Kloster Banz
Kultkonzert

Die Magie der Musik an einem Sommerabend

Lieder auf Banz brachten Tausende auf der Klosterwiese zum Singen, Tanzen, Lachen und Nachdenken
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Lieder auf Banz: Die Freilichtbühne Foto: Gunther Czepera
Lieder auf Banz: Die Freilichtbühne Foto: Gunther Czepera
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Dies ist die Geschichte eines Zaubers. Ein Zauber, der am Wochenende über die Klosterwiese von Schloss Banz wehte und rund 4000 Menschen erfasste. Ganz egal, ob jung oder alt, weiblich oder männlich, zu Fuß oder per Rollstuhl - die von nah und weit angereisten Besucher verband an diesem Abend vor allem eines: die Liebe zur Musik. Sie alle waren ihrer Begeisterung für jene Künstlerinnen und Künstler gefolgt, die mit Leidenschaft Lieder machen und dies auch bis weit nach Mitternacht auf der großen Freilichtbühne zum Ausdruck brachten.

Die "Lieder auf Banz" hatten 2019 wieder viel zu bieten: mitreißende Rhythmen, kluge Texte nach Singer-Songwriter-Art, bittersüßen Humor und zahlreiche Gänsehautmomente vor einer Kulisse, wie sie in einer lauen Sommernacht nicht perfekter hätte sein können. Als Gastgeber führten auch in diesem Jahr die fünf sympathischen Musiker von Viva Voce durch den Abend und durften sich bei ihrem Einstimmungslied dem Publikum ganz nah fühlen - erstmals in der Geschichte des Open Airs konnten sie dies mitten auf der Wiese zwischen den picknickenden Zuschauern performen. Und damit war das Festival offiziell eingeläutet und die Magie nahm ihren Lauf.

Bayern zu Gast in Franken

"Seids friedlich und schee", forderte Hannes Ringlstetter gleich zu Beginn die Menge auf, bevor er und seine Band mit Bayerischem Rock und Reggae die Stimmung aufheizten. Auch die Aufforderung zum Hüftenschwingen - "ganz egal, ob's noch die echte is oder ned" - ließen sich viele im Publikum nicht zweimal sagen und wurden rhythmisch mitgerissen, als es bei "Bau mer auf, bau mer ab" nach Paris, New York und Alteiselfing ging. Klassiker wie "Niederbayern" durften natürlich ebenso wenig fehlen wie "Es rengt".

Ebenfalls aus dem Süden Bayerns wehte mit Hans Well & die Wellbappn frischer Satirewind nach Franken hinein. Die gesangskabarettistische Familienbande nahm kein Blatt vor den Mund, als sie sich in bester Manier der Biermösl Blosn über Politik oder auch die Automobilindustrie echauffierte. Sogar für das schöne Oberfranken hatten Hans Well und seine Kinder Sarah, Tabea und Jonas noch am selben Tag ein bittersüßes Liedl gedichtet und brachten dabei die ein oder andere Wahrheit ans Licht, als es unter anderem hieß: "Heid sammer im oberfränkischen Paradies, wo's Internet noch langsamer als die Sprach is."

Doch nicht nur Bayern, sondern auch die Schweiz war zu Gast in Franken. Der Autor, Musiker, Liedermacher und Komponist Roger Stein stand bereits 2013 als Nachwuchspreisträger auf der Banzer Freilichtbühne und offenbarte an diesem Abend den Facettenreichtum seiner Songpoesie: Genauso schön und gänsehautreif er das Glück, die Liebe und "all das Leben" besingen konnte, so bissig-sarkastisch gelang es ihm auch, über die Vergänglichkeit der Schönheit in seinem "Hochzeitslied der anderen Art" zu sinnieren.

Urgesteine und alte Bekannte

Und als es in der zweiten Hälfte des Abends hieß "Heit wird damois, damois wird heit", konnte nur einer auf der Bühne stehen: der Urvater des Austropops. Ein Stuhl, eine Gitarre, Ambros. Mehr braucht man dazu eigentlich nicht zu sagen. Er hatte das "Skifoan" ebenso im Gepäck wie die "Wintersun" und durfte wohl ausgerechnet auf der Klosterwiese einen Heidenspaß gehabt haben, als er verlautbarte: "Mir geht es wie dem Jesus, mit dem ich mich verglich, denn, außer alten Jungfern, schwärmt niemand mehr für mich."

Sich treu bleiben und trotzdem neu erfinden lautete wiederum die Devise bei Jule Neigel. Die seit drei Jahrzehnten erfolgreiche deutsche Ausnahmesängerin zeigte sich von einer völlig neuen Seite: Statt mit Rockklängen verwöhnte sie das Publikum mit herzlich-sinnlicher Akustik-Kost. Begleitet wurde sie dabei von Uwe Hassbecker, Multi-Instrumentalist und seit vielen Jahren als Gitarrist auch das Gesicht der Band Silly, sowie Dieter Birr, dem ehemaligen Sänger der Puhdys, der von allen "Maschine" genannt wird und zweifelsohne als lebende Rocklegende bezeichnet werden darf.

Sehr zur Freude des Publikums hatte sich an diesem Abend auch Wolfgang Niedecken mitten in seiner Sommertour mit BAP einen kleinen Solo-Abstecher zum Kloster Banz erlaubt. Doch "solo" blieb er auf der Bühne gar nicht mal so lange, sondern feierte schließlich mit seinen Freunden Hannes Ringlstetter, Werner Schmidbauer, Martin Kälberer und Pippo Pollina ein interkulturelles Musikfest in kölsch-bayrisch-sizilianischer Manier. Davon blieb zuletzt noch das außergewöhnliche Trio aus Schmidbauer, Kälberer und Pollina übrig. Und obwohl es bereits weit nach Mitternacht war, feierten die drei Vollblutmusiker das Leben und beschworen die Leichtigkeit und Lebendigkeit des Südens wieder herauf. Sie nahmen die Menge dorthin mit, "wo die Sonne wohnt", und ließen dem südländischen Frohsinn voll und ganz seinen Lauf.

Musikmacher von morgen

Die Lieder auf Banz wären nicht das, was sie sind, wenn sie nicht auch jungen Künstlerinnen und Künstlern die Gelegenheit geben würden, neben etablierten Größen aufzutreten. Bereits am Vorabend des Festivals hatten sich die Preisträger des Nachwuchswettbewerbs der Hanns-Seidel-Stiftung in feierlichem Rahmen vor rund 400 Gästen präsentiert. Und dann standen sie vor zehnmal so vielen Zuschauern auf der Freilichtbühne und begeisterten mit außergewöhnlichem Sound, bissiger Satire und hintergründiger Komik.

Hier verzückte zunächst Christin Henkel in Begleitung des Cellisten Juri Kannheißer die Zuschauer mit humorvoller Poesie und allerlei Gemeinheiten. Überarbeiteten Managern ging es dabei ebenso an den Kragen wie den vermeintlichen Freuden des Elternseins. Von Satire versteht auch Lennart Schilgen so einiges. Der Musik-Kabarettist wurde in diesem Jahr bereits mit dem renommierten Jurypreis des Prix Pantheon ausgezeichnet und gab auf der Bühne einen Auszug seiner "Lieder vom Schwarzmalen und Schönfärben" zum Besten. Und schließlich nahmen sechs Jungs aus Wien das Publikum mit auf eine musikalische Reise. Klanggewaltig erzeugten Belle Fin eine Mischung aus Groove, Jazz, Reggae und Latin-Elementen, und ließen das Ganze so geschickt mit dem Wienerlied verschmelzen, dass ein melancholisch-mitreißender Sound entstand, der tief ins Mark ging.

Atemlose Spontaneität und Menschlichkeit

Dank Viva Voce hätten auch die Umbaupausen kurzweiliger nicht sein können. Ob Geburtstagsständchen oder Reggae- und Oper-Interpretationen von Helene Fischers "Atemlos" - das fünfköpfige A-cappella-Ensemble bewies durch den Abend hindurch, wie wunderbar Spontaneität doch sein kann. Für einen ganz außergewöhnlichen Moment sorgten sie, als sie Wolfgang aus dem Publikum zu sich holten. Sie hatten ihn tags zuvor erst kennengelernt, als er mit seiner Gitarre auf einer Parkbank auf dem Klosterberg spielte, und dann spontan entschlossen, ihm fünf Minuten Bühnenzeit zu schenken. Da stand er nun, vor 4000 Leuten, und erhielt für seine Darbietung von "Nein, ich lass dich nicht allein" von Reinhard Mey Standing Ovations. Auch das sind Geschichten, die Banz schreibt.

Wenngleich das Musikalische ganz klar im Vordergrund an diesem Sommerabend stand, so ließen es sich einige Künstler nicht nehmen, auch die aktuelle politische Lage anzusprechen. Es ging gegen Populismus und für Europa. Für Menschlichkeit, Solidarität und eine Willkommenskultur. Es waren leidenschaftliche Plädoyers, die stets mit tosendem Applaus beantwortet wurden. Vielleicht ist es genau diese Einigkeit, diese Verbundenheit von Künstlern und Zuschauern, die die Faszination dieses Musikfestivals ausmacht. Ein Open Air, das in seiner Form einzigartig in Deutschland ist und sicherlich auch nächstes Jahr wieder Tausende auf die Klosterwiese locken wird - ganz im Sinne des Mottos "Ein Abend mit Freunden".

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