Coburg
Basketball

Wolfgang Heyder: Der unermüdliche Macher

Nach dem Untergang der Rockets Gotha versucht der Ex-HSC-Manager, den Basketball in Erfurt weiter voranzutreiben. In der ProB kommt es zum Duell mit dem BBC
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Wolfgang Heyder: Der 61-Jährige war von März 15 bis Juni 16 Geschäftsführer des Handball-Zweitligisten HSC Coburg. Danach zog es ihn wieder in seine angestammte Domäne, dem Basketball, zurück.Christian Fischer/imago
Wolfgang Heyder: Der 61-Jährige war von März 15 bis Juni 16 Geschäftsführer des Handball-Zweitligisten HSC Coburg. Danach zog es ihn wieder in seine angestammte Domäne, dem Basketball, zurück.Christian Fischer/imago
Wofür andere Monate oder Jahre benötigen, hat der Bamberger Wolfgang Heyder mit vier weiteren Gesellschaftern in nur einer Woche geschafft: eine neue GmbH (XXL Baskets Erfurt) für Profisport gegründet, viele organisatorische Hürden genommen, Sponsorenzusagen gesammelt und am vergangenen Wochenende bei der Ligatagung der 2. Basketball-Bundesliga schließlich die angepeilte Lizenz für die ProB erhalten.

Es ist der zweite Versuch des ehemaligen Managers des HSC 2000 Coburg, Basketball in der Region Erfurt zu etablieren. Der erste Anlauf mit den Oettinger Rockets sah über zwei Jahre vielversprechend aus, endete zuletzt aber jäh. Nach dem Ausstieg des Hauptsponsors zur Jahreswende und dem sportlichen Abstieg im Mai war die Zukunft der Rockets, die zwei Profi-Lizenzen (1. Mannschaft: ProA, 2. Mannschaft: ProB) besaßen, aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen lange Zeit offen. Vor zwei Wochen fiel dann bei den Rockets die endgültige Entscheidung - gegen den Profisport und für einen Neuanfang in der 2. Regionalliga (5. Liga).

Die beiden "überschüssigen" Lizenzen wurden auf zwei andere Klubs übertragen. Die ProB-Lizenz ging dabei, wie bereits berichtet, an den BBC Coburg. Wäre es nach Heyder gegangen, würden die Coburger Korbjäger nächste Saison sogar noch eine Liga höher spielen und als Entwicklungsteam von Brose Bamberg fungieren. Der 61-Jährige spricht im Interview über die Lizenz-Verwirrungen, das neue Basketball-Derby zwischen dem BBC Coburg und Erfurt sowie die Coburger Handballer.

Herr Heyder, Sie haben vor zwei Wochen mit vier weiteren Gesellschaftern in Erfurt im Rekordtempo eine neue GmbH gegründet und nur wenige Tage später die ProB-Lizenz erhalten. War da an Schlaf überhaupt zu denken?
Wolfgang Heyder: Das war schon alles sehr hektisch und mit heißer Nadel gestrickt. Als wir absehen konnten, dass sich Astrid Kollmar (Anm. d. Red.: Eigentümerin der BiG GmbH, Rockets Gotha) vom Profi-Basketball zurückzieht, war es mir und einigen Mitstreitern sehr wichtig, dass es weiterhin in Erfurt und der Region höherklassigen Basketball gibt - schon alleine wegen der sehr werthaltigen Jugendarbeit. Absolut positiv war, dass uns viele Menschen unterstützt haben, auch die Kommune war dabei. Aber klar ist: es muss immer jemand vorausmarschieren...

Wie geht es in den nächsten Wochen mit dem Erfurter Basketballprojekt weiter? Noch gibt es keinen Teamnamen, Spielstätte, geschweige denn Spieler...
Viel Arbeit, ohne Frage, aber Herausforderungen gab es jetzt über zwei Jahre jede Menge. Was den Teamnamen betrifft, gibt es etliche gute Ideen. Wir befinden uns in der Endabstimmung. In Sachen Spielstätte gibt es zwei alternative Varianten, die beide ihre Vorteile haben. Die Halle des Sport-Gymnasiums und die Riedhalle mit 1600 Plätzen, die mir vermarktungstechnisch sehr gut gefällt. Die Grundlage des Teams wird die Aufsteigermannschaft der zweiten Rockets-Mannschaft mit vielen jungen Spielern bilden. Alle haben noch viel Luft nach oben, mein Mitgesellschafter Florian Gut ist als Trainer prädestiniert für dieses Projekt. Ich selbst werde jetzt die Struktur mitentwickeln, die finanzielle Ausstattung mitbesorgen, aber mich dann in die Gesellschafterrolle im Hintergrund zurückziehen und nicht mehr im operativen Bereich tätig sein. Wichtig ist es, Leistungsbasketball in der Region zu erhalten.

Die Lizenz-Übertragungen im Basketball sind für Außenstehende kaum zu durchschauen. Die BiG GmbH (Rockets Gotha) hat ihre ProB-Lizenz dem BBC Coburg übertragen, die XXL Baskets Erfurt GmbH wiederum hat die ProB-Lizenz von den Artland Dragons übernommen. Wäre es nicht einfacher gewesen, den Basketball-Neuaufbau in Erfurt in der ProB mit der vorhandenen Lizenz der BiG Gmbh zu starten?
Eine solche Konstellation wünscht sich niemand im Basketball, aber der Ausstieg von Oettinger als einem der größten deutschen Basketballsponsoren in Deutschland überhaupt von heute auf morgen, noch dazu mitten in der Saison, hat zu diesen Verwerfungen geführt. Astrid Kollmar wollte lange Zeit die ProB in Gotha realisieren, was die Erfurter Sponsoren nicht mitmachen wollten, so dass wir reagieren mussten.

Sie haben schon frühzeitig Kontakt mit dem BBC Coburg wegen der möglichen Lizenz-Übertragung der Rockets-Mannschaft aufgenommen. Dabei gab es unterschiedliche Planspiele. Wie hätte die optimale Variante der Zusammenarbeit ausgesehen?
Ich bin ehrlich. Nachdem klar war, dass es in Erfurt keinen ProA-Basketball geben wird, war mein erster Gedanke, die ProA-Lizenz mit den neun deutschen Spielern, die ja alle auf die ProA gewartet hatten, nach Coburg zu bringen. Auch als Mehrwert eines Entwicklungsteams für Brose Bamberg, da Brose ja auch in Coburg Hauptsponsor ist. Michael Stoschek stand der Idee auch sehr positiv gegenüber, es wäre auch sehr kostengünstig gewesen. Aber leider war das mit den Coburger Verantwortlichen kurzfristig nicht umsetzbar.

Dafür gibt es jetzt in der neuen Spielzeit ein Derby zwischen Coburg und Erfurt in der ProB. Dabei kommt es zum Treffen mit dem neuen Coburger Trainer Ulf Schabacker, Ihrem guten Freund und Geschäftskollegen. Wie groß ist die Vorfreude auf diese Partien?
Ulf ist aus meiner Sicht eine sehr gute Wahl für die Coburger, ich freue mich auch, dass der BBC eine ProB-Lizenz bekommen hat. Und Derbys sind natürlich reizvoll, zumal sich etliche der Beteiligten gut kennen. Für Erfurt war es wichtig, dass weiter höherklassiger Basketball gespielt wird. Jetzt gilt es, die Struktur zu konsolidieren, da wachsen die Bäume nicht in den
Himmel!

Gehen wir etwas südlicher. Brose Bamberg hat vergangene Woche bekanntgegeben, sich für fünf Jahre an die Basketball-Champions-League zu binden - bisher sportlich gesehen ein eher drittklassiger Wettbewerb. Eine nachvollziehbare Entscheidung aus Ihrer Sicht?
Das mit dem drittklassigen Wettbewerb kann ich so nicht teilen, da hat sich in den letzten zwei Jahren einiges entwickelt. Es gibt dort immer interessantere Teams, ein durchaus attraktiver Wettbewerb - und man kann dort auch Geld verdienen. Mal abwarten, was da noch alles passiert.

Vom Basketball zum Handball: Wie intensiv verfolgen Sie noch das Geschehen beim HSC Coburg? Halten Sie den Aufstieg in der kommenden Spielzeit für realistisch?
Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich es im letzten Jahr nicht geschafft habe, ein Spiel zu besuchen. Das Bundesliga-Jahr in Erfurt war einfach zu intensiv, aber ich habe das Geschehen in Coburg natürlich verfolgt.
Das Jahr nach einem Abstieg ist immer sehr schwierig, jetzt gibt es einen kompletten Umbruch, das wird spannend werden. Als eine echte Handball-Hochburg wird der HSC sicher mitmischen, davon bin ich überzeugt, ich vertraue da sehr auf Trainer Jan Gorr.


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