In der Folge hatte sich eine Diskussion entwickelt, in der Neuendorf anmerkte, vieles werde ohne jegliches Hintergrundwissen gesagt. CDU-Chef Friedrich Merz nannte die Entscheidung «unverständlich» und «unpatriotisch». Hessens CDU-Ministerpräsident Boris Rhein meinte: «Der Weltmeister trägt Adidas, nicht irgendeine amerikanische Fantasiemarke.»
Watzke macht eine Ausnahme
Watzke merkte im Interview an, «das einzige Vernünftige, was ich gelesen habe», sei der Satz von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) gewesen, der gesagt hatte: Das ist die Sache des Verbands. «Wenn ein gemeinnütziger Fußball-Verband quasi das Doppelte und über acht Jahre fast 400 Millionen Euro mehr erlösen und zumindest einen größeren Teil davon in die Entwicklung des Kinder-, Jugend- und Frauen-Fußballs stecken kann, dann ist das allein schon alternativlos», sagte Sportökonom Christoph Breuer der Deutschen Presse-Agentur.
Das Gegeneinander von Politik und DFB ist keine drei Monate vor dem Heim-Turnier (14. Juni bis 14. Juli) bemerkenswert, wirklich harmonisch wirkte das Verhältnis in den vergangenen Monaten nie. «Ich habe mich schon sehr gewundert, dass Politiker kenntnisfrei und vor allem ohne Faktenlage sich populistisch so weit aus dem Fenster lehnen. Das muss ich ehrlich sagen, ist eine neue Qualität», sagte DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig bei ran. «Da hätte man vielleicht doch das ein oder andere Mal besser geschwiegen.»
DFB und Adidas noch eng verbunden
Kritisiert wurde der DFB nicht nur für die Entscheidung, sondern auch für den Zeitpunkt. Gut eine Woche vorher hatten Adidas und der DFB die Trikots für die Heim-EM präsentiert. Die Kampagne mit dem pinkfarbenen Auswärtstrikots kam gut an. Zudem wohnt das Nationalteam während der EM auf dem sogenannten Homeground von Adidas im fränkischen Herzogenaurach. Die Partnerschaft wird Ende 2026 nach über 70 Jahren enden.
«Dass das in der Öffentlichkeit so ein großes Thema ist, das war klar und das kann ich gut nachzuvollziehen», sagte Watzke. «Als ich damit konfrontiert worden bin, habe ich auch erst mal Luft holen müssen. Das war eine gewachsene Beziehung zwischen dem DFB und Adidas.»
Doch auch für Watzke gab es keinen Spielraum für eine andere Entscheidung. Die Differenz der Angebote sei «so gigantisch groß» gewesen. «Da gab’s einfach keine andere Lösung. Wenn man ausschreibt, dann ist es halt so, dass irgendwann mal einer böse ist», sagte Watzke. Es könnten nicht Regeln geschaffen und anschließend in der Politik kommentiert werden, «dass das unpatriotisch sei. Das fand ich einfach total daneben», sagte Watzke.