienstag letztmals gespielt wird. Rund 70.000 Fans werden erwartet.
Auch Cristiano Ronaldo profitierte von Artikel 27
Als Begründung verwies die FIFA auf Artikel 27 des Disziplinarreglements, wonach die Durchführung einer Disziplinarmaßnahme ganz oder teilweise ausgesetzt werden kann. Baloguns Sperre werde für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt. Sollte sich der Angreifer in dieser Zeit "einen weiteren Verstoß gleicher Art und Schwere" erlauben, werde die Sanktion vollstreckt. Es ist nicht das erste Mal, dass die FIFA von Artikel 27 Gebrauch macht. Erst im Vorjahr sah Portugals Superstar Cristiano Ronaldo im vorletzten Quali-Spiel gegen Irland eine Rote Karte für einen Ellbogenschlag. Der Weltverband sperrte Ronaldo für eine Partie und setzte die weiteren beiden Partien zur Bewährung aus, sodass der Kapitän ab dem WM-Auftakt in den USA zur Verfügung stand. Der Unterschied ist: Bei Ronaldo wurde die Sperre über den Regelpassus nur verkürzt, bei Balogun nun de facto aufgehoben.
Sollte sich der Stürmer bei dieser WM kein weiteres Vergehen leisten, steht schon jetzt fest, dass eine Strafe bei einem weiteren Vergehen zu einem Zeitpunkt folgen würde, der nicht annähernd so bedeutend für die USA ist wie das anstehende Achtelfinale. Balogun (AS Monaco) ist mit drei Toren der erfolgreichste Angreifer der USA. Dementsprechend erstaunt reagierten die Belgier, die sich in einem Statement des Verbandes zu Wort meldeten und Konsequenzen nicht ausgeschlossen haben. "Wir verteidigen nicht Belgien, wir verteidigen den Fußball. Das ist das erste Mal in der WM-Geschichte, dass so eine Entscheidung getroffen wird", sagte Belgiens Trainer Rudi Garcia, der rund 30 Stunden vor Anpfiff noch einmal seine Spielvorbereitung überarbeiten musste.
Garcia konnte es zunächst nicht glauben. "Ich wusste nicht, dass der 5. Juli bei der WM wie der 1. April ist. Es klingt wie ein schlechter Scherz", sagte der Trainer. Von den US-Fußballern, die die Entscheidung selbstredend begrüßten, war zu vernehmen, dass mancher die Nachricht zunächst für einen von künstlicher Intelligenz erstellten Fake hielt. Als die Journalisten bei der belgischen Pressekonferenz wiederholt nachfragten, entgegnete der Cheftrainer aus Frankreich irgendwann: "Verschwendet nicht Eure Zeit. Ich bin der Trainer, Thibaut (Courtois) ist der Spieler. Stellt uns dazu Fragen." Courtois beschränkte sich darauf, über die sportlichen Aspekte zu sprechen, und lobte das US-Team für dessen starke Offensive.
Vorwürfe stellen Integrität in Frage: "Das ist in Teilen unerträglich"
Dass Balogun anstelle des ehemaligen Augsburgers Ricardo Pepi aufläuft, gilt als extrem wahrscheinlich. Daran änderten auch Pochettinos Aussagen nichts. "Vielleicht ist meine Entscheidung auch, Balogun auf die Bank zu setzen. Unsere Stärke ist der ganze Kader", erklärte der Cheftrainer, der nach 2002 für die zweite Viertelfinal-Teilnahme der USA in der WM-Historie sorgen könnte. Einen Grund dafür hätte er nicht, Balogun ist gesetzt.
Es wird spannend zu beobachten sein, inwiefern es beim Duell mit den Belgiern um den alternden Mittelfeldspieler Kevin De Bruyne wirklich um den Sport und die WM-Begegnung gehen wird - oder ob der Fall Balogun den Fußball plötzlich überlagert. Die unerwartete Entscheidung der FIFA samt der Vorwürfe einer politischen Einmischung aus dem Weißen Haus stellen die Integrität des Weltverbandes in Frage. "Das ist in Teilen unerträglich, was da passiert", sagte Ittrich.
Vorschaubild: © Julio Cortez/AP/dpa