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Aura an der Saale
Altersarmut

Birkwald: Viele Rentner sind auf Wohngeld angewiesen

Der Rentenpolitische Sprecher der Fraktion Die Linke war als Referent geladen.
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Matthias W. Birkwald (MdB)  Foto: Hilmar Ruppert
Matthias W. Birkwald (MdB) Foto: Hilmar Ruppert

"Altersarmut - muss nicht sein" zu diesem Thema konnte der Kreisverband Main/Rhön den Rentenpolitischen Sprecher der Fraktion Die Linke Matthias W. Birkwald (MdB) als Referenten gewinnen. Daneben begrüßte Kreissprecher Frank Hertel den Kreistagskandidaten Gerhard Klamet.

Mit einem Foto, auf dem ein flaschensammelnder Rentner zu sehen war, startete Birkwald seinen Vortrag. Eine Politik, bei der alte Menschen noch Flaschen sammeln müssen, sei unwürdig. Der durchschnittliche Rentenzahlbetrag bei langjährigen Versicherten mit 35 Beitragsjahren betrug vor 18 Jahren 1021 Euro. 2018 sank er um neun Prozent auf 929 Euro. Um die Preissteigerungen seit 2000 auszugleichen hätte 2018 eine durchschnittliche Rente 1345 Euro statt 929 Euro betragen müssen, was einem Wertverlust von 464 Euro entspreche. Nicht zuletzt deshalb kämpfe er für den Dreiklang: Gute Arbeit, Gute Löhne und Gute Rente, so Birkwald.

Angst, dass Kinder zahlen müssen

Doch immer mehr Altersrentner und -rentnerinnen seien auf Grundsicherung im Alter und Wohngeld angewiesen. Er bezifferte den Anstieg der Betroffenenzahl seit 2003 um 116 Prozent, von 257 000 auf 556 000 im Jahr 2019.

Bei den vielen Talkshows falle auf, dass die Gäste zum Thema Rente nie über Zahlen reden würden. 62 Prozent aller Menschen, die eigentlich Grundsicherung im Alter beantragen könnten, täten das nicht. Ein Teil wisse es nicht, ein Teil wolle es nicht und schäme sich und wieder andere hätten Angst davor, dass ihre Kinder etwas davon zurückzahlen müssten.

"Die Jungen zahlen für die Alten", dieser Satz sei falsch, so Birkwald. Er kenne viele Junge, wie Schüler, junge Beamte oder junge Arbeitslose usw., die nichts einzahlen würden. Richtig sei vielmehr, dass Sozialversicherungspflichtige für die Renten einzahlen würden. Es sei auch nicht in Ordnung die Lebensarbeitszeit nach oben zu verschieben, denn wir hätten kein Demographie-, sondern ein Verteilungsproblem, so Birkwald. Dass es auch anders geht, zeige ein Blick auf Österreich. Dort habe man Mindestrenten ab 15, 30 und ab 40 Beitragsjahren. Im Nachbarland bekomme ein durchschnittlicher Rentner (männlich) über 1000 Euro mehr an Rente als in Deutschland, so der Politiker.

Italien (13,8%), Frankreich (12,9), Schweden (12,3), Dänemark (11,1) gäben mehr pro Kopf und mehr vom Brutto-Inlands-Produkt für Altersrenten aus als Deutschland (9,1%). Das Rentenkonzept der Linken setze auf ein Rentenniveau von 53 Prozent. Überhaupt sei die wichtigste Stellschraube für gerechte Renten das Rentenniveau. Als falsch bezeichnete es Birkwald, dass SPD, Die Linke und Grüne nicht der Rentenkommission angehörten. Von Seiten der Linken hätte man kein Interesse daran, dass SPD oder CDU/CSU so stark an Bedeutung verlieren würden.

Jetzt heisse es für Die Linken reale Forderungen umzusetzen, auch aus der Opposition heraus. Abschließend stellte er noch die elf Bausteine des Linken Rentenkonzepts und eine Auswahl der Parlamentarischen Initiativen vor. Eine Fragerunde schloss sich dem Vortrag an.

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