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Für Psen Exaratus und Seinesgleichen

Seltene Hautflüglerarten verhinderten seinerzeit, dass die Tongruben bei Muggenbach zu einer Mülldeponie wurden. Neuerdings helfen Ziegen und Kamerunschafe dem Zweckverband Grünes Band, den Lebensraum für die bedrohten Insektenarten zu erhalten.
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Siegfried Weid, Tobias Mehling und Frank Reißenweber (von links) betrachten einen Weidenstock in der roten Grube der Muggenbacher Tongruben, der von Ziegen stark abgefressen worden ist. Fotos: Rainer Lutz
Siegfried Weid, Tobias Mehling und Frank Reißenweber (von links) betrachten einen Weidenstock in der roten Grube der Muggenbacher Tongruben, der von Ziegen stark abgefressen worden ist. Fotos: Rainer Lutz
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Die Tongruben bei Muggenbach sollten eigentlich eine Mülldeponie werden. Ein Gutachten zur Naturverträglichkeit hätte dem nicht viel entgegengesetzt. Doch der Bund Naturschutz ließ ein weiteres Gutachten erstellen. Das änderte alles und heute sind die Tongruben eines der Schwerpunktgebiete im Naturschutzgroßprojekt Das Grüne Band.

"Man hatte damals die Hautflüglerpopulation außen vor gelassen", sagt Stefan Beyer. Der Biologe leitet das Projektteam, das für die Umsetzung der Pläne für das Grüne Band verantwortlich ist. Der vom BN beauftragte Dr. Klaus Mandery fand schon bei der Erstkartierung für das Gegengutachten 206 seltene Hautflüglerarten. Darunter Psen Exaratus. Die erstmals 1995 in den Muggenbacher Tongruben gefundene Grabwespe konnte zuvor noch nicht in Bayern nachgewiesen werden. Durch weitere Kartierungen wurde die Liste inzwischen auf über 300 Arten verlängert.

Verband zeigt seine Arbeit

Im zehnten Jahr seines Bestehens nutzt der Zweckverband unter anderem die Tongruben, um auf seine bisher geleistete Arbeit aufmerksam zu machen. Das bietet sich schon deswegen an, weil hier in jüngster Vergangenheit viel getan wurde. Als das Gebiet 2000 zum Naturschutzgebiet wurde, galt es viel zu tun, damit seine Bedeutung wieder voll zur Geltung kommen konnte. Das seit Mitte des 19. Jahrhunderts betriebene Tonabbaugebiet hatte während der Dauer seiner Nutzung ständig Lebensraum für ganz besondere Insektenarten geboten. Der drohte, durch Verbuschung zu verschwinden.

"Wir haben damals über den Landschaftspflegeverband etwa 150 000 D-Mark ausgegeben, um das Gebiet wieder frei zu halten", sagt LPV-Geschäftsführer Frank Reißenweber. Unter der Planungshoheit des Zweckverbandes wurde weiter daran gearbeitet, den Zustand des gut 25 Hektar großen Areals so zu bewahren, wie es für die Lebensgemeinschaft dort wichtig ist. "Wir haben dann aber nach einer kostengünstigeren Möglichkeit gesucht", sagt Frank Reißenweber.

Die wurde jetzt offenbar gefunden. "Mit Schafen und vor allem Ziegen haben wir in Oberfranken gute Erfahrungen gemacht", bestätigt Siegfried Weid von der Regierung von Oberfranken. Ziegen sind in der Lage, auch holziges Futter zu verdauen. Daher verbeißen sie junge Bäume und schälen die Rinde von älteren Bäumen ab. Sind genügend Ziegen in einem Gebiet vorhanden, können sie es vor Verbuschung bewahren.

In der roten Grube hält Volker Hager aus Gemünda derzeit 24 Kamerunschafe und Ziegen. "In ein paar Wochen könnten es auch doppelt so viele sein oder dreimal so viele", sagt er. Etliche Tiere sind nämlich trächtig. Der Zuwachs würde ihn ebenso freuen wie die Naturschützer, denn noch werden die Tiere des Aufwuchs von Bäumen und Büschen nicht Herr - obwohl sie schon einiges verbeißen, wie Frank Reißenweber bei einer Begehung zeigen konnte.

Volker Hager hält die Tiere im Nebenerwerb. "Es macht mir viel Spaß", sagt er. Bisher gab es kaum Probleme mit dem rund 40 000 Euro teuren Elektrozaun um die gut zehn Hektar große Weide - die allerdings zu einem Teil auch bewaldet ist.

Hager hofft, dass alles so problemlos bleibt, wenn einmal ein Wolf durch die Gegend kommt. "Es ist ein starker Elektrozaun mit fünf Litzen, für den wir uns auch mit dem Gedanken an den Wolf entschieden haben", sagt Stefan Beyer. Der Wolf soll draußen bleiben - Besucher nicht. Es gibt extra Schleusentore, damit Naturfreunde hinein können.

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