Ein Lager für Stroh und Heu steht nahe Kairlindach (Weisendorf) in Brand: Immer wieder kommen die Einsatzkräfte zu Lagebesprechungen zusammen und beraten das weitere Vorgehen.
Flammen in der Nähe einer Biogasanlage. Überall Blaulicht. Rund 150 Feuerwehrleute rücken an. Die Lage? Unklar. Björn Bethge ist als Einsatzleiter mittendrin. Er erklärt, was in solchen Momenten zählt.
Montag, 8.21 Uhr: Alarm! Feuer in der Nähe der Weisendorfer Biogasanlage. Eine dicke schwarze Rauchsäule ist kilometerweit zu sehen. Die umliegenden Feuerwehren rücken aus. Auf der Anfahrt können die Einsatzkräfte schon aus einem Kilometer die Flammen sehen, die neben der Biogasanlage in die Höhe schlagen.
Einer von ihnen: Björn Bethge, Zugführer bei der Feuerwehr Weisendorf. Noch auf der Anfahrt erhöht er die Alarmstufe, um mehr Kräfte zum Einsatzort zu bekommen. In Kürze wird er die Einsatzleitung bei der Bekämpfung des Flammenmeeres in einem Lager von 260 Heu- und Strohballen übernehmen.
Großbrand in Weisendorf: Biogasanlage und Kuhstall müssen geschützt werden
Als Erstes trifft ein Löschfahrzeug der Feuerwehr Großenseebach am Brandort ein. Kurz darauf ist Bethge mit seinen Weisendorfer Kameraden da. Gleich wird es hier vor Einsatzkräften wimmeln. 150 Feuerwehrleute und Kräfte des Technischen Hilfswerks (THW) werden es sein. Die Flammen in der Nähe der Biogasanlage breiten sich aus. Jetzt muss es schnell gehen - und trotzdem geordnet.
"Eigentlich hätte die Einsatzleitung in diesem Fall bei der Feuerwehr Kairlindach gelegen", erklärt Bethge im Gespräch mit inFranken.de. Aber die Feuerwehr in Weisendorf ist größer und für einen Einsatz besser ausgestattet. Zugführer Björn Bethge übernimmt. Er ist seit 1999 bei der Feuerwehr, war von 2017 bis 2023 stellvertretender Kommandant und ist als Disponent in der Integrierten Leitstelle gut ausgebildet. Eine erfahrene Führungskraft also.
"Wir haben schnell erkannt, dass es zum Glück nur die Heu- und Strohballen sind, die da brennen", berichtet Bethge vom Einsatz. Aber aufgrund des Windes habe die Gefahr bestanden, dass das Feuer auf einen nahen Kuhstall übergreift. Und dann ist da natürlich noch die Biogasanlage.
Einsatzkräfte brauchen tausende Liter Löschwasser pro Minute
Vor Ort gibt es keine ausreichende Versorgung mit Löschwasser. Die Feuerwehrfahrzeuge haben insgesamt 5000 Liter dabei. Was viel klingt, ist in so einem Fall fast nichts. Alleine die Spritzen der beiden Drehleitern vor Ort können 4000 Liter Wasser abgeben - pro Minute. Eine Menge, die die rund 25 handelsübliche Badewannen füllen würde. Wasser muss her!
Und bis Wasser da ist, lautet die Devise: Brand halten. Also mit dem Löschwasser aus den Fahrzeugen verhindern, dass sich das Feuer weiter ausbreitet.
Alles läuft parallel. Der Einsatz wird in Abschnitte unterteilt. Jeder Abschnitt hat einen eigenen Leiter. Es gibt regelmäßige Lagebesprechungen. Danach, so schildert es Björn Bethge, geht jeder wieder in seinen Bereich und arbeitet autark. Beim Einsatzleiter laufen dabei die Fäden zusammen. Und zwischenzeitlich ist in Absprache mit den Kommandanten und der Kreisbrandinspektion auch entschieden: Die Einsatzleitung bleibt bei Bethge.
Vier Kilometer Schlauchleitung in Windeseile verlegt
Für die Löschwasserversorgung sind unter anderem die Feuerwehren Dechsendorf und Röttenbach zuständig. In Windeseile verlegen die Kameraden mehr als vier Kilometer Schlauchleitungen aus Oberlindach an den Brandort im abgelegenen Auweg bei Kairlindach. Erst dann kann die Feuerwehr sprichwörtlich aus allen Rohren löschen.
Und selbst dann müssen die Verantwortlichen in Zusammenarbeit mit der Gemeinde darauf achten, dass die Wasserversorgung im Ort nicht zusammenbricht, wenn pro Minute mehrere tausend Liter Löschwasser für einen Feuerwehreinsatz gebraucht werden.
"Das war keine Routine", sagt Bethge einen Tag nach dem Brand an der Biogasanlage. Jeder Einsatz sei einzigartig. "Da gibt es keinen Standard." Umso wichtiger ist es, dass die Einsatzkräfte gut ausgebildet sind. Bethge kam in diesem Fall zugute, dass im vergangenen Jahr eine Katastrophenschutzübung stattgefunden hatte, bei der just der Einsatz bei der Explosion einer Biogasanlage trainiert wurde. "Da konnte ich mich erinnern, was wir alles gemacht haben", erklärt der Einsatzleiter.
Nicht alles läuft über formelle Kommandoketten
Vor Ort haben die Feuerwehrleute die Lage am Montag schnell unter Kontrolle. In der Spitze waren "alle Einheiten aus dem Seebachgrund im Einsatz", berichtet Björn Bethge. Das kann auch zum Problem werden, wenn zeitgleich andernorts etwas passiert. Deshalb geht es bei einem Großbrand wie in Weisendorf auch darum, einzelne Einheiten so schnell wie möglich auch wieder aus dem Einsatz herauszulösen. Auch das ist wiederum eine Aufgabe, die der Einsatzleiter im Blick haben muss.
Aber nicht alles läuft über formelle Kommandoketten. Wenn es im wahrsten Sinne des Wortes heiß hergeht, brauchen die Feuerwehrleute auch Verpflegung. Und genau hier zeigt sich, was Gemeinschaft bedeutet: Der Leiter des Rewe-Markts in Weisendorf – privat gut mit der Feuerwehr vernetzt – sorgt dafür, dass kistenweise Getränke und Essen an die Einsatzkräfte gehen.