Neunkirchen am Brand
Restaurierung

Felix-Müller-Kreuz in Forth restauriert

Weil die Gläubigen durch das Gesicht des leidenden Jesus verstört waren, verstaubte ein Felix-Müller-Kruzifix hinter einer Orgelempore.
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Die beiden Restauratorinnen Jutta Minor und Cornelia Patterson beim Retuschieren Foto Petra Malbrich
Die beiden Restauratorinnen Jutta Minor und Cornelia Patterson beim Retuschieren Foto Petra Malbrich
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Ein tiefer, breiter Riss durchzieht Jesu Lendenschutz. Es ist nicht der einzige Riss in dem 2,20 Meter hohen und 2,80 Meter breiten Felix-Müller-Korpus, der im Foyer des katholischen Pfarramts in Forth (Kreis Erlangen-Höchstadt) hängt. Das vom Bistum Bamberg auf einen Wert von 10.000 Euro geschätzte Kreuz des Künstlers Felix Müller (1904 - 1997) aus Neunkirchen am Brand , ein Unikat und unverkäuflich, hing nach Erhalt in der Apside. Die Gläubigen fühlten sich damals wohl vom Ausdruck des am Kreuz leidenden Christus verstört. Es musste abgenommen werden, der Pfarrer wurde versetzt und die Statue jahrelang hinter dem Orgelprospekt auf der Kirchenempore versteckt.

Neubau 1970

Erst mit dem Neubau 1970 wurde die Statue ins Foyer des neuen Pfarrzentrums geholt und hängt dort, jedoch ohne das ursprüngliche rote Kreuz. Für die 1300 Euro günstige Restaurierung fehlte trotzdem immer das Geld. Durch einen Zuschuss vom Dommuseum Bamberg, durch das Felix-Müller-Museum in Neunkirchen am Brand und durch die Raiffeisenbank Gräfenberg-Forchheim-Eschenau-Heroldsberg war es nun endlich möglich, das Kruzifix restaurieren zu lassen.

Viele Risse

"Es sind viele Risse in der Skulptur. Sie bleiben. Sie können nicht mehr zurückgeleimt werden", sagt Jutta Minor. Die Restauratorin und ihre Kollegin Cornelia Patterson haben eine Werkstattgemeinschaft in Forchheim und restaurierten die Felix-Müller-Statue in Forth. Am aufgerissenen Korpus konnten sie nichts mehr richten. Die Risse sind Trocknungsrisse. Das Holz ist durch zu trockene Luft aufgerissen, vielleicht war das Holz auch nicht gut abgelagert, nennen die beiden Restauratorinnen Gründe dafür. Die Risse zu schließen habe auch wenig Sinn, da Holz immer arbeite. Gestoppt werden können dies durch ein stabiles Raumklima. Ihre eigentliche Aufgabe bestand aus dem Retuschieren. Auf den ersten Blick lenken die tiefen Holzrisse in dem Christuskorpus von dem eigentlichen Makel ab: den Fehlstellen an der Figur. "Es ist substanzgefährdet", erklärt Minor. Bei mehr als der Hälfte der Statue fehlt die Farbe. Diese ist abgeblättert. Am grünen Gewand wurde schon viel retuschiert, also schon viel Farbe erneuert. Die Christus-Statue wurde während der Zeit der Restaurierung mit einem Strahler beleuchtet. "Es ist Tageslicht. Das lässt die Farben am realistischen erscheinen", sagt Patterson.

Fertige Tubenfarbe

Die beiden Frauen verwendeten fertige Tubenfarbe. Die einzelnen Farbtöne mischten sie für jede Fehlstelle und retuschierten dann. Zuvor war die Statue mit einem Pinsel und einem Feuchtschwamm gereinigt worden. "Der Schwamm ist nebelfeucht. Er saugt den Schmutz auf", erklärt Minor. Gelockerte Teile der Fassung - das ist die Bemalung - wurden mit Hautleim geklebt. 50 Stunden waren die beiden Frauen mit diesen Arbeitsgängen an dem Felix-Müller-Kruzifix aus Nadelholz aus dem Jahre 1937 beschäftigt.

Typisch für Müller

Es ist anders als die Kreuze, die üblicherweise in Gotteshäusern hängen. Aber: "Es ist typisch Felix Müller und es ist typisch für den Expressionismus", erklärt Jutta Minor. Außergewöhnlich wirkte es auf die Menschen, weil der Expressionismus stark von der afrikanischen Kunst beeinflusst ist. "Man sieht es am Gesichtsausdruck", sagt Minor. Dieser ist maskenhaft. Auffallend ist die konkav nach innen gebogene Form des Gesichts. Die wulstigen Lippen und übergroße Augen erinnern an afrikanische Masken. Die eiserne Krone mit dem geflochtenen Band zeichnet den Erlöser als Christkönig aus. Das Motiv des Gürtels ist auch im Lendentuch wiedergegeben. Auch weiterhin werden im Winter vor den tiefen Holzrissen Jesu die Werktagmessen gefeiert. Pfarrer Andreas Hornung interpretiert das so, dass sich Jesus für die Menschen das Herz aufreißt. Jedenfalls ist in der Kirche selbst für die Statue nach dem Neubau kein Platz mehr. Für die Gläubigen, die sich im Foyer zum Empfang treffen oder dort Gottesdienst feiern, ist die Jesus-Statue jedoch zum Beschützer geworden.

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