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Region Forchheim: Büchereien punkten mit E-Books

Elektronische Bücher und die dazu nötigen E-Book-Reader erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Das ist eine Herausforderung für die Büchereien.
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Gabi Bail, die Leiterin der Neunkirchner Bücherei  Foto: Petra Malbrich
Gabi Bail, die Leiterin der Neunkirchner Bücherei Foto: Petra Malbrich

Den neuen Thriller als E-Book ein paar Euro günstiger oder gar Bücher kostenlos aufladen? Das klingt verlockend - und tatsächlich werden E-Books immer beliebter. Auch in den Büchereien im Landkreis werden immer häufiger E-Books ausgeliehen. Die neue Art des Lesens ist eine Herausforderung für die Bibliotheken, das Angebot an elektronischen Büchern ist eingeschränkt.

Rund 17 000 E-Medien umfasst derzeit der Bestand der Büchereien im Landkreis. "Das E-Book ist rechtlich dem Buch nicht gleichgestellt. Das hat Auswirkungen für die Bibliotheken", sagt Doris Koschyk, die Leiterin der Stadtbücherei in Forchheim. Die Bibliotheken und somit auch die Büchereien kaufen Lizenzen für E-Books beim Verlag. Nur manche Verlage geben ihre Bücher nicht als E-Book für Bibliotheken heraus, manche können erst ein Jahr nach Erscheinen erworben werden - und diese Lizenzen müssen nach einem Jahr erneuert werden. Manche Verlage verkaufen ihre E-Books zum zweieinhalbfachen Preis. "Deshalb sind einige Bestseller nicht als E-Book da", erklärt Koschyk.

Preis-Leistungs-Sieger

Die Forchheimer Stadtbücherei gehört dem Verbund "Frankenonleihe" an, an dem weitere 22 Bibliotheken beteiligt sind. Bei den "eMedien Bayern" ist die Igensdorfer Bücherei, und dem Verbund "Leo-nord.de" gehören die Neunkirchner Marktbücherei mit 29 weiteren Büchereien an. "Jede Bücherei zahlt eine Jahresgebühr und kann auch Wünsche angeben", erklärt Leiterin Gabi Bail. Das erklärt auch, weshalb sich die zur Ausleihe angebotenen E-Books manchmal von Bücherei zu Bücherei unterscheiden.

Von dem in den Verbunden vorhandenen Etat werden dann die Lizenzen der E-Books gekauft. Doch braucht man für manche Bücher beispielsweise 22 Lizenzen, was den Etat dann schnell mindert. Das Angebot an E-Books ist deshalb wesentlich eingeschränkter als das der Printmedien. Trotzdem können die Büchereien gerade im E-Book-Sektor punkten, im Vergleich zu teuren Abos bei großen Buchhandlungen. Diese Abos, um Neuerscheinungen gleich auf dem Reader lesen oder einem Hörbuch lauschen zu können, kosten oft ungefähr zehn Euro pro Monat.

Wesentlich günstiger sind da die Büchereien, wie auch die Stiftung Warentest in ihrer Ausgabe vom Mai 2017 hervorhob. Die örtlichen Bibliotheken seien hier die klaren Preis-Leistungs-Sieger, man bekomme für eine geringe Jahresgebühr ein umfangreiches Titelangebot. "Die Bibliotheken besitzen attraktivere Titel als die viel teureren Abo-Dienste", meint Stiftung Warentest.

Beliebt bei den Älteren

Und das trotz der Schwierigkeiten, die es mit den elektronischen Büchern und den Lizenzen gibt. Zwölf Euro Jahresgebühr kostet eine Mitgliedschaft in der Neunkirchner Bücherei, 15 Euro in der Forchheimer Stadtbücherei, für Familien mit minderjährigem Kind ist es günstiger. Trotzdem gilt es aufzupassen, denn nicht auf jedem E-Book-Reader ist eine Onleihe möglich.

Amazons Kindle ist zwar Testsieger, funktioniert für die Onleihe aber nicht. "Als deutsche Bibliotheken binden wir uns nicht an Amazon", erklärt Doris Koschyk.

Man halte sich an die E-Pub-Formate, womit ein Tolino, ein Tablet oder auch das Handy als Reader und zum Hören der Hörbücher geeignet sind. Hat man auch die richtige Hardware, steht einem zeitlich und örtlich uneingeschränktem Lesevergnügen nichts im Weg.

Die Vorteile des E-Books haben inzwischen viele Bücherfreunde erkannt. So berichtet Gabi Bail, dass eine ältere Kundin weggezogen ist und seitdem E-Books ausleiht, weil sie das Angebot zu jeder Tages- und Nachtzeit nutzen kann, ohne vor Ort zu sein.

Gerade die älteren Menschen nutzen gerne E-Book-Reader. "Am Reader kann man die Schrift vergrößern, er hat Licht und man kann in den Büchern auch vor dem Einschlafen schmökern, ohne den Partner zu stören, und er ist leicht in der Hand zu halten", erzählt Doris Koschyk die Gründe, die ihre Kunden nennen. Die über 60-Jährigen sind häufig E-Book-Leser in der Forchheimer Bücherei.

Seltsamerweise sind nur wenige junge Leser an einem Reader interessiert. Kommen Schulklassen bis zur zehnten Klasse in die Bücherei, fragt Doris Koschyk, wer einen E-Book Reader nutzt. Da dies die "Handy-Generation ist", rechnet man mit vielen nach oben gestreckten Fingern. Aber: "Nur drei melden sich. In der Altersgruppe sind die E-Book Reader nicht angekommen", so Koschyk.

"Ich höre beim Putzen"

Ab 25 Jahren aufwärts lasse sich das Klientel einstufen. Die Hauptnutzer seien laut einer Umfrage die Leser zwischen 40 und 50 Jahren, erzählt Koschyk. In den Büchereien jedenfalls werde das E-Book immer beliebter, was sich an den Zahlen zeige. "Die E-Medien-Ausleihe in Neunkirchen lag im vergangenen Jahr bei 5000, die für konventionelle Medien bei 87 000", sagt Bail. 35 000 elektronische Medien wurden in Forchheim neben 256 000 Printmedien ausgeliehen.

Die beiden Leiterinnen nutzen die "Onleihe" selbst. Ob zum Lesen auf dem Tablet oder als Beiwerk zur Arbeit. "Ich höre ein Buch beim Putzen", sagt Koschyk. Lesen und gleichzeitig Hausarbeit erledigen? Mit einem konventionellen Druckerzeugnis wohl undenkbar.

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