Nürnberg
RIP 2019

"Unrockbar": Ist Rock im Park in dieser Form noch zeitgemäß? - eine bittere Bilanz

Auch nach Rock im Park 2019 bleibt ein fader Beigeschmack. Ein Rock-Festival ist es eigentlich nicht mehr. Sollte man das Festival nicht in Volksfest Nürnberg umbenennen? Ein Kommentar.
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Beschwerden und Probleme sind auch bei RiP 2019 aufgetreten - ist Rock im Park noch zeitgemäß? Foto: Tobias Utz
Beschwerden und Probleme sind auch bei RiP 2019 aufgetreten - ist Rock im Park noch zeitgemäß? Foto: Tobias Utz

Die Veranstalter hätten bei der 24. Auflage von Rock im Park absichtlich einen Gang zurückgeschaltet, behaupten böse Zungen. Denn im nächsten Jahr steht das große Jubiläum an: 25 Jahre, ein Viertel Jahrhundert Rock auf dem Zeppelinfeld in Nürnberg.Man kann nur hoffen, dass es wirklich so ist. Und das, obwohl die Veranstalter selbst Rock im Park 2019 als vollen Erfolg werteten.

Denn die Stimmung 2019 ist oft seltsam gedrückt. Natürlich, es gibt sie trotzdem: Die verrückten Fans in knalligen Kostümen, die Feierwütigen, die echten Typen.Und auch musikalisch ist viel geboten: Eigentlich ist für jeden Geschmack etwas dabei. Doch genau das ist Teil des Problems.

So war's am Sonntag auf RiP 2019

Rock im Park 2019: Verloren in Beliebigkeit

Reine Rock-Festivals waren Rock im Park und Rock am Ring noch nie, doch nach den eher enttäuschenden Verkaufszahlen 2018 versuchte es der Veranstalter 2019 allen Recht zu machen - und driftete dadurch ab in Beliebigkeit. Man müsse seinen Platz in der Festival-Landschaft Europas finden, man stehe in harter Konkurrenz zu anderen Musikfestivals in Deutschland - so hieß es 2018 von Seiten des Veranstalters. Und man müsse sich auf die veränderten Hörgewohnheiten des Publikums einstellen. So wurde aus Rock im Park am Samstag eher "Rap im Park".

Und wer auch damit nicht zufrieden war, konnte ja vor dem Musikwürfel zwischen den Zeppelin-Stage und Park-Stage zu Elektro tanzen.

Dass kann Spaß machen - aber reicht das, um auf Dauer über 70.000 Musikbegeisterte anzulocken? Und diese dazu zu bringen, um die 200 Euro für ein Ticket zu bezahlen? Natürlich, bei manchen Bands hat man nur hier die Möglichkeit, sie zu sehen: Wie bei den Ärzten, die man 2019 in Deutschland nur bei Rock im Park und Rock am Ring bewundern konnte. Doch was soll man dann davon halten, wenn man während des Auftritts der deutschen Punk-Giganten im Rückraum der Zeppelin-Stage statt "Die Ärzte" die auf der benachbarten Park-Stage spielende Band spielen hörte?

Viele Probleme und viele Ausreden bei Rock im Park 2019

Hinzu kommen einige organisatorische Probleme: Eichenprozessionsspinner machten den Veranstaltern Schwierigkeiten und sorgten für einige Verletzte.Natürlich, dafür können die Organisatoren nichts. Aber wie steht es um die Toiletten-Problematik? Viel zu wenige Dixi-Klos gab es zwischenzeitlich, einige Fans starteten prompt eine Online-Petition, forderten ihr Geld zurück. Was ist mit den Problemen beim Einlass? Während zumindest bei einigen Einlass-Kontrollen Deo-Sprays aus Sicherheitsgründen konfisziert wurden, wurden genau dieselben Deo-Sprays im Lidl-Shop auf dem Festivalgelände verkauft.Einige RiP-Besucher sprachen deswegen von Geldmacherei, der Veranstalter hingegen von einem Fehler .

Aus Sicht der Organisatoren sind solche Probleme leider kaum vermeidbar: Schließlich wird mitten in der Stadt Nürnberg binnen weniger Tage eine eigene "Stadt" aus dem Boden gestampft. Fast so viele Menschen, wie Bamberg Einwohner hat, leben drei Tage auf engsten Raum zusammen. Trotzdem: Ist es aus Sicht der Besucher zu viel verlangt, für knapp 200 Euro zumindest seine Notdurft verrichten zu können?

Ja, Rock im Park hat auch im Jahr 2019 Spaß gemacht. Doch die Stimmung glich oft eher der auf einem Volksfest, als auf einem Musikfestival. Deshalb wird es das Zwillingsfestival in Zukunft wohl schwer haben, seinen führenden Platz in der deutschen Festivallandschaft zu behaupten: Im Vergleich zu den vielen kleineren Festivals, auch in Franken, fehlt RiP die programmatische Schärfe und der Gemütlichkeitsfaktor. Und wer nur ein oder zwei Bands des Lineups wirklich sehen will, kommt mit Einzelkonzerten vielleicht eher auf seine Kosten. Wenn dann auch noch - wie dieses Jahr - organisatorische Probleme hinzukommen, könnte die Geduld der RiP-Fans vielleicht schon bald aufgebraucht sein.

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