Bad Kissingen
Kissinger Sommer

Weltstars und junge Elite - Ein Festival vom Feinsten

Das Musikfestival Kissinger Sommer startet am Freitag, 19. Juni in seine 30. Saison. Seit seiner Gründung wird das Festival geleitet von Kari Kahl-Wolfsjäger, die 2016 die Leitung abgibt. Ein Rückblick der Intendantin auf drei Jahrzehnte Festivalgeschichte:
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Die Intendantin des Kissinger Sommers, Kari-Kahl-Wolfsjäger  Foto: Ronald Rinklef
Die Intendantin des Kissinger Sommers, Kari-Kahl-Wolfsjäger Foto: Ronald Rinklef
VON Dr. Kari Kahl-Wolfsjäger, Gründungsintendantin

Als ich 1984 mit dem Bundestagsabgeordneten Eduard Lintner erstmals den prachtvollen Regentenbau erlebte, ahnte ich nicht, dass ich damals bei Johannes Gross ("Capital") mit der internationalen Kultur beschäftigt, zum 30. KISSINGER SOMMER hier noch Regie führen würde.

Meine ersten Begegnungen in Bad Kissingen mit dem kulturbegeisterten Oberbürgermeister Georg Strauss, mit seinem Kontrahenten im Stadtrat, Christian Zoll, mit Bernd und Martha Müller, mit Dr. Hans-Georg Dehnhardt und seiner Frau Marina, mit Karin Renner und Hilla Schütze, gaben mir, der Journalistin aus Oslo, das Gefühl, Bad Kissingen sei der richtige Ort für ein internationales Musikfestival. "Europa in Kultur" war damals mein Motto und man ließ mich gewähren, obwohl dieser Gedanke vielen befremdlich erschien, im Februar 1985, unweit der Zonengrenze, als die Planung für den ersten Festivalsommer begann. Die drei Säulen des Festivals standen ebenfalls von Anfang an fest: Weltstars, die junge Elite, zeitgenössische Musik und ihre Komponisten.

Dabei ist es geblieben, 30 Sommer lang.

Bereits im ersten Jahr reiste eine illustre Künstlerschar an die Fränkische Saale. Aus London kam Peter Ustinov, direkt von Wimbledon, Dmitry Sitkovetsky kam ebenfalls von der Themse, Rudolf Buchbinder und Elisabeth Leonskaja aus Wien sowie Vladimir Ashkenazy aus der Schweiz. Boris Pergamenschikow reiste aus Köln an und Ludwig Güttler aus Dresden. Der junge Frank Peter Zimmermann wohnte noch bei den Eltern in Duisburg. Dem Trio Fontenay aus Hamburg gehörte damals die musikalische Zukunft. Opernstar René Kollo kam aus Berlin, Peter Schreier aus Dresden und Katia Ricciarelli aus Mailand.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks trat bereits beim ersten Festival an, aus Amsterdam stellte sich das Nederlands Philharmonisch Orkest vor und aus Budapest das Radio Symphonieorchester. Götz Friedrich kam mit der Deutschen Oper Berlin und aus Wien das Burgtheater. Die Komponisten der ersten Stunde waren Aribert Reimann, Wolfgang Rihm, Peter Ruzicka und der Dresdner Udo Zimmermann. Die vier historischen Säle des Regentenbaus, ein Geschenk der Wittelsbacher Regenten, waren mein stärkstes Zugpferd. So kamen sie alle, die großen Stars, die uns halfen Publikum aus aller Welt für die vielen Nachwuchskünstler, die Stars von morgen und übermorgen, anzuziehen: Krystian Zimerman, Radu Lupu, Lynn Harrell, Alexis Weissenberg, Heinrich Schiff, Yuri Bashmet, Francisco Araiza, Hermann Prey, Emma Kirkby, Waltraud Meier, die jungen Olaf Bär und Andreas Schmidt gehörten zu den Künstlern der Anfangsjahre.

Vor genau 25 Jahren kam die junge Hélène Grimaud zu einem Schulkonzert in den Rossini-Saal, Sachar Bron kam zu einem Meisterkurs. Beim Sonderkonzert spielten Maxim Vengerov, Vadim Repin, beide noch Teenager, und am letzten Tag der 9-jährige David Garrett.1992 hörten wir die unvergessene Lucia Popp in Bad Brückenau. Es kamen Edita Gruberova, Oliver Widmer, Barbara Hendricks, Gil Shaham, Michael Heltau, Joshua Bell und Jean-Pierre Rampal. Alban Gerhardt, Lars Vogt, Ewa Kupiec und Isabelle Faust folgten. Svjatoslav Richter, schon zu Lebzeiten eine Legende, kam erstmals 1994 und erkundete, unerkannt mit Schlapphut, stundenlang den Kurpark. Auch der junge, geniale Yefim Bronfmann begeisterte, ebenso András Schiff und Leiv Ove Andsnes.

Der 10. KISSINGER SOMMER brachte die Bekanntschaft mit Sarah Chang. Julian Rachlin kam mit Lorin Maazel, Melvyn Tan, Christoph Prégardien, Tabea Zimmermann, Siegfried Mauser und Moritz Eggert traten auf. Wir hörten Mario Adorf mit "Al dente", Wolfgang Holzmair und Michail Pletnjev waren dabei. Zum 7. Kissinger Komponistensymposium begrüßten wir 1996 Alfred Schnittke, Sofia Gubaidulina und Edison Denissow; sie diskutierten mit den anwesenden deutschen Kollegen. Eine Sternstunde!

Gerhard Oppitz war Solist bei Lorin Maazel. Grigory Sokolov trat erstmals im Regentenbau auf und kehrt seitdem jedes Jahr zurück, Yehudi Menuhin dirigierte das BR-Orchester, die jungen Sängerinnen Christiane Oelze und Ruth Ziesak begeisterten und Thomas Quasthoff stellte sich vor. Im darauffolgenden Jahr kam erstmals Mstislav Rostropovich. Emanuel Ax, Mariss Jansons, Roger Norrington, Melvyn Tan, Misha Maisky und Daniel Barenboim gehörten zu den Künstlern. Wir lernten Klaus Maria Brandauer, Christian Tetzlaff, Murray Perahia und Gidon Kremer kennen. Dann folgte im Kloster Maria Bildhausen das Debüt der jungen Diana Damrau, gerade mit der Würzburger Musikhochschule fertig. Es war ihr zweiter Liederabend als Profi! Semyon Bychkov kam vorbei, der junge noch unbekannte Arcadi Volodos, die Nachwuchskünstler Martin Helmchen, Kirill Gerstein, Danjulo Ishizaka und aus New York Alisa Weilerstein.

Die einzigartige Cecilia Bartoli kam 2000 erstmals in den Regentenbau und blieb uns seitdem treu! Die Wiener Symphoniker dirigierte der unvergessene Jakov Kreizberg, Jewgenij Kissin trat an, Igor Levit, unser heutiger Superstar, kam 16-jährig zu der KlavierOlympiade und erfreut uns seitdem alljährlich. Der 22-jährige Lang Lang erkundete zu Fuß mit seinem Vater und Hilla Schütze die Gegend und spielte mit dem Londoner BBC Orchester Chopin - A star was born! Er kehrte häufig zu seinen (deutschen) Wurzeln zurück und kommt wieder zum KISSINGER SOMMER 2016. 2005 erlebten wir den Neuankömmling Rolando Villazón, seine Tenorkollegen Piotr Beczala und Daniel Behle. Roger Norrington und Kent Nagano dirigierten. Alice Sara Ott kam von der KlavierOlympiade 2004. Mojca Erdmann gewann den Luitpoldpreis unseres Fördervereins als beste junge Künstlerin und Herbert Schuch die KlavierOlympiade.

Lisa Batiashvili und Pjotr Anderszewski debütierten und der 13 Jahre alte Kit Armstrong gewann die KlavierOlympiade und damit ein Orchesterkonzert 2007. Die junge norwegische Geigerin Vilde Frang stellte sich vor, ebenso Marie-Elisabeth Hecker und Leonidas Kavakos. Kirill Petrenko dirigierte die BR-Symphoniker. 2009 lernten wir die fabelhafte junge chinesische Pianistin Yuja Wang aus New York kennen, Lisa Batiashvili leitete die Klang-Werkstatt mit Igor Levit, Valeriy Sokolov, Maximilian Hornung und François Leleux. Die Sächsische Staatskapelle aus Dresden mit Colin Davis und Geigenvirtuosen Nikolaj Znaider traten auf, Christiane Karg kam mit den Bambergern. Der 15-jährige Aaron Pilsan machte beim KlavierOlymp (Namenswechsel erzwungen durch das Olympische Komitee) auf sich aufmerksam. Yakov Kreizberg leitete eines seiner letzten Konzerte.

Der 25. KISSINGER SOMMER begann mit einem Paukenschlag! Lang Lang begleitete Cecilia Bartoli bei einem erlesenen italienischen Opernabend. Kent Nagano kam mit seinem Orchester aus Berlin, Klaus Maria Brandauer enthüllte Unbekanntes von Casanova. Martin Helmchen, Kit Armstrong, Alisa Weilerstein, Yuja Wang, Danjulo Ishizaka und Nikolai Tokarev waren ebenfalls dabei. Manfred Honeck kam aus Stuttgart mit dem großartigen Arcadi Volodos. Iván Fischer brachte 2011 wieder sein hervorragendes Budapest Festival Orchestra mit, der englische Bratschist Lawrence Power leitete die Klang-Werkstatt. David Garrett und die Wiener Symphoniker spielten Beethoven unter Fabio Luisi. Die Filarmonica della Scala stellte sich mit Semyon Bychkov vor, András Schiff beeindruckte uns erneut. Das Orchestre de Paris kam mit Jean-Yves Thibaudet. Philippe Jaroussky sang Vivaldi und Bassbariton Daniel Kotlinski stellte sich erstmals vor. Jewgenij Kissin spielte beim Abschlusskonzert Chopin. 2012 gab es gleich zu Beginn zwei Wunschkonzerte: Cecilia Bartoli sang mit dem Ensemble Matheus und das Londoner BBC-Orchester unter Jiří Bělohlávek spielte zur Eröffnung mit Yefim Bronfman, Weltklassepianist aus New York. Die junge Anna-Lucia Richter beeindruckte in Bad Brückenau. Mit Daniel Behle und Daniel Kotlinski, Alex Penda, Igor Levit und Semion Skigin hörten wir eine ergreifende Petite Messe Solennelle von Rossini. Wir feierten Wolfgang Rihms 60. Geburtstag und das Orchestre de Paris unter Paavo Järvi brachte David Fray am Klavier. Khatia Buniatishvili nahm mit den Parisern das 1. Chopinkonzert auf CD im Regentenbau auf. Diana Damrau und Roger Norrington kamen mit den Bambergern, Iván Fischer spielte mit Igor Levit, aus Peking reiste das NCPA Orchestra an und spielte mit Rudolf Buchbinder. Beim Abschlusskonzert mit der Scala Accademy aus Mailand bewunderten wir die großartige Sopranistin Pretty Yende.

Beim "Jubiläumskonzert 100 Jahre Regentenbau" spielten die Münchner Philharmoniker, einst das sommerliche Kurorchester Bad Kissingens, mit David Fray Mozarts Jeunehomme-Konzert. Das Orchestre de Paris kehrte zurück, und Andris Nelsons leitete das Symphonieorchester des BR. Publikumsliebling Hélène Grimaud beeindruckte mit einem Brahmsprogramm.

10 Jahre Kissinger KlavierOlymp wurde 2013 mit einigen Gewinnern in einem Orchesterkonzert gefeiert: Martin Helmchen, Igor Levit, Herbert Schuch, Kit Armstrong und Michail Lifits. Eine reiche Ernte! Aus Lissabon kam Lawrence Foster mit einer denkwürdigen Aufführung von Berlioz" "Roméo et Juliette" mit Marianne Crebassa, David Lomelli und Daniel Kotlinski. Beim letzten KISSINGER SOMMER eröffnete die Nationalphilharmonie aus Warschau mit Genia Kühmeier und Igor Levit mit Mahlers 4. Sinfonie und Beethoven. Iván Fischer stellte sein Berliner Konzerthausorchester vor, Anna Lucia Richter und Nikolaj Znaider waren die Solisten. Anna Prohaska beeindruckte mit einem außergewöhnlichen Liederabend.

Yannick Nézet-Séguin kam mit den BR-Sinfonikern und Hélène Grimaud. Die Tschechische Philharmonie begeisterte unter Chefdirigent Bělohlávek mit einer inspirierten Interpretation von Haydns "Schöpfung" (Behle, Ziesak, Kotlinski) und David Garrett spielte mit den Tschechen Vivaldis "Vier Jahreszeiten". Erstmals wurde eine konzertante Oper beim KISSINGER SOMMER vorgestellt, Donizettis "L'elisir d'amore", die für den Förderverein auf DVD und CD aufgezeichnet wurde.

Es waren 30 wundervolle Sommer voller herrlicher Musik!
Danke Bad Kissingen! Danke unserem sachkundigen Publikum!


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