Bisher war man davon ausgegangen, dass in Systemen mit sehr heißen, massereichen Sternen keine Planeten entstehen können, da ihre Strahlung und Hitze die Bildung derartiger Himmelskörper verhindern würde, so die Forscher in dem Fachmagazin "Nature". Von den rund 5000 bisher bekannten Planeten außerhalb des Sonnensystems, sogenannten Exoplaneten, umkreist keiner einen Stern, der mehr als die dreifache Sonnenmasse hat. Über den Fund berichtet ein Team um Markus Janson von der Universität Stockholm.

Da die meisten Methoden, mit denen die Himmelsforscher nach Exoplaneten suchen, sind besonders empfindlich für Planeten auf sehr engen Umlaufbahnen, war es bislang offen, ob es bei massereichen Sternen Planeten auf weiten Umlaufbahnen gibt.

Neue Technik hat die Entdeckung ermöglicht

Janson und sein Team haben in dem Zuge im Rahmen der „B-Star Exoplanet Abundance Study“ nach Planeten in größerem Abstand um massereiche Sterne gesucht. Dazu verwendeten sie SPHERE (Spectro-Polarimetric High-contrast Exoplanet Research), das am Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte in Chile montiert ist. Ein sogenannter Coronagraf, der in SPHERE eingebaut ist, blendet das helle Licht des untersuchten Sterns aus, um die weniger hellen Planeten besser erkennen zu können.

So konnte das Team um Markus Jonson bei dem 325 Lichtjahre entfernten Doppelstern b Centauri eine Entdeckung machen. Seine Bezeichnung folgt der Konvention, dass der erste in einem Sternensystem entdeckte Planet den Namen des Sternensystems, erweitert um den Buchstaben b, trägt. "Die Entdeckung eines Planeten um B Centauri war sehr aufregend, da sie das Bild über massereiche Sterne als Planetenwirte völlig verändert", sagt der schwedische Astronom, Markus Janson, der zu dem Forscherteam gehört, das die außergewöhnliche Entdeckung gemacht hat.

So fanden die Wissenschaftler heraus, dass b Centauri b etwa die zehnfache Masse des Jupiter hat, was gut der dreitausendfachen Erdmasse entspricht. Zudem ist er nicht nur sehr groß und umkreist einen superheißen, gigantischen Doppelstern, sondern macht dies auch in weiter Entfernung jenes Doppelsterns. Diese sei rund einhundertmal größer als die Entfernung des Jupiters von der Sonne. Die Gesamtmasse von b Centauri liegt zwischen 6 und 10 Sonnenmassen und somit deutlich über dem bisherigen Limit.

Entstehung des Planeten noch unklar

Nach der heutigen Vorstellung der Astronomen entstehen Sterne aus sich verdichtenden Gaswolken. Um die jungen Sterne bilden sich rotierende Scheiben aus Gas und Staub, in denen dann wiederum Planeten entstehen können. Doch das ist bei b Centauri b nicht möglich. "Es ist eine raue Umgebung, die von extremer Strahlung beherrscht wird und in der sich alles in einem gigantischen Maßstab abspielt: Die Sterne sind größer, der Planet ist größer, die Entfernungen sind größer", sagt Gayathri Viswanath. Er ist Doktorand an der Universität Stockholm und einer der Co-Autoren der Veröffentlichung. 

Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen halten es für unwahrscheinlich, dass er auf bisher bekannte Art und Weise entstanden ist. Womöglich stammt b Centauri b aus einem anderen Sternsystem und wurde von b Centauri eingefangen, vermutet Jansons Arbeitsgruppe. "Es wird eine faszinierende Aufgabe sein herauszufinden, wie er entstanden sein könnte. Im Moment ist das noch ein Rätsel", sagt Janson.