Frauenroth
Botenlaubenfest

Das Mittelalter authentisch nachgestellt

Die gute Nachricht zuerst: Das Botenlaubenfest am 15. und 16. September wird das Mittelalter noch authentischer als bisher aufleben lassen. Die schlechte Nachricht: Das Fest wird künftig nur noch im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfinden.
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Sie sind die Stars der Botenlauben-Festspiele: der künstlerische Leiter Knud Seckel als Graf Otto und Catherine Vogel als seine Gemahlin Beatrix. Foto: Privat
Sie sind die Stars der Botenlauben-Festspiele: der künstlerische Leiter Knud Seckel als Graf Otto und Catherine Vogel als seine Gemahlin Beatrix. Foto: Privat
"Mehr Authentizität verlangt mehr Aufwand," sagt Werner Vogel, Vorsitzender des Heimatvereins Botenlauben und zusammen mit seiner Frau Doris Cheforganisator des Festes. Und dieser Mehraufwand ist laut Vogel kaum mehr jährlich zu stemmen.

Im vergangenen Jahr haben Ritter, Knappen und Minnesänger Pause gemacht. "Wir haben überlegt, was wir anders machen können," sagt Vogel. Alle Gruppen, angefangen vom Organisationsteam über die Minnesänger bis hin zu den Orientalen, kamen einzeln zusammen, um zu beraten. Schnell wurde klar, dass der Heimatverein einen Profi mit ins Boot nehmen musste, der eine neue Note reinbringt.

Ein Profi als Leiter


Und den hat der Verein mit Knud Seckel gefunden, dem neuen Darsteller des Grafen Otto von Botenlauben und ebenso neuen künstlerischen Leiter der Botenlauben-Festspiele. Das Fazit Seckels: "Was wir machen ist gut, aber wir müssen noch authentischer werden."

Ottos Lieder in mittelhochdeutsch


Seckel, Jahrgang 1966, beschäftigt sich seit 1986 mit historischer Musik und tritt bundesweit als Minnesänger auf. Als Darsteller des Grafen Otto wird er heuer während der Festspiele die Lieder des Minnesängers in mittelhochdeutsch vortragen, von ihm selbst mit historischen Melodien vertont. Damit die Besucher den Minnesang auch verstehen, wird es am Eingang Texthefte geben, die neben dem mittelhochdeutschen Zext auch die Übersetzung in zeitgenössischer Sprache bereithalten, sagt Vogel: "Es ist denkbar, dass da sogar eine CD daraus wird."

Für den Vortrag mit den Liedern Ottos hat der Verein einen neuen Schauplatz gefunden. Im alten Turm der Botenlaube gibt es auf halber Höhe eine Plattform, die als "Rüsthof" in die Festspiele integriert wird. Dort finden rund 50 Zuschauer Platz.

Der "Rüsthof" wird auch Ort einer weiteren Premiere sein. Erzählt wird die von Werner Vogel aufgeschriebene Schleiersage. Dieser Sage nach hat Gräfin Beatrix, die Gemahlin Ottos, ihren Schleier vom Turm der Botenlaube fliegen lassen, um am Ort der Landung ein Kloster zu gründen. Zugeschrieben wird dieser Sage das ehemalige Kloster in Frauenroth.

Feuertheater


Neu gestalten wird der Heimatverein schließlich auch das Feuertheater auf den Zinnen der Burgruine. Erzählt wird die Lebensgeschichte Ottos, musikalisch untermalt unter anderem mit Liedern aus der Carmina Burana von Carl Orff. "Es gibt Schaukämpfe auf der Zinne, Feuer-Jonglagen und ein brennendes Schiff," schwärmt Werner Vogel.

Neue Qualität


Eine neue Qualität also, die der Verein ohne Förderer und Sponsoren nicht mehr hätte stemmen können, sind sich Doris und Werner Vogel sicher. "Rund 15 000 Euro sind fällig, bevor das Fest überhaupt begonnen hat", sagt Vogel. Dieses Geld fließt unter anderem in Künstler-Gagen, in die Ergänzung der Ausrüstung und in die Werbung.

Neben einer Reihe von Firmen hat der Heimatverein die Stadt, den Landkreis und die Staatsbad GmbH mit ins Boot geholt. "Stadt und Staatsbad GmbH verstehen die Botenlauben-Festspiele als Teil des Kulturprogramms der Stadt mit erheblicher Außenwirkung," sagt Vogel. Er verweist auf eine Umfrage, die der Verein vor einigen Jahren durchgeführt hat. Demnach hatten über die Hälfte der Besucher eine Anreise von mehr als 50 Kilometern.
Auch wenn Doris und Werner Vogel ihre Rollen als Graf Otto und Gräfin Beatrix abgegeben haben, sie bleiben die Chef-Organisatoren: "Die Verantwortlichkeiten werden nach wie vor von Leuten getragen, die seit langem dabei sind." Nach wie vor gibt es viele junge Leute, die begeistert am Fest mitwirken. Doch die meisten haben auch noch andere Interessen, ziehen weg oder möchten sich nur ungern an ein Ehrenamt binden. Doch auch hier blicken Doris und Werner Vogel zuversichtlich in die Zukunft: "Es gibt erfreuliche Ansätze".


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