Risse, Löcher, kleine und große Unebenheiten, Grasnarben: Der Flurbereinigungsweg, der bei Markt Einersheim in die Kreisstraße mündet, ist in einem erbärmlichen Zustand. Weder Unterbau noch Breite sind den Fahrzeugen der modernen Landwirtschaft gewachsen. Im Zuge des Projektes „Kernwegenetz“ soll sich das ändern.

Markt Einersheim gehört zur Kommunalen Allianz 7/22 Südost. Gemeinsam versuchen sieben Gemeinden, Probleme wie drohenden Leerstand anzugehen und sich für die Zukunft zu rüsten. Das Kernwegenetz ist eines der Projekte, die sicjh Iphofen, Mainbernheim, Markt Einersheim, Martinsheim, Rödelsee, Seinsheim und Willanzheim vorgenommen haben. Ziel ist es, die landwirtschaftlichen Wege zu vernetzen und den technischen Anforderungen anzupassen. Vorteil des gemeinsamen Vorgehens: Die Planung hört nicht an der Gemeindegrenze auf und es gibt Zuschüsse für den Bau der Wege.

Interkommunales Wegenetz

Die holprige Piste nahe Markt Einersheim wird nicht nur von den Landwirten wie BBV-Ortsobmann Wolfgang Schuchard und Bürgermeister Herbert Volkamer genutzt. Auch die Kollegen der Iphöfer Ortsteile fahren dort zu ihren Feldern. Possenheimer beispielsweise, Hellmitzheimer und Mönchsondheimer.

Der Weg wurde etwa 1960 gebaut, als in Markt Einersheim die Flurbereinigung stattfand. Während sich seitdem mit den Wegen nichts getan hat, verlief die Entwicklung der landwirtschaftlichen Fahrzeuge rasant. Größer sind sie, breiter und schwerer. „Einen Mähdrescher unter 3,20 oder 3,40 Meter Breite gibt es heute gar nicht mehr“, sagt Wolfgang Schuchard. Der zur KT1 führende Weg ist, wie viele andere, dafür viel zu schmal. Dazu kommt das Problem mit dem Unterbau. Von 5,5 Tonnen Achslast, auf die so mancher Weg früher beschränkt war, kann längst keine Rede mehr sein – beispielsweise bei der Zuckerrübenernte. Und tatsächlich: Direkt neben dem desolaten Weg wachsen sie und müssen damit auch abgeholt werden. Auf vielen anderen Äckern können die Landwirte längst keine Rüben mehr anbauen, sagt Wolfgang Schuchard, eben weil eine Abfuhr nicht möglich ist.

„Es wäre wichtig, die zwei Verbindungswege zur KT1 auszubauen“, sagt Bürgermeister Herbert Volkamer. Darüber habe auch Einigkeit bestanden, als vor einigen Wochen in Vorbereitungstreffen über das Kernwegenetz in der Allianz beraten wurde. In drei Ortsworkshops in Seinsheim, Markt Einersheim und Mainbernheim haben sich Vertreter der Landwirtschaft und der Kommunen den Entwurf für ein Kernwegenetz angesehen. Mit dabei waren die Ortsobmänner, teilweise Vertreter von Jagd und Weinbau, außerdem Bürgermeister, Gemeinderäte und Verwaltungen und Planungsbüros.

„Diese Beteiligung ist sehr wichtig“, betont die Managerin der Allianz, Claudia Hebert. Sie stelle sicher, dass das Konzept der Planer und Fachbehörden auch mit den Bedürfnissen und Nutzungen der Landwirtschaft übereinstimmt. Bis Gemeinderäte über das Konzept entscheiden können, wird noch einige Zeit vergehen, Wege müssen festgelegt, Kosten ermittelt werden.

Wie Herbert Volkamer ist auch sein Martinsheimer Bürgermeister-Kollege Rainer Ott Landwirt. Auch ihm bereiten die großen Maschinen und zunehmenden Tonnagen Kopfzerbrechen: „Es ist ärgerlich, wenn die Betonwege durch die schweren Fahrzeuge beschädigt werden.“ Das Kernwegenetz hält er für sehr wichtig, weiß aber auch, dass Kosten auf Gemeinden zukommen. Das Konzept sieht eine Ausbaubreite von mindestens 3,50 Metern für die Wege vor, Randstreifen und Wegseitengraben kommen hinzu. Insgesamt ist von acht Metern Breite die Rede. Der Grunderwerb ist nicht billig, auch wenn es eine Förderung gibt. Zudem stellt sich die Frage, ob alle Landwirte bereit sind, Teile ihrer Äcker zur Verfügung zu stellen.

Kritische Punkte entschärfen

Ziel des Kernwegenetzes ist aber nicht nur, die Wege für die Maschinen auszubauen. Es geht auch darum, kleinere Orte besser zu erreichen und die Flur besser zu erschließen. Und was für alle Bürger wichtig ist: Gibt es ein gut ausgebautes Kernwegenetz, können Großmaschinen von öffentlichen Straßen ferngehalten werden. Das ermöglicht auch, neuralgische Stellen zu entschärfen. Den Berg und die engen Straßen in Unterickelsheim nennt Bürgermeister Rainer Ott da für seine Gemeinde, und vor allem die Kreuzung an der Kreisstraße in Enheim.