Marktschorgast
Heimatgeschichte

Als es noch Kartoffelferien gab

Rund um Marktschorgast wurden früher viele Kartoffeln angebaut. Damals hatten die Schulkinder für die Ernte sogar drei Wochen frei.
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In der Pulster Flur bauen nur noch die Walters Kartoffeln an. Der Ertrag ist heuer um die Hälfte geringer ausgefallen. Es fehlten die Niederschläge. Seit 1963 ist der Vollernter im Einsatz, den Siegfried Walter mit seinem Schlepper zieht. Seine Frau Getraud (rechts) und Bettina Seiferth lesen die Erdäpfel am Förderband aus.Bruno Preißinger
In der Pulster Flur bauen nur noch die Walters Kartoffeln an. Der Ertrag ist heuer um die Hälfte geringer ausgefallen. Es fehlten die Niederschläge. Seit 1963 ist der Vollernter im Einsatz, den Siegfried Walter mit seinem Schlepper zieht. Seine Frau Getraud (rechts) und Bettina Seiferth lesen die Erdäpfel am Förderband aus.Bruno Preißinger
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Kartoffeln sind vom Speiseplan kaum wegzudenken. Nach dieser Knolle richteten sich im 20. Jahrhundert sogar die Schulferien. Die Herbstferien waren früher als Kartoffelferien bekannt, in denen die Kinder mit aufs Feld mussten, um bei der Ernte zu helfen. Es gab nämlich früher vier Wochen Sommerferien und drei Wochen Herbstferien, die sogenannten Kartoffelferien.

Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre musste die gesamte Familie beim "Erpfllesen" zusammenhelfen, erinnert sich Anneliese Schaller. "Mit dem Kartoffelroder wurden bis zu fünf Beete auf einmal herausgeschleudert", weiß sie Schaller noch. Dann ging es los. Die Erdäpfl wurden in Körbchen gelesen. Waren sie voll, wurden die Kartoffeln in Säcke geleert, die mitten auf dem Feld standen. Diese wurden abends aufgeladen. "Zwei Mannsbilder", erzählt die Bäuerin, "fassten sich bei der Hand, legten den mit Kartoffel gefüllten Sack in die Arme und mit Schwung wurden die Säcke der Reihe nach abends auf den Mistwagen geladen und heimgefahren."

"Es war eine mühselige Arbeit", sagt die Landfrau. "Das ging gewaltig aufs Kreuz", sagt Anneliese Schaller und erzählt weiter: "Vor lauter Bücken tat einem der Rücken weh. Wenn's gar nicht mehr ging, rutschte man zwischendurch ein paar Meter auf den Knien weiter. Sehnlichst wurde die Essensträgerin erwartet". Um keine Zeit zu verlieren, wurde Mittag auf dem Feld gemacht. "Richtig aufgekocht wurde", erzählt Anneliese Schaller. Es habe mitunter Klöße, Sauerkraut und Schweinebraten gegeben. Zum Kaffee oder zur Milch ein Blech voll Streuselkuchen. Auf Kartoffelsäcke habe man sich zum Essen gesetzt.

Der Kartoffelvollernter brachte eine Erleichterung. Das Auslesen auf der Maschine war keine Arbeit für die Schulkinder. Hier brauchte es schon Helfer, die auf dem Förderband die Steine und sonstigen Unrat von den Kartoffeln trennten. Somit waren auch die Kartoffelferien im Herbst nicht mehr nötig (Heute gibt es nach den sechswöchigen Sommerferien um Allerheiligen noch eine Woche Herbstferien.)

Kartoffelferien wären heute in Marktschorgast auch deshalb gar nicht mehr nötig, weil man in der Marktschorgaster Flur weit und breit vergeblich diese Knolle sucht. Da sah es vor 135 Jahren noch ganz anders aus.

Der Lehrer, Organist und Gemeindeschreiber Konrad Schramm hat es 1884 in der "Beschreibung der Gemeinde Markt-Schorgast" laut einer statistischen Erhebung aus dem September 1883 niedergeschrieben, was auf den Feldern an Hackfrüchten angebaut wurde: Kartoffel 81 Hektar, Runkelrübe acht Hektar, Weiße Rübe ein Hektar und Kohlrüben 16 Hektar.

Selbst in den 40er beziehungsweise 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden in Marktschorgast noch viele Kartoffeln angebaut. Manch einer wird sich noch daran erinnern, was Herbert Lauterbach erzählte: "In den Jahren 1947 bis 1949 mussten wir Schüler während der Schulzeit bei schönem Wetter Kartoffelkäfer und rote Larven auf dem Acker des Bauern Johann Adam Sack suchen. Für uns war das eine Abwechslung und eine Gaudi. Dafür gab's dann vom Bauern ein Stück Brot und Milch. Der Herr Lehrer bekam natürlich eine bessere Brotzeit in der Bauernküche."

Diese Zeiten sind vorbei und mit ihnen auch die drei Wochen Kartoffelferien, die wohl um diese Zeit jetzt stattfinden würden. Ein kleiner Trost nach einer Woche Schule: in nicht einmal ganz sechs Wochen gibt es eine Woche Herbstferien.

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