"Desolat und enttäuschend"

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Aus in der Vorrunde: Das deutsche Team schied unerwartet mit einem 0:2 gegen Südkorea aus. Frank Augstein/dpa
Aus in der Vorrunde: Das deutsche Team  schied unerwartet mit einem 0:2 gegen Südkorea aus. Frank Augstein/dpa

Sie sind Spieler, Trainer oder Funktionäre: Nach dem Vorrunden-Aus gehen die Experten aus der Region hart mit dem deutschen Nationalteam ins Gericht.

Werner Thomas, Trainer TSV Neudrossenfeld: "Ich bin enttäuscht, aber die DFB-Elf hat nichts anderes als das Vorrunden-Aus verdient. Die Auftritte waren ernüchternd und ohne Selbstbewusstsein. Gegen Südkorea haben die Deutschen Angsthasenfußball gespielt. Das war alles behäbig. Ich verstehe nicht, warum Löw im Vergleich zur zweiten Halbzeit gegen Schweden so viele Personalwechsel vollzogen hat. Die Deutschen haben einfach zu viele Fehler gemacht. Andere Topfavoriten haben sich auch schwergetan, sind aber weiter. Ich drücke jetzt den Überraschungsteams England, Belgien und Kroatien die Daumen."

Dieter Schlereth, Trainer FC Sand: "Dass wir ausgeschieden sind, hat mich nicht überrascht. Das hat sich abgezeichnet. Nicht nur während der WM, sondern auch in der Vorbereitung. Mats Hummels hat es gut zusammengefasst, das letzte gute Spiel der Nationalelf war schon viel zu lange her. Außerdem haben sie konditionell sehr schwach gewirkt. Ich tippe bei dieser WM auf Frankreich."

Alexander Grau, Trainer 1. FC Lichtenfels: "Eine enttäuschende Leistung! Dabei ist die individuelle Klasse der Spieler unbestritten, aber keiner kam an seine Leistungsgrenzen. Es hat sich eine gewisse Selbstgefälligkeit eingestellt, vor allem im ersten Spiel. Da schien das Team überrascht, dass die anderen auch gut spielen können. Gegen Südkorea hat es dann an Selbstvertrauen gefehlt, die Mannschaft wirkte viel zu gehemmt. Insgesamt war zu wenig Gier nach dem Titel da. Es hätte auch nichts genützt, wenn man zwei/drei andere Spieler aufgestellt hätte. Mein Titelfavorit ist Brasilien."

Norbert Hofmann, Trainer ASV Vach: "Vielleicht ist es gut, dass Deutschland so krachend gescheitert ist. Drei miese Spiele, jetzt gibt es keine Ausreden mehr, alles muss aufgearbeitet werden. Die schwache Vorbereitung wurde schöngeredet, bei der Nominierung die falschen Leute ausgewählt. Sané und Wagner hätten mitgemusst. Dass Löw 20 Spieler eingesetzt hat, sieht nach Verzweiflung aus."

Mario Bail, Trainer DJK Don Bosco Bamberg: "Es schien, als seien viele Spieler nicht überzeugt gewesen vom eigenen Team. Die ganzen letzten vier Jahre schon hat der Spannungsbogen nachgelassen. In Russland stand keine richtige Mannschaft auf dem Platz, nicht alle Akteure hatten hundertprozentig das gleiche Ziel, möglichst weit zu kommen. Manch einer wirkte überspielt. Das frühe Ausscheiden ist die Summe vieler Kleinigkeiten, es gab kein einzelnes großes Defizit. Es war das Feuer nicht da wie beim Titelgewinn vor vier Jahren in Brasilien, der Funke sprang nicht über. Das Team war mehr mit sich selbst beschäftigt. Themen wie die Affäre um Özil und Gündogan waren sicher eine Belastung, die man nicht so einfach wegwischt. Wenn, dann hätte Jogi Löw 2014 oder 2016 zurücktreten sollen. Bietet sich ein besserer Kandidat für einen Neuanfang an? Titelfavoriten sind für mich nun Frankreich und Brasilien."

Jakob Karches, Trainer FC Herzogenaurach: "Es ist die Summe vieler kleiner Faktoren: Jogi Löw hat teilweise falsch aufgestellt, zu spät gewechselt und die Mannschaft taktisch nicht gut auf den Gegner eingestellt. Dazu kamen pro Partie zwei, drei Totalausfälle, mehrere Nebenkriegsschauplätze wie die Erdogan-Affäre, angeschlagene Akteure wie Boateng und Özil sowie der Druck des Titelverteidigers."

Dieter Hartan, Jugend-Ehren-Kreisspielleiter Coburg: "Wir wurden völlig zu Recht nach Hause geschickt. Als Favorit in dieser Gruppe blamabel ausgeschieden. In allen drei Spielen waren elf Einzelspieler auf dem Platz und keine Mannschaft. Keiner war da, der diese Spieler lenkte und leitete. Drei Spiele - kein Selbstvertrauen, keine Spielerpersönlichkeit, kein Chef auf dem Platz. Im Spiel gegen Südkorea haben alle eingesetzten Spieler eine indiskutable Leistung gezeigt. Zu viele Zu- und Abspielfehler, und mit dem Zeitspiel um den Mittelkreis kann man kein Spiel gewinnen und demzufolge auch keine Tore erzielen. Viele Mannschaften haben schnell nach vorne gespielt - unsere Spieler und Betreuer haben dies bestimmt nicht mitbekommen."

Frederic Martin, Ex-Kapitän SV Friesen: "Es war eine desolate und komplett enttäuschende Vorstellung als Weltmeister. In allen drei Spielen wirkte die Mannschaft ideenlos, planlos und ohne Leidenschaft. Statt des gewohnten dominanten deutschen Kombinationsspiels mit großer Ballsicherheit zogen sich viele Fehler, Einzelaktionen, Abstimmungsprobleme und Verunsicherung durch das deutsche Spiel. Der Bundestrainer sollte nun durch seinen Rücktritt den Weg frei machen für einen Umbruch. Ihm gebührt dennoch großer Respekt."

Martin Halbig, Trainer FC Fuchsstadt: "Die deutsche Mannschaft ist - kurz und schmerzlos - verdient ausgeschieden. Da war keine Leidenschaft zu sehen und läuferisch und kämpferisch war das viel zu wenig. Die Mannschaft wirkte nicht fit. Wer jetzt Weltmeister wird? Kroatien hat einen guten Eindruck gemacht. Auch wenn man mit Frankreich und Spanien immer kalkulieren muss."