Ziegenburg

Seit 45 Jahren gehört Ziegenburg zur Marktgemeinde Marktschorgast

Längst ist Gras über die Eingemeindung von Ziegenburg gewachsen, alles geht im kommunalen Bereich seinen Gang. Man möchte glauben, dass kein Hahn mehr danac...
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So sah es bis Ende 1986 im Haus von Trina Singer in Ziegenburg aus. Trinkwasser musste sie aus ihrem eigenen Brunnen im Haus pumpen. Fotos: Bruno Preißinger
So sah es bis Ende 1986 im Haus von Trina Singer in Ziegenburg aus. Trinkwasser musste sie aus ihrem eigenen Brunnen im Haus pumpen. Fotos: Bruno Preißinger
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Längst ist Gras über die Eingemeindung von Ziegenburg gewachsen, alles geht im kommunalen Bereich seinen Gang. Man möchte glauben, dass kein Hahn mehr danach kräht, was 1971, also vor 45 Jahren geschah.
Oder doch! Da ist Elsa Püschel-Voit, die sich erinnert: "Ich war von Anfang an eine Verfechterin für die Eingemeindung von Ziegenburg nach Marktschorgast. Es lag doch auf der Hand, dass eine Gemeinde wie Ziegenburg finanziell nicht in der Lage sein würde, eine Wasserleitung zu bauen oder gar die Mittel für eine Kanalisation aufzubringen. Ohne die Verbesserung der Infrastruktur hätte es bestimmt keine Neubaumaßnahmen mehr gegeben."
So erhielt Ziegenburg vor 30 Jahren eine Wasserversorgung mit dem Anschluss an das Netz des Marktes Marktschorgast. Dies war eine existenzielle Maßnahme für den Ortsteil in baulicher Hinsicht - "und eine Verbesserung der Lebensqualität", wie Elsa Püschel-Voit anmerkt.
Heute ist es selbstverständlich, dass das Wasser läuft, sobald der Hahn aufgedreht wird. Der Leitungsbau ist mit ein Produkt der freiwilligen Eingemeindung vor 45 Jahren. Es wurde im Rahmen der Gebietsreformklausel vom bayerischen Staat noch mit 80 Prozent gefördert.
Die kommunale Gebietsreform im Freistaat brachte auch für den Markt Marktschorgast große Veränderungen. Zum 1. April 1971 wurde die bis zu diesem Zeitpunkt noch selbstständige Gemeinde Ziegenburg mit ihren Ortsteilen Pulst, Mittel-, Ober- und Unterpöllitz sowie Rohrersreuth eingemeindet.


Weitblickender Bürgermeister

Der weitblickende Bürgermeister Hans Hartmann und seine Gemeinderäte sahen damals, dass die Existenzfähigkeit ihrer Gemeinde, deren Haushalt im Jahre 1969 in Einnahmen und Ausgaben mit 28 428 Mark zu Buche stand, in Anbetracht der anstehenden Aufgaben gefährdet war. Daher beschlossen sie, beim Landratsamt Kulmbach den Antrag auf freiwillige Angliederung an die Gemeinde Marktschorgast zu stellen.
Dabei ließen sie sich nicht nur von der geografischen Lage ihrer weit verstreuten Gemeinde leiten, sondern auch von der Tatsache, dass sie bereits zum Standesamt und zum Schulverband Marktschorgast gehörten und auch in kirchlicher Hinsicht von Marktschorgast betreut werden. Zudem war die Wirtsstube im Gasthof "Goldener Löwe" bis zur Eingemeindung 1971 Wahllokal und Sitzungssaal der Gemeinde Ziegenburg.
In einer Festsitzung lobte Bürgermeister Christian Bärnreuther die verständnisvolle Haltung seines Kollegen Hans Hartmann und seiner Räte, "dass die vorausgegangenen Verhandlungen im Geiste des gegenseitigen Vertrauens geführt werden konnten". Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass dieses Vertrauen auch in der Zukunft "das lebendige Element im Zusammenleben der Bürger beider Gemeinden bleiben möge". Und Hans Hartmann brachte zum Ausdruck: "Zwar gibt die Gemeinde Ziegenburg ihre mit gewisser Tradition verbundene geschichtliche Vergangenheit auf, aber in der heutigen Zeit ist engstirnige Kirch-
turmpolitik fehl am Platze." Ihm sei um die Zukunft der beiden Gemeinden nicht bange, weil das gegenseitige Vertrauen bei beiden Partnern vorhanden sei.
"Eigentlich", so sagt die gebürtige Ziegenburgerin Elsa Püschel-Voit, "hat uns nichts Besseres passieren können". Man glaube heute, dass Marktschorgast und Ziegenburg schon immer zusammengehört haben.







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