Aisch
Fußball

Die hässliche Seite des Fußballs: Angriff auf Schiedsrichter in Aisch sorgt für Fassungslosigkeit

Ein Schiedsrichter wird in einem bedeutungslosen B-Klassen-Spiel im Kreis Erlangen/Pegnitzgrund attackiert. Die Folge: Notarzteinsatz und Spielabbruch. Der Schock bei den Beteiligten sitzt tief.
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Ein Fußballspiel wollte der Fotograf des Fränkischen Tags beim SC Hertha Aisch fotografieren, in der 78. Minute verließ er einen Tatort. Die Gastgeber leisteten dem Schiedsrichter Erste Hilfe, nachdem dieser von einem Jahn-Spieler zu Boden geschubst worden war. Foto: Picturedreams
Ein Fußballspiel wollte der Fotograf des Fränkischen Tags beim SC Hertha Aisch fotografieren, in der 78. Minute verließ er einen Tatort. Die Gastgeber leisteten dem Schiedsrichter Erste Hilfe, nachdem dieser von einem Jahn-Spieler zu Boden geschubst worden war. Foto: Picturedreams
Einige Partien der Fußball-B-Klassen im Kreis Erlangen/Pegnitzgrund werden aus Schiedsrichtermangel nicht mehr mit Unparteiischen besetzt. Ein Vorfall aus der Zweier-Staffel wird sicher nicht dazu beitragen, dass sich mehr Nachwuchs-Referees finden. Gewalt gegen Schiedsrichter ist ein allgegenwärtiges Thema - wie der Vorfall am Sonntag belegt.

SC Hertha Aisch gegen Jahn Forchheim II, es läuft die 75. Minute. Weil ein Gäste-Akteur vom Schiedsrichter die Gelb-Rote Karte bekommen sollte, brannten dem Forchheimer die Sicherungen durch. Er beleidigte den Referee. Als dieser deswegen glatt Rot zeigen wollte, stieß ihn der Spieler wuchtig mit beiden Händen gegen den Oberkörper. Der 70-Jährige stürzte zu Boden, schlug mit dem Hinterkopf auf den harten B-Platz und war kurzzeitig bewusstlos, wie der Vorfall von Beteiligten vor Ort geschildert wurde. Betreuer und Spieler der Heimelf leisteten Erste Hilfe, wenig später trafen Krankenwagen und Polizei ein. Die Partie wurde abgebrochen. Aisch führte zu diesem Zeitpunkt mit 1:0.


In dem Spiel ging es um nichts mehr

Es war ein Spiel, in dem es eigentlich um nichts mehr ging, für beide Mannschaften ist der Zug nach oben bereits abgefahren. Umso erschreckender war das Ende. Inzwischen geht es Paul Hennemann, der für den SV Sambach pfeift, den Umständen entsprechend gut.


"Nicht zu tolerieren" - Forchheim suspendiert Spieler

Uwe Schüttinger, Forchheims Sportvorstand und Trainer der Reserve in Personalunion, liegt der Schock über das Vorgefallene noch in der Stimme: "Mir fehlen die Worte. Es ist beschämend und nicht zu tolerieren, was sich der Spieler geleistet hat. Wir haben ihn suspendiert, er wird nie wieder das Jahn-Trikot tragen. Für eine solche Aktion fehlt mir jedes Verständnis. Egal wie frustriert man ist, man darf keinen Menschen schlagen."

Lange Zeit hatte sich nicht angedeutet, dass die Partie dieses unschöne Ende nehmen würde. Es war kein böses Blut im Spiel, die Akteure auf dem Feld seien auch nach Zweikämpfen respektvoll miteinander umgegangen, wie Schüttinger berichtet. Forchheim hatte bis zur Pause allerdings schon sechs Gelbe Karten gesehen, Aisch dagegen noch keine. Nachzuvollziehen war das aus Jahn-Sicht nicht.


Spielleitung des Referees unglücklich?

Schüttinger spielte sogar mit dem Gedanken, zur zweiten Halbzeit nicht mehr anzutreten. "Ich wollte meine Spieler vor Roten Karten und womöglich langen Sperren schützen. Dass einer von uns so austickt, damit hatte ich nicht gerechnet. Zum Zeitpunkt des Abbruchs waren wir nur noch zu zehnt, weil Dominik Friedrich in der 60. Minute mit Gelb-Rot vom Platz musste. Er hatte den Schiedsrichter - sicherlich lautstark - darauf hingewiesen, dass ein Spieler verletzt am Platz lag", erzählt Schüttinger.
Die Spielleitung des Referees mag unglücklich gewesen sein, der folgende Gewaltakt hätte dennoch niemals passieren dürfen. "Vielleicht sehen es die jungen Spieler als abschreckendes Beispiel. Man muss sich im Griff haben, im Beruf wie im Sport braucht es Beherrschung. Ich kann nicht jemanden tätlich angehen, nur weil ich ungerecht behandelt wurde", sagt der Funktionär: "Wir als Verein werden uns beim Schiedsrichter und bei Hertha Aisch entschuldigen und unser Bedauern mitteilen. Der Imageschaden ist durch so ein Verhalten enorm, ich kann das Geschehene leider nicht rückgängig machen."


Das sagt der Schiedsrichter

Paul Hennemann, der seit 40 Jahren pfeift und trotz Anraten der Polizei auf eine Behandlung im Krankenhaus verzichtete, sagte gegenüber anpfiff.info: "Die Forchheimer haben sich das ganze Spiel über daneben benommen, deshalb musste ich ihnen acht Gelbe und eine Gelb-Rote Karte geben." Die Szene, die zum Abbruch führte, schildert der 70-Jährige so: "Als ich ihm für ein Foul die Gelb-Rote Karte zeigen wollte, wurde ich von ihm beschimpft, deshalb wollte ich ihn mit glatt Rot vom Platz schicken. Daraufhin hat er mich bedroht: Wenn ich ihm die Rote Karte zeige, haut er mich um. Und ehe ich mich versah, hat er mir gegen die Brust gehauen und ich bin nach hinten umgefallen. Als ich wieder zu mir gekommen bin, waren Polizei und Krankenwagen vor Ort. Im Moment habe ich noch starke Schmerzen. Außerdem habe ich Strafanzeige gestellt. Ich hoffe, der Spieler bekommt eine angemessene Strafe. Bei solch einem Vergehen braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Schiedsrichter immer weniger werden."

Die Polizei bestätigte den Eingang der Anzeige. Der Beschuldigte wollte sich wegen des laufenden Verfahrens nicht zum Vorfall äußern. Herthas Abteilungsleiter Steffen Habermann, der selbst auf dem Platz stand, räumte ein, dass Hennemann etwas kleinlich und teilweise pro Aisch gepfiffen habe, zeigte für den Ausraster des Jahn-Akteurs aber ebenfalls kein Verständnis. tsc/rup/red
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