Kronach
Wirtschaft

TV-Hersteller Loewe: Fertigung wird teilweise verkauft- Bleibt der Standort Kronach?

Die erste Entscheidung ist gefallen: Die Gläubiger des insolventen Kronacher TV-Herstellers Loewe einigten sich am gestrigen Dienstag darauf, die sogenannte EMS-Fertigung zu verkaufen. Auf eine andere wichtige Frage gab es hingegen noch keine endgültige Antwort.
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Noch ist offen, welcher Investor künftig hinter der Marke Loewe stehen wird. Foto: Archiv/Teresa Hirschberg
Noch ist offen, welcher Investor künftig hinter der Marke Loewe stehen wird. Foto: Archiv/Teresa Hirschberg

Die Marke Loewe bleibt am Leben. Soviel steht seit vergangener Woche fest. Die entscheidende Frage ist jedoch eine völlig andere: Gilt dasselbe auch für den Standort Kronach? Eine Antwort darauf hätte es auf dem gestern in der Kreisstadt stattfindenden Ausschuss der Loewe-Gläubiger geben können. Eine Antwort, die noch immer nicht gefunden ist.

Die Zukunft der wesentlichen Unternehmensteile, des Markennamens und der Fernsehgerätefertigung sei weiterhin offen, sagte Insolvenzverwalter Rüdiger Weiß nach der Sitzung der Deutschen Presse-Agentur. Es sei lediglich eine erste Teileinigung erzielt worden. Demnach hätten sich die Gläubiger dazu entschieden, die sogenannten EMS-Fertigung zu verkaufen - also nur einen kleinen Teil des Loewe-Gesamtkomplexes.

Bis zu 20 Arbeitsplätze möglich

In dem nun bald verkauften Fertigungsbereich nahm Loewe vor seiner Insolvenz technologische Auftragsarbeiten für Fremdfirmen vor. Wer der Erwerber sein wird und zu welchem Preis der Unternehmensteil verkauft werden soll, sagte Weiß jedoch nicht. Darüber sei zunächst Stillschweigen vereinbart worden. Der Käufer habe bis zu 20 Arbeitsplätze in Aussicht gestellt, gehe aber in dieser Hinsicht keine Verpflichtung ein.

Unklar ist weiterhin die Zukunft der Marke und der Fertigungsanlagen für die Fernsehproduktion. Hier müssten die Interessenten ihre Angebote nachschärfen, sagte der Insolvenzverwalter. Er hoffe auf eine Lösung noch vor Weihnachten. Zudem gebe es weiterhin "mehr als zwei" Interessenten. Darunter seien sowohl Bewerber, die am Produktionsstandort Kronach festhalten wollen, als auch jene, die in erster Linie am Markennamen Loewe interessiert sind.

Schafft Schaeffler neue Arbeitsplätze?

Offen ist, um welche weiteren Unternehmen es sich dabei handelt. Medienberichten zufolge hatte der fränkische Autozulieferer Schaeffler sein Interesse hinterlegt, in Kronach bis zu 500 Arbeitsplätze zu schaffen. Von diesen Plänen scheint das Unternehmen aber wieder Abstand genommen zu haben.

Der Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach (CSU) sprach zuletzt hingegen von lediglich zwei Interessenten: Vergangenen Freitag teilte er auf einem Pressegespräch unter anderem mit, dass die Entscheidung nicht nur nah sei, sondern auch zwischen einem nicht genauer genannten polnischen Investor und dem chinesischen Elektronikkonzern Hisense falle.

Hisense gehörte schon 2013 bei der vergangenen Loewe-Insolvenz zu den Interessenten und war einer der größten Lieferanten für das Kronacher Traditionsunternehmen. Laut Michelbach plant Hisense, seine Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Düsseldorf in die Lucas-Cranach-Stadt zu verlegen und dort die Produktion in kleinerer Form wieder aufzunehmen.

Der polnische Interessent sei hingegen nur an der Marke, nicht aber an einem Produktionsstandort Kronach interessiert. Dennoch scheint dessen Angebot beim britischen Finanzinvestor Riverrock auf deutlich größeres Interesse zu stoßen. "Bisher hatte der Insolvenzverwalter mit Riverrock dem polnischen Bewerber Exklusivität geben wollen. Das heißt: Die wollten mit Hisense gar nicht mehr verhandeln", sagte Michelbach am Dienstag im Gespräch mit unserer Redaktion.

Appell an die Vernunft

Er habe Hisense allerdings gebeten, noch einmal ein deutlich verbessertes Angebot abzugeben. Das sei dann kurz vor Beginn des Gläubigerausschusses auch passiert. Ein Schachzug, der dazu führen könnte, dass Hisense weiterhin im Bieterrennen mitmischen darf. "Die Chinesen sind etwas zurückhaltend, was die Gebote angeht, weil sie Sorge haben, in einen Bieterstrudel hineingezogen zu werden", erklärt Michelbach.

Das Unternehmen befürchte, nur weitere "Stöckchen" vor die Füße geworfen zu bekommen, damit der Preis für Loewe weiter steigt. Sehr zur Freunde von Riverrock, das die verpfändeten Markenrechte hält, und den weiteren Gläubigern. Nun bleibe nichts weiter übrig, als an die Vernunft der Gläubiger zu appellieren, betont Michelbach. Beim Team der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC, das mit der Investorensuche beauftragt wurde, habe er telefonisch noch einmal verdeutlicht, dass die Politik kein Interesse daran habe, eine Lösung anzustreben, die am Standort Kronach vorbeigeht. "Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber das ist das Einzige, was man jetzt noch machen kann!" Denn PwC wird laut Michelbach den Gläubigern zwar Hisense empfehlen, könne aber eben nur beraten.

Der vermutlich letzte Trumpf im Ärmel der Politik scheint eine finanzielle Förderung des Hisense-Angebots durch die bayerische Landesregierung zu sein. In einem Schreiben an Michelbach, das unserer Redaktion vorliegt, bittet Hisense, um eine Ansiedlungsförderung in Höhe von drei Millionen Euro durch die Landesregierung oder die Stadt Kronach. Der Betrag werde benötigt, um zu erwartende Anlaufschwierigkeiten zu Beginn eines möglichen Engagements auffangen zu können.

Am 5. Dezember könne in München ein Gespräch zwischen Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Investoren stattfinden, die am Standort Kronach festhalten wollen, so Michelbach. Die neue Frage ist nur: Ist die Entscheidung über die Zukunft von Loewe bis dahin überhaupt noch offen? mit dpa

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