Stadtsteinach
Übergabe

Radio-Spende für das Heimatmuseum selbst eingeflogen

Das Heimatmuseum ist um ein Exponat reicher. Das Radiogerät "Frankonia Super" wurde einst in Stadtsteinach gebaut und kehrte nun durch eine Spende zurück.
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Ein Gerät des einst in Stadtsteinach gebauten Rundfunkempfängers "Frankonia Super" übergab Otto Künzel (Mitte) für das Heimatmuseum an Bürgermeister Roland Wolfrum. Künzel war damit selbst von Ulm zum Kulmbacher Flugplatz geflogen. Der Technik-Historiker ist in Stadtsteinach aufgewachsen und hat durch die Klassentreffen, die Marianne Hattinger (rechts) organisiert, nach wie vor Kontakte zur "alten Heimat".Klaus Klaschka
Ein Gerät des einst in Stadtsteinach gebauten Rundfunkempfängers "Frankonia Super" übergab Otto Künzel (Mitte) für das Heimatmuseum an Bürgermeister Roland Wolfrum. Künzel war damit selbst von Ulm zum Kulmbacher Flugplatz geflogen. Der Technik-Historiker ist in Stadtsteinach aufgewachsen und hat durch die Klassentreffen, die Marianne Hattinger (rechts) organisiert, nach wie vor Kontakte zur "alten Heimat".Klaus Klaschka

Höchstpersönlich eingeflogen und an Bürgermeister Roland Wolfrum für das Heimatmuseum übergeben hat Otto Künzel ein historisches Radiogerät, das einst in Stadtsteinach gebaut wurde. Das Modell "Frankonia Super" ist aus der umfangreichen Sammlung des emeritierten Professors für Technikgeschichte an der Fachhochschule Ulm, die der bald 80-jährige ehemalige Stadtsteinacher sukzessive verkleinert.

Von 1946 bis 1949 bestand in den soganannten Postbauten in Stadtsteinach (heute Salem) die "Fränkische Elektrizitäts-Gesellschaft Stadtsteinach/Ofr" (FEG). Das von der FEG hergestellte Radiogerät "Frankonia" war damals zum Preis von 495 D-Mark zu haben.

Der Bau der Gebäude war 1938 als Erholungsheim für lungenkranke Postbeamte begonnen worden; 1943 zog dort dann aber eine höchst geheime Versuchsanstalt der Reichspost ein. Nach Kriegsende gab es für deren hochqualifizierte Mitarbeiter keine Arbeit in Stadtsteinach mehr. Die meisten zogen weg.

Lediglich Erich Karheiding und Eberhard Ludwig blieben und gründeten die FEG, die aber nach dem Rückzug des Geldgebers konkurs ging - obwohl FEG mit 20 bis 30 Mitarbeitern im Monat zwischen 60 und 100 Radiogeräte herstellte. Alles in Handarbeit und bei Materialmangel. So wurden zum Beispiel benötigte Metallteile mit der Blechschere aus alten Fahrzeugtüren herausgeschnitten und an Schraubstöcken in Form gebracht. Die Gehäuse baute eine Möbelschreinerei im Erdgeschoss.

Die bei FEG hergestellten elektro- und röhrentechnischen Teile scheinen aber qualitativ hochwertig gewesen zu sein: Der Kulmbacher Autoradio-Hersteller Heucke-Gareis bezeichnete die FEG-Wickelmaschine als "technisches Wunderwerk", und die Rugendorfer Firma "Radio Wolf", die ebenfalls in geringer Stückzahl Radios baute, bezog von FEG Spulensätze und Know-how.

Nach dem Konkurs ging Karheiding zum Bayerischen Rundfunk und wurde Stationsleiter der Sendeanlage Ochsenkopf. Die Spur von Ludwig verliert sich in Stuttgart.

Spender Otto Künzel wurde 1940 im tschechischen beziehunsgweise sudetendeutschen Asch geboren und kam nach Kriegende nach Stadtsteinach, wo er aufwuchs und zur Schule ging. Durch sein Studium und seine spätere Lehr- und Forschungstätigkeit fand er seinen Lebensmittelpunkt schließlich in Ulm. Die Verbindung zu Stadtsteinach ist jedoch nie abgerissen. Insbesondere durch die regelmässigen Klassentreffen, die Marianne Hattinger in Stadtsteinach organisiert, blieb die Verbindung zur "alten Heimat" bestehen.

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