Kronach
Wirtschaft

Loewe: Bieter sprechen über Interessen - Zukunft wird konkreter

In wessen Hände der Markenname und die Werte der Kronacher Firma Loewe wandern werden, steht noch in den Sternen. Doch es gibt Bewegung in der Bieterrunde.
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Die Produktion bei Loewe in Kronach steht still, die Mitarbeiter sind entlassen. Könnte sich nach einem Verkauf doch wieder etwas im Werk bewegen? Neben Hisense spricht nun auch Mitbieter Skytec über seine Absichten. Foto: Archiv/Marco Meißner
Die Produktion bei Loewe in Kronach steht still, die Mitarbeiter sind entlassen. Könnte sich nach einem Verkauf doch wieder etwas im Werk bewegen? Neben Hisense spricht nun auch Mitbieter Skytec über seine Absichten. Foto: Archiv/Marco Meißner

Was wird aus dem, was vom Traditionsunternehmen Loewe in Kronach heute noch übrig ist? Die Entscheidung steht weiter aus. Nachdem vergangene Woche in der Gläubigerversammlung doch keine Lösung für einen Verkauf verkündet worden ist und sich auch Marken-Eigentümer Riverrock bisher nicht zu einer Entscheidung zur Zukunft der Namensrechte erklärt hat, wird am Donnerstag (5. Oktober 2019) in der Staatskanzlei in München mit Vertretern von Hisense über deren Interesse an Loewe diskutiert.

Traditionsunternehmen Loewe: Entscheidungen stehen an

Gleichzeitig ist Mitbieter Skytec mit seinem aktuellen Angebot öffentlich geworden. Und ein Teilbereich von Loewe hat inzwischen einen neuen Besitzer gefunden, Dr. Schneider aus Neuses.

"Macht man für alle Zeiten das Buch für Kronach zu oder nutzt man noch einmal die Chance?!", fragt Bundestagsabgeordneter Hans Michelbach (CSU) eindringlich vor den Tagen der Entscheidung. Jetzt müssten alle Angebote genau abgewägt werden, wenn Loewe nicht endgültig aus der Kronacher Unternehmenslandschaft verschwinden soll.

Deshalb wird es am Donnerstag das Gespräch in der Münchner Staatskanzlei geben, bei der Interessent Hisense seine Karten auf den Tisch legen und über Möglichkeiten eines Einstiegs beim TV-Gerätehersteller diskutieren wird. Dabei geht es zudem um eine mögliche Unterstützung durch den Freistaat bei diesem Vorhaben.

Michelbach, der schon vergangene Woche die Qualität des Angebots von Hisense untermauert hat (inFranken.de berichtete), sieht in dem chinesischen Konzern weiter eine Perspektive bietende Option für den Fortbestand von Loewe in der Cranach-Stadt. "Wenn so ein Unternehmen an einen Ort kommt, dann kann das eine das andere ergeben", meint er. Das habe sich schon bei vergleichbaren Investitionen von Hisense gezeigt und spiegele sich auch in den konkreten Überlegungen zum Standort Kronach wider, wo ja produziert und geforscht werden soll.

Loewe: Investiert ein Unternehmen mit Sitz in Zypern?

Nachdem Hisense bereits öffentlich Farbe zu seinem Angebot bekannt hat, trat nun überraschend auch Mitbieter Skytec auf den Plan. Der nach eigenen Angaben "international tätige Investor, der sich auf die Bereiche Unterhaltungselektronik und IT spezialisiert hat", hat seine Wurzeln in der Slowakei sowie in Zypern. Im Jahr 2016 schloss Skytec eine strategische Partnerschaft mit dem Elektronikhersteller Sharp, mit dem gemeinsam die in Polen ansässige UMC-Gruppe geführt wird. Diese soll die Designs, die Herstellung und den Vertrieb von Sharp-Fernsehern vorantreiben, wie die Walder Wyss AG als Berater von Skytec auf ihrer Homepage mitteilt.

Großes Versprechen von Skytec: Loewe-Mitarbeiter mit Schlüssselpositionen

Mit Blick auf das Skytec-Angebot, stechen Parallelen zu den Hisense-Überlegungen aus der Vorwoche ins Auge, die so bislang noch nicht an die Öffentlichkeit gelangt waren. Zuletzt war die Befürchtung zu hören, Skytec könnte sich in Kronach die Marke und die Gerätschaften sichern, um dann mit seinem Partner in Polen produzieren zu lassen. Ob dieses Szenario tatsächlich vom Tisch ist, lässt sich zurzeit nicht nachvollziehen. Allerdings ist in der Stellungnahme des Unternehmens auf dem Presseportal die Rede davon, dass Skytec nicht nur eine Rettung von Loewe plane, sondern "mit der traditionsreichen Marke zu den weltweit führenden Unternehmen dieses Segments" aufschließen möchte.

CEO Vladislav Khabliev wird mit den Worten zitiert: "Wir betrachten es als großes Privileg, gemeinsam ein neues Kapitel in der Erfolgsgeschichte von Loewe zu schreiben und Loewe als eine der global führenden Marken zu etablieren."

Dabei wird explizit auf einen Platz unter den Herstellern im Premium-Segment hingewiesen und darauf, dass das Sortiment nicht nur Fernseher umfassen soll. Ähnlich, wie es bislang nur von Hisense bekannt war, heißt es nun auch bei Skytec, dass es beim Besitzerwechsel nicht bloß um den Markennamen gehen solle. "Mehr als 30 Loewe-Mitarbeiter sollen wichtige Schlüsselpositionen in diesem neuen und spannenden Projekt besetzen", verspricht Khabliev in seiner Stellungnahme bei Presseportal.

Die wichtigste Entscheidung: Was passiert mit dem Namen?

Doch wann wird nun endlich die seit Wochen, ja Monaten erhoffte Entscheidung über den Namen "Loewe" und die verbliebenen Werte des Unternehmens fallen? Das Büro von Insolvenzverwalter Rüdiger Weiß stellt fest, dass weiter auf einen Abschluss des Verfahrens bis zum Jahresende gehofft wird. Allerdings sieht sich Weiß selbst in einer Warteschleife. Wie sein Büro feststellt, hängt der weitere Fortschritt im Wesentlichen von Riverrock ab, das die Rechte am Firmennamen hält. Zu wem diese Rechte wechseln werden, ist noch nicht bekannt. Und "das Hauptkaufinteresse ist natürlich die Marke. Die übrigen Dinge werden von der Marke mitgezogen."

Michelbach warnt in dieser Hinsicht alle Beteiligten davor, sich von Investment-Gesellschaften vor den Karren spannen zu lassen und eine Preistreiberei zu forcieren. Für Kronach und die Zukunft von Loewe stehe zu viel auf dem Spiel: "Wenn die Marke in die falschen Hände kommt und verramscht wird, ist sie für allemal tot."

Nach Insolvenz: Neue Heimat für EMS-Anlagen

Ein kleiner Teil von Loewe hat am Montag eine neue unternehmerische Heimat gefunden. Dabei handelt es sich um den Bereich der EMS-Anlagen. Dieser wird vom Automobilzulieferer Dr. Schneider aus Neuses übernommen.

Die EMS (Electronic Manufacturing Services), also die Produktion elektronischer Komponenten, und damit zusammenhängend das zugehörige Prüfequipment (EMV) sollen das "Produktportfolio deutlich bereichern und Dr. Schneider wettbewerbsfähiger machen", erwartet sich Geschäftsführer Wilhelm Wirth einen Schub von dem Zukauf, der seit Sommer diskutiert, in den vergangenen zwei Wochen forciert und zu Wochenbeginn besiegelt wurde.

Wirth erklärt, dass Dr. Schneider zwar ein "reinrassiger Kunststoffmodul-Hersteller" sei, doch auch in diesem Sektor werde die Einarbeitung von Elektronikbauteilen heute von den Kunden immer mehr erwartet. Solche Bauteile müssten bislang ausnahmslos zugekauft werden. Das solle sich nun ändern. Bereits vor der Loewe-Insolvenz sei in Neuses an einem so genannten Business-Case gearbeitet worden, sich bei den EMS auf die eigenen Füße zu stellen. Die Entwicklung in Kronach habe diese Überlegungen konkret werden lassen. In einem hervorragend verlaufenen Bieterprozess habe Dr. Schneider den Zuschlag bekommen.

Jetzt schon über Personalzahlen für die neue Abteilung zu reden, hält Wirth für unseriös. Erst einmal müssten die Überlegungen für die neue Abteilung konkret in die Zukunftsplanungen des Gesamtunternehmens eingebettet werden. Zwei Dinge räumt Wirth jedoch ein. Zum einen würde er sich über Bewerbungen von früheren Loewe-Mitarbeitern freuen, zum anderen möchte er am liebsten den Standort auf dem Loewe-Gelände beibehalten. In dieser Hinsicht werden nun Gespräche mit der Stadt aufgenommen.

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